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Werbespot

Haferdrink für den Krampus oder Tirol hat einen Milchskandal

Percht-Latte-Tirol-Werbung
am Freitag, 02.12.2022 - 13:02 (27 Kommentare)

Eine Werbung schmeckt dem Präsidenten der Tiroler Landwirtschaftskammer nicht, denn statt echter Milch kommt eine Pflanzenalternative vor. Das Filmchen wird überarbeitet.

Nicht alles, was gut gemeint ist, ist am Ende gut durchdacht. Auch die Tirol Werbung war wohl vom Echo eines ihrer Filmchen überrascht. Aber der Reihe nach und erstmal MAZ ab:

In besagtem Aufregervideo (oben) sieht man einen furchterregenden Krampus - das ist eine Schreckgestalt im Alpenraum, die zur Adventszeit unterwegs ist -, wie er durch die verschneite Bergwelt eilt. Er findet einen Kinderhandschuh und hat einen Clint-Eastwood-mäßigen Auftritt in einer Berghütte. Dort gibt er einem Kind den Handschuh zurück und die Wirtin fragt ihn nach seinem Wünschen. Der Zottel aus den Bergen antwortet: „I hätt‘ gern an Latte Macchiato. Mit Hafermilch bitte.“

Video respektiert nicht die Arbeit der Bauern

Das hätte der Krampus sich besser überlegen sollen. Denn der Tiroler Landwirtschaftskammerpräsidenten Josef Hechenberger findet Hafermilch unpassend: „Die tägliche Arbeit der Bauern wird nicht respektiert.“ Hafer wüchse nun mal nicht in Tirol und sei keine Grundlage für den Tourismusdort. Das sei eben die gepflegte Kulturlandschaft und die Arbeit der Bauern. „Es kann doch nicht sein, dass in einem Werbevideo für Tirol, das traditionelle Gastfreundschaft hochhält, ‚Hafermilch‘ und nicht die ureigene, echte Tiroler Milch vorkommt.“

Tirol Werbung ändert Video

Wahrscheinlich haben die Macher gar kein Arg davon gehabt, schließlich ging es darum, Gastfreundschaft und Toleranz zu vermitteln. Und der Spot ist dafür sogar ausgezeichnet worden. Dennoch reagiert die Tirol Werbung und gelobt, den Text zu überarbeiten. „Das Wort Hafermilch wird nicht mehr ausgesprochen, um Irritationen bei den Tiroler Bäuerinnen und Bauern zu vermeiden“, sagt Florian Neuner, Leiter der Unternehmenskommunikation.

An Hafermilch scheiden sich die Geister

Vollkommen zurecht muss die „Hafermilch“ raus. Denn der Europäische Gerichtshof hatte 2017 geurteilt, dass rein pflanzliche Milchersatzprodukte nicht mehr „Milch“, „Butter“ oder „Käse“ heißen dürften. „Haferdrink“ wäre korrekter, auch wenn sich im täglichen Umgang die „Hafermilch“ behauptet. Echte Milch bleibt aber in Tirol wichtig.

Immer noch liefern rund 5000 Betriebe aus Nord- und Osttirol Kuhmilch an das Unternehmen. Interessant ist aber, dass die Berglandmilchgruppe zu der „Tirol Milch“ und „Schärdinger“ gehören, etwas entspannter mit dem Haferdrink ist. Auch sie bieten längst pflanzliche Alternativen an. Der Krampus könnte also seinen Kaffee zumindest theoretisch mit heimischer Hafermilch genießen.

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