Login
Politik international

Was die Griechenland-Krise für unsere Landwirtschaft bedeutet

von , am
29.04.2010

Brüssel/Berlin/Athen – Während Griechenland auf Zusagen für Finanzhilfen wartet, will der Haushalts-Kontrollausschuss des EU-Parlaments die Verwendung von EU-Agrarfördermitteln überprüfen. Griechenlands Defizit könnte sich damit noch weiter erhöhen.

Griechenland hat mehr als 300 Milliarden Euro Schulden. Der Finanzbedarf der griechischen Staates in 2010 wird im Augenblick mit mehr als 39 Milliarden Euro geschätzt. Bis 2013 soll es noch wesentlich mehr werden. Insgesamt ist mittlerweile von rund 160 Milliarden Euro die Rede. Das deutsche  Finanzpaket soll rund 30 Milliarden Euro in das südeuropäische Land pumpen.

Doch Experten gehen davon aus, dass dies nicht ausreichen wird. Weder um den griechischen Haushalt zu sanieren, noch um der griechischen Wirtschaft zu helfen international konkurrenzfähige Produkte zu etablieren.

EU-Delegation überprüft Agrargelder für Griechenland 

Eine Delegation des Haushalts-Kontrollausschusses vom EU-Parlament will sich in dieser Woche in Griechenland ein Bild über die Verwendung von EU-Fördermitteln machen, meldet der Landwirtschaftliche Informationsdienst in der Schweiz. Griechenlands Defizit könnte sich damit noch weiter erhöhen. Im Mittelpunkt stehen die Agrarzahlungen.

So hatte die EU-Kommission im März von Griechenland aufgrund der mangelhaften Kontrolle bei der Baumwollerzeugung über 105 Mio. Euro zurückgefordert. Dies war die grösste Rückzahlungsforderung an ein Land in diesem Jahr, berichtet der Agrarpressedienst AIZ am 28. April.

Die Haushaltskontrolleure wollen nun sicherstellen, dass das Prüfsystem vollständig funktioniere, zitiert Dow Jones News die Deutschen Delegationsmitglieder laut AIZ. "Finden wir Unregelmässigkeiten, hätte das Rückzahlungsforderungen zur Folge ", so der Abgeordnete Jans Geier. Aufgrund falscher oder fehlerhafter Anträge wurden Griechenland seit Einführung des elektronischen Landwirtschaftsregisters 1996 insgesamt 955 Millionen Euro an EU-Agrarzahlungen gestrichen. 

Eine ähnliche Situation zeichnet sich bereits für die Länder Portugal, Spanien und Italien ab. Mittlerweile haben die Finanzmärkte begonnen, bereits gegen Griechenland, Portugal, Spanien und Italien zu wetten. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Geldmarkt, sondern auch für die Landwirtschaft.

Das bedeutet die Krise für die Landwirtschaft:

  • Euro-Wechselkurs
    Der Euro bleibt weiter schwach. Das stärkt zwar die Exportfähigkeit der Euro-Zone, wird aber durch einen steigenden Ölpreis zumindest teilweise wieder aufgefressen. Energie- und importintensive Bereiche profitieren eher wenig von dieser Entwicklung.
    Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Exportintensive Segmente, die wenig von Importe abhängen, profitieren. Hohe Abhängigkeit von ausländischen Futtermitteln wirkt sich kaum aus. Sojapreis künftig niedrig und rückläufig, da Rekordernte in  Südamerika bei Soja eingefahren.

  • Zinsentwicklung
    Durch die Griechenlandkrise sinkt die Bonität der Euro-Zone. Damit steigen die Kosten für Fremdkapital und damit die Zinsen. Ohnehin kann der Zins kaum niedriger sinken. Anleger werden aufgrund von Inflationsrisiken zu Sachwerten tendieren.
    Auswirkung auf die Landwirtschaft: Fremdes Geld wird langsam wieder teurer. Deshalb niedriges Zinsniveau jetzt sichern und anstehende Finanzierungen nun unter Dach und Fach bringen.

  • Inflation
    Die Politik wird versuchen die steigenden Staatsschulden zu inflationieren, d.h. durch Inflation zu reduzieren. Auch die Entwicklung der Preise für Benzin und Diesel treiben die inflationäre Entwicklung. So mussten etwa deutsche Verbraucher im April dieses Jahres für ihren Lebensnunterhalt 1 Prozent ausgeben als ein Jahr zuvor. Das meldet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden.
    Experten gehen zwar davon aus, dass keine "harte Inflation" einsetzt, rechnen aber mit einer "schleichenden Entwertung". Anleger zieht es im Augenblick aus diesem Grund - trotz möglicherweise steigender Zinsen - in rohstoffreiche Länder wie etwa Australien.
    Auswirkung auf die Landwirtschaft: Wer sich Fremdkapital leisten kann, sollte über die Finanzierung von Immobilien und Anlagen nachdenken.

  • Öl-Preis
    Für die Euro-Zone muss man mit einem weiterhin sehr hohen Preis-Niveau für Benzin und Diesel rechnen. Zwar werden die Regierungen sich für eine Steigerung der Ölmenge im Markt zu engagieren, um der weiter steigenden Entwicklung entgegenzuwirken. Doch das wird sich nicht kurzfristig auswirken.  
    Auswirkung auf die Landwirtschaft: Neue Energien werden immer attraktiver.

Auch interessant