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Analyse

Greenpeace-Gülle-Test: Was steckt dahinter?

Gülle ausbringen auf einem Maisfeld
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Katharina Krenn, agrarheute
am
23.05.2017

Mit der ‚Gülle-Studie‘ will Greenpeace beweisen, dass die Tierhaltung für die Verbreitung resistenter Keime verantwortlich ist. Doch die Wahrheit ist relativ.

Vergangene Woche machte Greenpeace die Ergebnisse ihres „Gülletest“ öffentlich. Die Umweltschützer ließen 19 Gülleproben aus Schweinemastanlagen auf resistente Keime und Antibiotika-Rückstände untersuchen. 13 Proben enthielten laut Studienergebnis Bakterien mit Resistenzen. In sechs Fällen seien Resistenzen gegen drei Antibiotikagruppen festgestellt worden.

Greenpeace zieht in ihrer Pressemitteilung folgendes Fazit: "Die Landwirtschaft wird zunehmend zur Brutstätte resistenter Keime. Die Erreger bleiben nicht im Stall, sondern können beim Ausbringen von Gülle im großen Stil in der Umwelt verteilt werden."  

Selektive Wahrheiten

Jörg Held, Redakteur bei wir-sind-tierarzt.de, zeigt in seinem Kommentar zum Gülletest auf, dass Greenpeace mit dieser Studie Meinungsmache gegen die Tierhaltung betreibt. In der Greenpeace-Pressemitteilung werden beispielsweise wichtige Details des Studienberichts nicht erwähnt wie die Erkenntnis, dass die Proben mit antibiotischen Wirkstoffen „meist vergleichsweise niedrige Konzentrationen“ enthielten. Außerdem wurde der für den Menschen gefährliche multiresitente Keim MRSA nur in einer der Proben nachgewiesen, stellt Held fest.

Fazit: Kranke scheiden Keime aus

Weiter kritisiert Held die einseitige Schlussfolgerung der Untersuchung. Der Test fokussiere sich ausschließlich auf Rückstände aus der Nutztierhaltung. Die Folgen aus der Humanmedizin bleiben außen vor.

„Die deutsche Wasserwirtschaft ist da weiter. Anders als die Greenpeace-Stichproben untersucht man dort auch regelmäßig und über längere Zeiträume Abwasserproben aus Krankenhäusern und Kläranlagen.“, schreibt Held. “Menschen, die krank sind, scheiden genauso wie Tiere nach einer antibiotischen Behandlung Reste der Medikamente aus - und auch resistente Keime. Dass man diese also in ähnlicher Verteilung sowohl in Abwässern als auch in der Gülle findet, ist keine Überraschung.“

Mit Material von Jörg Held/wir-sind-tierarzt.de
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