Login
Politik EU

Greening der GAP: Sonnleitner kontert Ciolos

© Andreas Hermsdorf/pixelio
von , am
04.10.2012

Budapest - Beim COPA/COGECA-Kongress in Budapest sprach COPA-Präsident Gerd Sonnleitner der von EU-Agrarkommissar Ciolos geplanten "Begrünung" der GAP den gewünschten Effekt ab.

Die BVVG Sachsen-Anhalt wollte eine etwa 2,6 Hektar große Agrarfläche für 29.000 Euro verkaufen. © Franz Haindl/pixelio
COPA und COGECA sind sich mit EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos einig, dass der Unions-Haushalt für die Gemeinsame Agrarpolitik GAP nicht gekürzt werden sollte. Bei der Verteilung der Gelder, insbesondere beim geplanten Greening, geht man indes auseinander. Wie das aiz berichtet, erteilte Ciolos bei dem in dieser Woche in Budapest tagenden "Kongress Europäische Landwirtschaft" der Landwirte-Forderung eines flexibleren Greenings mit einer Auswahlmöglichkeit aus dem Maßnahmenkatalog eine deutliche Absage. Er habe zwar flexible Regelungen schon früh in den Verhandlungen angedeutet, müsse aber "darauf bestehen: Ich bin ganz strikt gegen die eines freien Wahlmenüs. Die Landwirte würden als erste unter so einem À-la-carte-Ansatz leiden".
COPA-Präsident Gerd Sonnleitner konterte, eine weitere "Begrünung" der GAP bringe nicht den gewünschten Effekt. Dies gelte insbesondere für die Schaffung ökologischer Vorrangflächen, was auf eine Verringerung der für die Produktion verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche hinauslaufen würde. Zur Debatte um den EU-Agrarhaushalt sagte Sonnleitner: "Was wir brauchen, ist eine starke GAP mit einem soliden Haushalt als Rückhalt, zumal die Agrar- und Ernährungswirtschaft über 40 Millionen Menschen beschäftigt und nicht mal ein Prozent der öffentlichen Ausgaben in der EU für die GAP aufgewandt werden. "

Sonnleitner: Drei Maßnahmen für 13 Millionen Betriebe falscher Weg

Die Folge wären, so Sonnleitner, weniger Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie und weniger Futter für die Tierhaltung, was gravierende Auswirkungen auf die ohnehin schon äußerst hart von den hohen Betriebsmittelkosten getroffenen Sektoren Milch und Rindfleisch hätte. Diese Überlegungen würden auch von vielen Landwirtschaftsministern zum Ausdruck gebracht. "Die Anwendung drei gleicher Maßnahmen überall in der EU auf 13 Millionen Betrieben ist nicht der beste Weg, Nutzen für die Umwelt zu erbringen, und wird zugleich die Landwirtschaftskosten in die Höhe treiben, die Produktion verringern und negativ auf die ohnehin niedrigen Einkommen der Landwirte einwirken", begründete Sonnleitner die Ablehnung des Kommissionsvorschlages. Aus diesem Grund hätten COPA/COGECA vor Kurzem neue detaillierte Maßnahmen für grünes Wachstum vorgeschlagen.

COGECA-Präsident Pèes: Position der Landwirte stärken

In der Diskussionsrunde mit Ciolos, den Europa-Abgeordneten Paolo de Castro und Michel Dantin sowie den Landwirtschaftsministern Ungarns und Zyperns betonten Sonnleitner und der neue COGECA-Präsident Christian Pèes, der europäische Agrarsektor müsse wirtschaftliche Ergebnisse bringen. Dies sei in Anbetracht der zunehmenden Nachfrage nach Lebensmitteln, der gestiegenen Produktionskosten und der extrem starken Marktvolatilität von essenzieller Bedeutung.
 
Eine weitere Hauptpriorität besteht für Pèes darin, "die Position der Landwirte und landwirtschaftlichen Genossenschaften in der Lebensmittelkette zu stärken, um sicherzustellen, dass sie bessere Markterlöse erzielen". Die Kommissionsvorschläge dazu seien nicht stark genug, um der Marktvolatilität Herr zu werden oder um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Agrar- und Ernährungswirtschaft zu steigern. Da die Landwirte der enormen Kaufkraft einiger weniger Einzelhändler gegenüberstünden, müssten auch Maßnahmen zum Ausgleich des Kräfteverhältnisses in der Lebensmittelkette und zur Bündelung des Angebots her. Dies könne durch den Ausbau von Erzeugerorganisationen wie Genossenschaften geschehen und solle den Landwirten dabei helfen, ihre Erzeugnisse zu vermarkten, ihnen einen Mehrwert zu verleihen und bessere Markterlöse zu erwirtschaften.
Auch interessant