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Österreich

Haftstrafe: Landwirt soll Bienensterben verursacht haben

Honigbiene auf Apfelblüte
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Sabine Leopold, agrarheute
am
27.09.2018

Ein österreichischer Obstbauer soll durch den Einsatz von Insektiziden in der Apfelblüte mehrere Bienenvölker vergiftet haben. Jetzt wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Am Mittwoch, dem 26. September, hat das Landesgericht Klagenfurt (Kärnten/Österreich) einen Obstbaumeister zu zwölf Monaten Haft verurteilt. Der Vorwurf: vorsätzliche Beeinträchtigung der Umwelt.

Der 47-Jährige soll im Mai 2017 seine Obstbäume entgegen den Bestimmungen mit einem für Bienen gefährlichen Mittel gespritzt und damit ein erhebliches Bienensterben in der Region verursacht haben.

Obstbauer: Mittel nur auf abgeblühte Bäume gespritzt

Am 1. Mai 2017 war es bei zwei Imkern in der Umgebung der Obstplantage des Beschuldigten zu einem massiven Bienensterben gekommen. Bei einer Untersuchung wurde festgestellt, dass die Tiere an dem für Bienen gefährlichen Wirkstoff Chlorpyrifos gestorben waren.

Der Obstbaumeister gab vor Gericht zu, das Insektizid an diesem Tag verwendet zu haben allerdings nur am Morgen, als noch keine Bienen unterwegs waren, und noch dazu auf Bäumen, die bereits abgeblüht gewesen seien.

Richterin sah Schuld als erwiesen an

Die Richterin sah die Schuld eindeutig beim Angeklagten: Die Apfelbäume seien am 1. Mai noch in erheblicher Blüte gewesen und hätten für die Bienen noch eine attraktive Nektarquelle dargestellt, begründete sie ihr Urteil.

Dem 47-Jährigen sei aufgrund seiner Ausbildung bekannt, wie Pflanzenschutzmittel und Insektenvernichtungsmittel anzuwenden sind. Er habe also gewusst, dass er "gegen Rechtsvorschriften verstößt".

Urteil noch nicht rechtskräftig

Neben der Haftstrafe (12 Monate insgesamt, davon vier "unbedingt", also tatsächlich abzusitzen) wurde der Obstbauer auch zu einer hohen Schadenersatzzahlung verurteilt. Bei einem Imker waren 42 Völker verendet, bei einer Imkerin weitere 16 Völker. Ihnen soll der Landwirt deshalb 14.700 bzw. 5.600 Euro zahlen. Der Schaden für die Allgemeinheit sei allerdings wesentlich höher, erklärte das Gericht, wenn man "blütenbesuchende Insekten, die nicht unter der Obhut des Menschen stehen" betrachtet.

Die Verhängung der unbedingten Haftstrafe begründete die Richterin auch damit, dass der Schaden für die Allgemeinheit durch ebenfalls vergiftete Wildinsekten kaum zu beziffern sei und dass das Urteil Signalwirkung haben solle.

Der Landwirt meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Das Urteil ist bislang nicht rechtskräftig.

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