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Grüne Umwelt-App in der Kritik

Mann fotografiert Mähdrescher auf Feld.
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Sabine Leopold, agrarheute
am
14.02.2018

Ein grüner Lokalpolitiker hat eine App erstellt, mit der Benutzer "Umweltprobleme" an dessen Website melden sollen. Eine Kontrolle auf sachliche und fachliche Richtigkeit gibt es nicht. Kritik dazu kommt nicht nur von Landwirten, sondern sogar aus den eigenen Reihen.

Ende vergangener Woche haben wir uns in einem Kommentar mit einer App beschäftigt, die der Grünen-Lokalpolitiker Hans-Jürgen Schnellrieder aus Fintel in Niedersachsen erstellen ließ. Mit ihrer Hilfe sollen Nutzer "Umweltprobleme" melden, laut App-Beschreibung vor allem aus der Landwirtschaft.

Das Heikle daran: Was ein "Problem" ist, entscheidet allein der Betrachter. Gesammelt werden die Meldungen auf den Websiten von Schnellrieder und vom Grünen-Ortsverband Fintel. Es gibt keinerlei fachliche oder rechtliche Überprüfung, nicht mal eine Kontrolle des Wahrheitsgehaltes.

Dafür lässt sich anhand von GPS-Daten für jeden Außenstehenden der genaue Standort und damit der angebliche "Umweltsünder" bestimmen. Der Melder dagegen bleibt für den Betrachter komplett anonym. 

App-Konzept äußerst fragwürdig

Das Konzept der App wird vor allem von Landwirten scharf kritisiert.

Auf der Seite von Hans-Jürgen Schnellrieder kommentiert Landwirt Andreas Lang unter anderem: "Glückwunsch Ihr GRÜNEN, so fördert man das zwischenmenschliche Zusammenleben zwischen Nahrungsmittelproduzenten und 'Grünen Verbraucher'."

Bauer Willi nimmt kein Blatt vor den Mund und bezeichnet das digitale Meldeprogramm als "ultimative App für alle, die mal ihre Bauern vor Ort denunzieren wollen. Und das ganz anonym!"

Ludwig Wreesmann dagegen hat einen konstruktiven Vorschlag: "Wir Bauern sollten das Ding mit positiven Beispielen zupflastern. Blühstreifen, Saumstrukturen, Hecken. Möglichkeiten en masse. Ist doch 'ne prima Plattform für uns."

Nicht nur Landwirte üben Kritik

Nicht nur Landwirte zeigen sich verärgert über die App, die vor allem zum Denunziantentum animiere. Auch Politiker aus Kreis und Gemeinde stoßen sich an dem Keil, den solche Aktionen zwischen Landwirtschaft und Verbraucher treiben.

Das Finteler Ratsmitglied Werner Kahlke (SPD) schreibt in einem Leserbrief an die Rotenburger Rundschau: "[...] auch ich bin für den Schutz unserer Umwelt und der Natur (wie übrigens auch die Mehrheit der Landwirte), allerdings kann ich bei Verstößen meine Meldung an geeigneter Stelle persönlich und namentlich vorbringen."

Selbst Parteikollegen sind verärgert

Und selbst aus den eigenen Reihen kommt scharfe Kritik: Arthur Lempert, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Scheeßeler Kreistag schreibt ebenfalls in der Rotenburger Rundschau: "Eine App, die dazu aufruft, auf breiter Ebene zu denunzieren, ist kontraproduktiv, destruktiv und erreicht nur eines: noch mehr Konfrontation auf allen Ebenen."

Diese App, betont Kahlke, sei eine alleinige Aktion des Finteler Ortsverbandes und in keiner Weise mit den benachbarten Verbänden abgesprochen. Der Kreisverband Scheeßel von Bündnis90/Die Grünen stehe unter anderem im Dialog mit Landwirten und Verwaltung, um aktuelle Probleme gemeinsam zu erörtern und Lösungen zu finden. "Das ist unser Weg in Scheeßel."

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