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Politik national

Grüne Gentechnik sorgt für Diskussionen

von , am
19.04.2011

Dresden/Brüssel - Sachsens Agrarminister Kupfer lehnt den Oppositionsantrag für einen völligen Verzicht auf Gentechnik ab. Auch die EU-Mitgliedstaaten sind sich weiter uneinig über den Einsatz der Technologie.

Frank Kupfer ist seit 2008 Landwirtschaftsminister in Sachsen. © www.forsten.sachsen.de/smul/45.htm
"Die Grüne Gentechnik pauschal abzulehnen, ist meiner Meinung nach der falsche Weg", sagt Frank Kupfer (CDU). Er sei stattdessen für eine verantwortungsbewusste Nutzung der Gentechnik, wobei dem Schutz von Mensch und Umwelt Vorrang eingeräumt werde. "Ich widerspreche einer pauschalen Stigmatisierung dieser Technologie", so der Landwirtschaftsminister.
 
Die Staatsregierung lehne es aus mehreren Gründen ab, sich generell gegen die Grüne Gentechnik auszusprechen: Diese Technologie könne bei der Optimierung und Nutzung nachwachsender Rohstoffe einen wichtigen Beitrag leisten, ebenso bei der Anpassung von Pflanzen an den Klimawandel, erklärt der Agrarminister. Nicht zu vergessen sei die Versorgung der Weltbevölkerung, die 2050 neun Milliarden Menschen umfassen wird.

Vollständiges Verbot gefordert

Der Landwirtschaftsminister wandte sich damit gegen einen entsprechenden Antrag der Linken, SPD und Grünen, die darin für ein Acht-Punkte-Programm gegen Gentechnik plädieren. Für einen vollständigen Verzicht auf die Grüne Gentechnik gäbe es nach Kupfer weder belastbare fachliche Gründe, noch seien die dazu vorgebrachten Vorschläge hilfreich.
 
Die Parteien fordern in dem Antrag außerdem den Beitritt Sachsens in das europäische "Netzwerk gentechnikfreier Regionen". Frank Kupfer zeigt sich verärgert: "Dieser Punkt ist Unsinn." Der Beitritt hätte nur deklaratorischen Charakter ohne Rechtswirkung. Die Landwirte könnten immer noch selbst entscheiden, welche Nutzpflanzen sie anbauen wollen.
"Ich habe fachliche und rechtliche Bedenken gegen den Antrag", sagt der Agrarminister. "Ich setze auf Wahlfreiheit statt Bevormundung, auf Koexistenz statt Ausgrenzung, auf Einzelfallbewertung statt auf generelle Verbote."

Kommissionsbericht zeigt sehr unterschiedliche Standpunkte auf

Ein Versuch der Annäherung zwischen den EU-Mitgliedstaaten im umstrittenen Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) ist vorerst gescheitert. Die EU-Länder haben ihre Erfahrungen über den GVO-Anbau sowie wirtschaftliche und soziale Untersuchungen über die grüne Gentechnik an die Kommission weitergeleitet. Diese stellte das Ergebnis am Freitag in Brüssel der Öffentlichkeit vor.
Die Befürworter unter den EU-Staaten sehen einen wirtschaftlichen Nutzen von neuen GV-Sorten für die Landwirte. Die Gegner warnen vor den hohen Kosten, die vor allem eine Trennung von GV-haltigen Agrarerzeugnissen und konventionellen Produkten mit sich bringen.
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