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Editorial

"Glyphosat-Debatte zeigt: Landwirte müssen Verbraucher aufklären"

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Dr.Uwe Steffin, agrarheute
am
22.12.2017

"Sparen sich die Bauern diese Aufklärungsarbeit, wird nach Glyphosat bald die nächste Sau durchs mediale Dorf gejagt. Dann ist kein Wirkstoff mehr sicher." Ein Kommentar von Dr. Uwe Steffin.

Uwe Steffin

Wer ernsthaft geglaubt hatte, das Gezerre um Glyphosat sei mit der Verlängerung der Wirkstoffzulassung durch die EU-Kommission beendet, ist schnell eines Besseren belehrt worden. Kaum war die fünfjährige Gnadenfrist beschlossen, folgte im Bundestag ein heftiger Schlagabtausch darüber, wie die weitere Verwendung des Totalherbizids zumindest in Deutschland doch noch gestoppt werden kann.

Druck gegen Glyphosat aus der Lebensmittelindustrie

Allerdings ist gar nicht entscheidend, ob die Kritiker den Parteienstreit am Ende für sich entscheiden. Glyphosat wird nämlich sowieso gerade beerdigt, und zwar am Markt. Erste Molkereien und Bäckereien werben mit „Glyphosat-freien“ Produkten erfolgreich um die Verbrauchergunst. Vermutlich wird die Lebensmittelindustrie bald auf breiter Front Glyphosat-behandelte Rohstoffe aus ihren Rezepturen verbannen. Unseren Ackerbauern wird dann gar nichts anderes übrig bleiben, als schnell auch ohne den Wirkstoff zurecht zu kommen. In der Januar-Ausgabe der agrarheute berichten wir deshalb im "Brennpunkt" über die Zukunft von Glyphosat und realisitische Alternativen.

Landwirte sind zum Dialog aufgefordert

Denn längst geben Handel und Ernährungswirtschaft den in der Landwirtschaft erlaubten Rahmen vor, das zeigte schon das Beispiel der Gentechnik. Kritische Verbraucher lassen sich auch von einer noch so professionellen Lobbyarbeit der Glyphosat­hersteller nicht vom Nutzen eines Totalherbizids überzeugen. Einmal mehr sind deshalb die Landwirte selbst gefordert, in den oft anstrengenden Dialog mit dem Verbraucher zu treten. Sie können auf dem eigenen Acker am besten erklären, warum dem Bodenleben und der Umwelt nicht geholfen ist, wenn künftig wieder gepflügt werden muss, um den Unkrautdruck niedrig zu halten.

Nicht nur Glyphosat ist ein Angriffsziel

Sparen sich die Bauern diese Aufklärungsarbeit, wird nach Glyphosat bald die nächste Sau durchs mediale Dorf gejagt. Dann ist kein Wirkstoff mehr sicher. Und auch die Tierhaltung bietet genügend Angriffsfläche – von der Anbindehaltung von Kühen bis zur Ferkelkastration. Vielversprechend ist deshalb der Ansatz, Landwirte und Agrarstudenten zu so genannten AgrarScouts auszubilden, nachzulesen in der Januar-Ausgabe der agrarheute. Die Scouts werden professionell geschult, um bei Veranstaltungen, in Betriebsführungen und persönlichen Gesprächen zu erklären, wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Immerhin 359 solcher Agrarscouts hat das Forum Moderne Landwirtschaft innerhalb von zwei Jahren ausgebildet.

Ihnen wünsche ich geruhsame Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bleiben Sie gesund und haben Sie stets eine glückliche Hand, bei unternehmerischen wie privaten Entscheidungen.

Uwe Steffin,

Chefredakteur agrarheute

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