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Wirtschaft

Glencore übernimmt Mehrheit an Biopetrol

Externer Autor ,
am
11.01.2010

Zug - Der Rohstoffhandelskonzern Glencore hat die Aktienmehrheit an der Biopetrol Industries AG übernommen.

Wie Biopetrol kurz vor dem Jahreswechsel mitteilte, stammen die Papiere, 50 Prozent plus eine Aktie, aus dem Bestand des bisherigen Großaktionärs.

Glencore besitze zudem die Option, die Beteiligung durch Übernahme weiterer Aktien, ebenfalls aus dem Bestand des bisherigen Großaktionärs, auf eine Zweidrittelmehrheit aufzustocken. Beim bisherigen Großaktionär handelt es sich um die Unternehmerfamilie Klink.

Biopetrol ist einer der größeren Biodieselhersteller in Deutschland mit Produktionsanlagen in Rostock und Schwarzheide, die über eine Jahreskapazität von insgesamt 350.000 Tonnen verfügen. In der neuen Großanlage des Unternehmens in Rotterdam wird laut Angaben eines Sprechers aufgrund geringer Nachfrage derzeit kaum produziert. Vom nun erfolgten Glencore-Einstieg verspricht sich Biopetrol die Schaffung von Größenvorteilen und die Erweiterung der Wertschöpfungskette.

Voraussetzungen für Vollauslastung der Produktionskapazitäten abgewiesen

Die Zusammenführung einer finanzstarken Handelsplattform und einer modernen, logistisch hervorragend aufgestellten Produktionsbasis schaffe die entscheidenden Voraussetzungen für die mittelfristige Vollauslastung der Produktionskapazitäten. Glencore ist einer der größten Rohstoffhändler weltweit und machte im Geschäftsjahr 2008 einen Umsatz von 152,2 Milliarden Dollar (106 Milliarden Euro). Vor Steuern und Zinsen erwirtschaftete das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz einen Gewinn von 6,7 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro).

Glencore handelt mit Agrarrohstoffen ebenso wie mit Metallen und Mineralöl. An der Börse in Frankfurt machte die Biopetrol-Aktie nach Bekanntwerden des Glencore-Geschäfts einen Kurssprung von knapp 30 Prozent auf 1,40 Euro.

Arbeiten an Erweiterung der Produktpalette

Der Kurs der Biopetrol-Papiere hatte in den vergangenen Wochen zeitweise nur noch knapp über der 1-Euro-Marke tendiert. Im ersten Halbjahr 2009 hatte sich der Umsatz von Biopetrol gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum auf knapp 70 Millionen Euro halbiert. Beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen rutschte das Unternehmen bei einem Verlust von 13,8 Millionen Euro tief ins Minus. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte ein Fehlbetrag von 3,2 Millionen Euro zu Buche geschlagen. Übergeordnetes Ziel von Biopetrol ist eine verbesserter Absatz, denn in den Anlagen in Rostock, Schwarzheide und Rotterdam steht insgesamt eine Jahreskapazität von 750.000 Tonnen Biodiesel zur Verfügung.

Der erste 200.000 -Tonnen-Strang der Anlage in Rotterdam war laut Angaben eines Sprechers des Unternehmens vor rund einem Jahr mit ersten Mengen an den Start gegangen. Damals war der Biodieselboom in Deutschland aufgrund der höheren Besteuerung für Biosprit schon zu Ende. Der zweite Strang der Anlage in Rotterdam ist dem Sprecher zufolge noch nicht angefahren. An der Erweiterung der Produktpalette, basierend auf dem Kuppelprodukt Glycerin, werde aktiv gearbeitet.

Wie Biopetrol zu den Einzelheiten des Glencore-Geschäfts weiter mitteilte, ist gemäß den Regularien des Entry Standard der Deutschen Börse kein Pflichtangebot an die Altaktionäre erforderlich. Der Anteil des Streubesitzes an den Biopetrol-Papieren liegt laut Angaben des Unternehmenssprechers bei rund 20 Prozent. Der Kauf steht unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Kartellbehörden. (AgE)

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