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Politik international

Glaser: Entwicklungsländer brauchen eigenständige Landwirtschaft

von , am
17.04.2010

Wien - Bei der Diskussion "Die neue grüne Revolution in Afrika" in Wien erörterten Fachleute die Zusammenhänge von Weltagrarhandel, Hunger, "neuem" Kolonialismus und Armut.

© pascalzoom/fotolia

"Die zunehmenden Konzentrationsprozesse beim Besitz von landwirtschaftlichem Grund und Boden schaffen in vielen Ländern der Erde enorme Probleme. Für die eigenständige nachhaltige Entwicklung und Versorgung mit Nahrungsmitteln bringen Monopolisierung und wirtschaftliche Abhängigkeiten neue Risiken mit sich. Der verantwortungsvolle Umgang mit landwirtschaftlichen Ressourcen bleibt daher eine Kernaufgabe der internationalen Entwicklungspolitik", betonte Franz Glaser, Vorsitzender des Instituts für Umwelt, Friede und Entwicklung (IUFE) sowie ÖVP-Sprecher für Entwicklungszusammenarbeit, bei der Konferenz "Die neue grüne Revolution in Afrika" in Wien.

Regelrechter Wettlauf um Grund und Boden

Dieser südliche Kontinent ist Glasers Meinung nach besonders exponiert. "Um Grund und Boden hat ein regelrechter Wettlauf eingesetzt. Aber dass die von den neuen Eigentümern vorgenommene intensivere Bewirtschaftung zur Bekämpfung des Hungers dient, ist zu bezweifeln. Außerdem versuchen multinationale Saatgut-, Düngemittel- und Chemieunternehmen die Abhängigkeit von Bauern und ganzen Staaten gezielt zu erhöhen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Kleinbauern, die lokale Bevölkerung und die Umwelt zu den Verlierern dieser Entwicklung zählen. In der Folge sind die Zerstörung von Produktions- und Lebensgrundlagen, zunehmende Landflucht und die Entleerung ländlicher Räume zu befürchten", warnte Glaser.

Agrarische Strukturen für Versorgung wichtig

Voraussetzung für die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Lebensmitteln auch in den Zentren seien agrarische Strukturen. "Es braucht entsprechende landwirtschaftliche Beratung, funktionierende Markteinrichtungen, den Zugang zu Betriebsmitteln und die notwendige Infrastruktur", fasste Glaser zusammen. Auch das Engagement Österreichs in seinen entwicklungspolitischen Partnerländern sollte den Aufbau dieser agrarischen Strukturen unterstützen. "Eine funktionierende Landwirtschaft ist die Basis für Ernährungssouveränität und Unabhängigkeit. Aber auch andere politische Faktoren, wie demokratische Verhältnisse und politische Stabilität, spielen für die Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln und für selbstbestimmte, nachhaltige Entwicklungen eine entscheidende Rolle", betonte Glaser. (aiz)

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