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Politik EU

Was halten Sie von Greening und Bürokratieabbau?

© landpixel
von , am
15.04.2011

Um Landwirte von Bürokratie zu entlasten, hat Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner EU-Kommissar Dacian Ciolos 44 Vorschläge unterbreitet. Wir fragen drei Interviewpartner, was sie davon halten.

Das Umweltministerium plant ein Anbauverbot gentechnisch veränderter Pflanzen (GV0). © Mühlhausen/landpixel
Greening und Umweltmaßnahmen machen durchaus Sinn
 
Ralf Hambrock, Bannetze, 29308 Winsen (Aller) Niedersachsen
 
"Das Greening ist meiner Meinung nach ein vernünftiger Ansatz. Wenn es gar keine Steuerung von außen gibt, werden nur noch 'Profit-Mais' und die Kulturen, die die höchsten Zuschüsse aus Brüssel einbringen, angebaut. Biogas-Anlagen treiben die Pachtpreise hoch und verringern die Artenvielfalt in der Landwirtschaft. Diese brauche wir aber - und zwar nicht nur für die Bienen. Die Bienen sind wichtig zum Bestäuben aller landwirtschaftlichen Kulturen aber sie brauchen viele verschiedene Blühpflanzen. Deswegen finde ich es gut, wenn Landwirte für Umweltmaßnahmen entlohnt werden bzw. diese bei Nichteinhalten auch sanktioniert werden. Dies trägt zu einer besseren Akzeptanz der heutigen industrialisierten Landwirtschaft in der Gesellschaft bei." mehr ...

Einstellung der Direktzahlungen, lieber auf Nachweis Geld

Lutz Imhof, Dörpel, 49406 Eydelstedt Niedersachsen
 
"Mir persönlich wäre eine Einstellung der Direktzahlungen lieber, wenn dann die politischen Zwänge weg wären. Im Moment ist die Situation so, dass wir Geld bekommen und dafür Auflagen erfüllen müssen. Den umgekehrte Weg, wir erfüllen Anforderungen und bekommen dann auf Nachweis Geld dafür, fände ich besser. Das würde ebenso funktionieren und wäre weitaus wirtschaftlicher. Jetzt erfüllen wir einen riesigen Verwaltungsaufwand. Das ganze System müsste losgelöst von den Flächenkontrollen sein." mehr ...

Umweltmaßnahmen gut, Kontrolle nicht möglich

Oliver Gerdhenrich, 33442 Herzebrock-Clarholz Nordrhein-Westfalen
 
"Ich finde es zwar gut, dass die Bauern entlohnt werden aber das liegt immer auch im Auge der Betrachters was Umweltmaßnamen sind und was nicht. Kontrollieren kann man es meiner Meinung nach nicht, da man nicht an so vielen Orten gleichzeitig sein kann." mehr ...

Angelika Sontheimer
Freie Agrarjournalistin

 

 
 
 

Wo gibt es Möglichkeiten zum Bürokratieabbau in der Agrarpolitik?

Ralf Hambrock, Bannetze, 29308 Winsen (Aller) Niedersachsen Angestellter beim Lohnunternehmer

Welche Möglichkeiten zum Bürokratieabbau in der Landwirtschaft gibt es? Wir fragen Lohnunternehmer-Angestellten Ralf Hambrock aus Niedersachsen.


Mein Name ist Ralf Hambrock, ich bin gelernter Landwirt und arbeite heute beim landwirtschaftlichen Lohnunternehmen Henning Buhr in Wardböhmen im Landkreis Celle.

Greening und Umweltmaßnahmen machen durchaus Sinn

Das Greening ist meiner Meinung nach ein vernünftiger Ansatz. Wenn es gar keine Steuerung von außen gibt, werden nur noch "Profit-Mais" und die Kulturen, die die höchsten Zuschüsse aus Brüssel einbringen, angebaut. Biogas-Anlagen treiben die Pachtpreise hoch und verringern die Artenvielfalt in der Landwirtschaft. Diese brauche wir aber - und zwar nicht nur für die Bienen. Die Bienen sind wichtig zum Bestäuben aller landwirtschaftlichen Kulturen aber sie brauchen viele verschiedene Blühpflanzen. Deswegen finde ich es gut, wenn Landwirte für Umweltmaßnahmen entlohnt werden bzw. diese bei Nichteinhalten auch sanktioniert werden. Dies trägt zu einer besseren Akzeptanz der heutigen industrialisierten Landwirtschaft in der Gesellschaft bei.

Kontrollen sind gut, Procedere muss vereinfacht werden

Im Prinzip finde ich das Kontrollsystem gut. Die schwarzen Schafe, die es immer geben wird, müssen zuverlässig herausgefiltert werden. Aber man darf deswegen nicht die 99-Prozent der sauber und akurat arbeitenden Landwirte in Sippenhaft nehmen. Deswegen muss ein Kompromiss aus Dokumentation und Erleichterung der Büroarbeit gefunden werden. 

Wo gibt es Möglichkeiten zum Bürokratieabbau in der Agrarpolitik?

Lutz Imhof, Dörpel, 49406 Eydelstedt Niedersachsen Landwirt mit Ackerbau und Biogasanlage

Welche Möglichkeiten zum Bürokratieabbau in der Landwirtschaft gibt es? Wir fragen den Landwirt Lutz Imhof aus Niedersachsen.


Mein Name ist Lutz Imhof, ich wohne im Landkreis Diepholz, bin 32 Jahre alt, Betriebswirt Fachrichtung Agrar und bin politisch engagiert als Mitglied im Samtgemeinderat Barnstorf, im Gemeinderat Eydelstedt und als Vorsitzender des Agrarausschusses des CDU Kreisverband Diepholz. Seit 2005 bin ich Betriebsleiter und bewirtschaftete circa 170 Hektar im Ackerbau mit einem Studienkollegen zusammen, der Hauptbetriebszweig ist eine 500 kW-Biogasanlage. Die Erweiterung auf 1,3 MW soll in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Einstellung der Direktzahlungen, lieber auf Nachweis Geld

Mir persönlich wäre eine Einstellung der Direktzahlungen lieber, wenn dann die politischen Zwänge weg wären. Im Moment ist die Situation so, dass wir Geld bekommen und dafür Auflagen erfüllen müssen. Den umgekehrte Weg, wir erfüllen Anforderungen und bekommen dann auf Nachweis Geld dafür, fände ich besser. Das würde ebenso funktionieren und wäre weitaus wirtschaftlicher. Jetzt erfüllen wir einen riesigen Verwaltungsaufwand. Das ganze System müsste losgelöst von den Flächenkontrollen sein.

Dokumentation ist oft mehrfach erfüllt

Auf was könnten wir sofort verzichten? Auf jeden Fall muss die Dokumentation vereinfacht werden, wir dokumentieren vielfach doppelt. Die Dokumentationspflicht ist oft schon mehrfach erfüllt, beispielsweise durch Lieferscheine oder den Agrar-Flächennachweis. Das muss reichen. Wenn ich Spritzmittel in der Buchführung kontiere, dann reicht das für einen kulturbezogenen Nachweis, da muss ich nicht noch eine Ackerschlagkartei führen. Den Nachweis erstelle ich alleine schon dadurch, weil ich an einer betriebswirtschaftlichen Auswertung interessiert bin. 

Wo gibt es Möglichkeiten zum Bürokratieabbau in der Agrarpolitik?


Welche Möglichkeiten zum Bürokratieabbau in der Landwirtschaft gibt es? Wir fragen den Hobby-Landwirt Oliver Gerdhenrich aus Nordrhein-Westfalen.


Mein Name ist Oliver Gerdhenrich, ich wohne in der Gemeinde Herzebrock-Clarholz im Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen an der Grenze zum Münsterland. Ich bin gelernter Fleischer und habe einen Hobbybetrieb mit Grünland zur eignen Futtererzeugung.

Umweltmaßnahmen gut, Kontrolle nicht möglich

Ich finde es zwar gut, dass die Bauern entlohnt werden aber das liegt immer auch im Auge der Betrachters was Umweltmaßnamen sind und was nicht. Kontrollieren kann man es meiner Meinung nach nicht, da man nicht an so vielen Orten gleichzeitig sein kann.

Einschneidungen sind für den einzelnen subjektiv

Zur Frage "Welches sind für Sie die 'schlimmsten' oder unnötigsten Bürokratieauswüchse" möchte ich mich enthalten, das muss jeder für sich selber wissen.
 
Oliver Gerdhenrich
33442 Herzebrock-Clarholz
Nordrhein-Westfalen 
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