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Ernährung und Gesundheit

Grüne Woche: Agrar- und Ernährungswirtschaft trifft sich in Berlin

bem/vm
am
19.01.2012

Berlin - Rund 75 Agrarminister und Spitzenvertreter der Land- und Ernährungswirtschaft kommen zur Grünen Woche. Regionalität ist in diesem Jahr das Trendthema der Ausstellung.

Regionalität ist das große Trendthema der 77. Internationalen Grünen Woche, die von 20. bis 29. Januar 2012 in Berlin stattfindet. "Think global, act regional", ist dabei trotzdem kein Widerspruch, wie Michael Hofer, Pressesprecher der Messe Berlin bei der Eröffnungspressekonferenz betonte. Stolz sind die Veranstalter vor allem darauf, dass sich in diesem Jahr insgesamt 14 Bundesländer auf einer "Straße der Bundesländer" präsentieren. Die Länder Gabun, Liechtenstein und Pakistan sind zum ersten Mal bei der internationalen Ausstellung vertraten. Als Partnerland richtet in diesem Jahr Rumänien die Eröffnungsveranstaltung am Donnerstagabend aus.
 
 
Agrarpolitisches Spitzentreffen
 
Parallel zur weltgrößten Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau findet auch der größte Fachtreff der Branche statt. Rund 75 Agrarminister aus aller Welt und die Spitzenvertreter der Land- und Ernährungswirtschaft kommen zusammen, um sich über Aktuelles sowie das Dauerthema "Sicherung der Welternährung" auszutauschen. Neben drei Ministerien nutzt auch die EU die Internationale Grüne Woche als Plattform und feiert zu Messebeginn das Jubiläum "Die gemeinsame Agrarpolitik Europas wird 50".
 
Branche steht gut da
 
"Es liegt zwar kein Gold auf unseren Äckern, aber wir befinden uns auf einem soliden Wachstumskurs" zeigte sich der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner, zu Beginn der Grünen Woche zuversichtlich. "Die Landwirtschaft steht derzeit gut da und wir gehen mit einem guten Selbstbewusstsein in 2012." Lediglich die Schweinemäster, Ferkelerzeuger und Gemüsebauern hätten noch etwas Schwierigkeiten. Auch zum Thema Antibiotika und Tierschutz äußerte sich der Präsident: "Antibiotika darf nur zur Therapie verwendet werden, einen sorglosen Umgang darf es deshalb nie geben!" Grundsätzlich müsse die Landwirtschaft weg von Eingriffen am Tier, wie Ferkelkastration und Schnäbelkürzen. Außerdem forderte Sonnleitner die EU-Kommission auf, bei der Problematik der Legebatterien, die immer noch in 12 EU-Ländern eingesetzt werden, durchzugreifen. "Ich frage mich, wo bleiben da die Tierschützer, wenn diese Eier bei uns vermarktet werden?"
Um den täglichen Flächenverbrauch von 90 Hektar landwirtschaftlichen Boden pro Tag zu stoppen, wird der Deutsche Bauernverband am Freitag eine Online-Petition an den Deutschen Bundestag auf den Weg bringen.
 
Lebensmittelpreise müssen steigen
 
Am Ende hob Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) nochmals die zentrale ernährungspolitische Funktion der Internationalen Grünen Woche hervor. Trotz der Staatsschuldenkrise 2011 erzielte die Ernährungsindustrie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 162 Milliarden Euro. Um auch in Zukunft die Investitionsfähigkeit der Betriebe in Deutschland zu erhalten, müssten die Preise für Lebensmittel um vier bis fünf Prozent steigen. "Mit einem Anstieg der Lebensmittelpreise um 2,8 Prozent in 2011 liegen wir nur etwas über der Inflationsrate", erklärte Abraham. Zwischen dem deutschen Lebensmitteleinzelhandel herrsche ein harter Preiswettbewerb. Abraham forderte deshalb vor allem eine intensive Aufklärung der Verbraucher, wie Lebensmittel erzeugt werden.
 
Auf dem ErlebnisBauernhof in Halle 3.2 können die Besucher der Grünen Woche beispielsweise die Produktionsketten von Milch und Zucker verfolgen. Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes und Vorsitzender der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL), hat am Mittwoch mit dem Zuchtbullen "Hoeness" einen der ersten "Gäste" des ErlebnisBauernhofes 2012 auf der Internationalen Grünen Woche begrüßt. Die Sonderausstellung, die am Freitag den 20. Januar 2012 eröffnet wird, steht in diesem Jahr unter dem Motto "Aufbruch zu grünem Wachstum".
 
Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde
 
"Das Ziel, Grünes Wachstum bei sinkendem Ressourcenverbrauch je Einheit der erzeugten Produkte, wird die deutsche Landwirtschaft weiter verfolgen, auch wenn sie heute schon eine Vorreiterrolle in der Nachhaltigkeit der Produktion einnimmt", sagte Sonnleitner und unterstrich damit die Bedeutung des Mottos.
 
Auch in diesem Jahr haben sich die vielen Ausstellungspartner eine Menge einfallen lassen, um den Besuchern Herkunft und nachhaltige Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel anschaulich und praxisnah darzustellen. Auf insgesamt 6.000 Quadratmetern informieren sie über landwirtschaftliche Produktionsketten, Qualitätssicherung, artgemäße Tierhaltung, Pflanzenschutz und vieles mehr. Gegliedert ist der Erlebnisbauernhof in die fünf Ausstellungsbereiche: Wissenschaft und Forschung, Pflanzenproduktion, Tierproduktion, Verarbeitung und Handel sowie Landwirtschaft und Gesellschaft. Aussteller sind zum Beispiel die Firma BioFactur, die Kunststoffe und Spielwaren aus Mais herstellen, über Landtechnikhersteller von Delaval bis John Deere, hin zu den großen Partnern der Landwirtschaft wie McDonald’s oder dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Heute Nachmittag findet die Pressekonferenz von AGCO zu Technologien und Wachstumsmärkten in der Landwirtschaft statt. Mehr dazu lesen Sie in Kürze auf agrarheute.com.

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