Login
Berichterstattung

Greenpeace hui, Agrarindustrie pfui: Spiegel rechnet mal wieder ab

Spiegel-Artikel "Zum Wohl der Tiere"
Thumbnail
Julia Eder, agrarheute
am
10.01.2017

"Das gesamte System ist falsch, krank und hochgradig pervertiert." Das ist eine der Thesen eines aktuellen Spiegel-Artikels zur deutschen Landwirtschaft.

In der aktuellen Ausgabe des "Spiegels" (02/2017) erschien der Artikel "Zum Wohl der Tiere" von Autorin Michaela Schießl. Der Inhalt des Artikels lässt sich zusammenfassen als Rundumschlag gegen die deutsche Landwirtschaft. Die wichtigsten Thesen:

  • "Ausgerechnet die hochsubventionierte Landwirtschaft, die kaum zu Wertschöpfung und Beschäftigung beiträgt und um die sich sogar ein eigenes Ministerium kümmert, entwickelt sich zum Teil des Problems statt zum Teil der Lösung."
  • "(Die Landwirte) gehen mit ihrem Grund und Boden um, als wäre er ihr privates Ausbeutungsgebiet - und nicht die Nahrungsgrundlage für alle Menschen sowie die kommenden Generationen."
  • "Geht etwas schief - egal ob selbst verschuldet wie die aktuelle Milchkrise oder unverschuldet, etwa durch Wetterkapriolen -, halten sie die Hand auf."
  • "Ihre Ansprüche begründen Sie mit ihrem Sonderstatus als Volksernährer. Jede Einmischung des Volkes aber wird empört abgelehnt - obwohl die Bürger nicht nur Kunden, sondern durch die Subventionen auch Geldgeber sind."
  • "Vielen Tierhaltern scheint in der durchökonomisierten Fleischproduktion die Empathie für die Kreatur verloren gegangen zu sein."
  • "Damit sich die Ware nicht beschädigt, werden, ohne zu zögern, Schweineschwänze und Hühnerschnäbel gekürzt, Kälberhörner ausgebrannt. Das sei Tierschutz, glauben die Bauern."
  • "Noch kritischer ist der wahllose Einsatz von Antibiotika. Er begünstigt die Entwicklung und Verbreitung von resistenten Mikroben bei Tier und Mensch."
  • "Der großzügige Einsatz von Pestiziden ist auch eine Gefahr für das Bodenleben. Außerdem wird die Erde mit von gewaltigen Landmaschinen so verdichtet, dass sie weniger Wasser aufnehmen kann."
  • "Angesichts der verheerenden Folgen, die industrielle Landwirtschaft nach sich zieht, bleibt nur ein Schluss: Das gesamte System ist falsch, krank und hochgradig pervertiert."

Die Lösung aus Sicht der Spiegel-Autorin: Das Greenpeace-Modell

Nach Sicht der Autorin liegt die Lösung dieser Probleme in einem von Greenpeace entwickelten Landwirtschaftsmodell. Bausteine darin sind:

  • nur noch soviel Milch und Fleisch produzieren, wie für den heimischen Markt benötigt wird
  • 22 Prozent der Bevölkerung müsste vegetarisch und 8 Prozent vegan leben
  • auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz soll komplett verzichtet werden; die Ertragseinbußen werden kompensiert, indem man die Lebenmittelverschwendung reduziert

Während die Autorin die heutige Landwirtschaft vor allem wegen ihrer Kosten für den Steuerzahler kritisiert, weist sie jedoch kurz darauf hin, dass beim Greenpeace-Modell Kosteneffekte nicht berücksichtigt seien.

Reaktion des Bauernverbands Schleswig-Holstein

Eine erste Reaktion auf den Artikel veröffentlichte der Bauernverband Schleswig-Holstein auf seiner Facebook-Seite und schreibt unter anderem: "Heute kauft man uns nicht ab, dass wir nach bestem Wissen Landwirtschaft betreiben. Das ist schlimm, aber immer noch besser, als wenn man uns die Ware nicht mehr abkauft. Der Verbraucher selber scheint nicht ganz unzufrieden mit uns zu sein. Denn er kauft alles, was wir ihm anbieten – und dies trotz Horrormeldungen zum günstigsten Preis. Da bleibt wenig Raum für Ängste. Seltsam. Oder doch normaler, als der Spiegel und die Kronzeugen (Tierschutzbund, Greenpeace, Germanwatch, BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Oxfam) denken?"

Das Fazit des Bauernverbands: "'Ohne zu zögern, wahllos und großzügig' schlägt der Spiegel auf uns Bauern ein. In der durchökonomisierten Medienwelt scheint das noch immer ein Kassenschlager zu sein."

Wie so ein Artikel entsteht

Immer wieder sorgen solche Beiträge von Publikumsmedien über die Landwirtschaft für negative Publicity in der Branche. Befürworter und Gegner moderner Landwirtschaft ziehen danach regelmäßig in einen medialen Kleinkrieg. Wie solche Beiträge funktionieren und was dahinter steckt, erklärt Dr. Frank Volz, Blogger auf der DLG-Plattform agrarblogger, im Artikel "Landwirtschaft am Pranger: Wie die Medien ticken".

Bester Landwirt Deutschlands: So ist der Betrieb aufgestellt

Landwirt im Kuhstall
Landwirt im Melkstand
Kälberfütterung
Landwirt im Silo
Landwirt im Weizenfeld
Milchviehhalter
Radlader
Traktorfahrer
Auch interessant