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Wirtschaft

Gutes aus der Heimat? Handel lockt wieder mit Billigpreisen

ez/agrarheute
am
16.09.2015

Gerade eben haben sich die EU-Agrarminister auf ein Hilfspaket für die krisengeschüttelte Branche geeinigt, schon lockt der Einzelhandel wieder mit Billigpreisen. Ein Überblick.

"Gutes aus der Heimat" - damit betitelt Real seinen Prospekt zum 50. Geburtstag. Zum feiern dürfte angesichts der um bis zu 50 Prozent reduzierten Fleischwaren wohl nicht jedem zu Mute sein. Landwirten zum Beispiel.
 
Eine "frische Schweinehälfte" soll beispielsweise nur 1,99 Euro je Kilo kosten. Zum Vergleich: Der aktuelle VEZG-Preis (der Auszahlungspreis, der für die aktuelle Woche angepeilt wird) liegt bei 1,48 Euro je Kilo Schlachtgewicht.

Diese Einzelhändler locken wieder mit Billigpreisen

Doch Real ist nicht der einzige Lebensmitteleinzelhändler, der wieder versucht, Verbraucher mit billigen Lebensmitteln in die Märkte zu locken.
 
Rewe beispielsweise wirbt mit 30 Prozent Rabatt auf Hähnchenbrust-Filets. Das wären dann 6,99 Euro je Kilo. Emmentaler (Goldsteig) gibt es um 27 Prozent vergünstigt, die 150-Gramm-Packung kostet 1,29 Euro.
 
Netto will offenbar Real Konkurrenz machen: Denn auch bei dieser Kette gibt es derzeit ein halbes Schwein. Ebenfalls für 1,99 Euro je Kilo (- 42 Prozent, wirbt Netto). Die Schweineschulter gibt es um 37 Prozent günstiger für 2,79 Euro je Kilo.
 
Bleibt noch Aldi. Der hat wieder verbilligte Butter im Sortiment. Das 250-Gramm-Stück von Milfina kostet 85 statt 89 Cent.

Lidl hatte vor einer Woche angekündigt, den Einkaufspreis für Milchprodukte um fünf Cent anheben zu wollen. Zumindest heute war auf der Interenetseite des Unternehmens tatsächlich kein Sonderangebot für Milch zu finden.

agrarheute.com meint:

Der Einzelhandel sollte seine Preispolitik bezüglich Lebensmitteln dringend überdenken. Die immer wiederkehrenden Lockangebote sind nicht nur schlecht für's Image (zumindest in einigen Teilen der Bevölkerung kommt das nicht mehr gut an).
 
Sie können langfristig nicht im Interesse der Unternehmen sein. Denn bei diesen Preisen wird es auch mit der Gewinnmarge eng. Das hat eine Analyse des ife Instituts jüngst bestätigt (55 Cent für die Milch - so setzt sich der Preis zusammen ...)
 
Wie sich die schlechten Preise - neben anderen Faktoren - auf unsere Landwirtschaft auswirken, brauchen wir hier nicht näher erläutern. Das führen uns die Hilfsgipfel auf EU-Ebene deutlich vor Augen.
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