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Politik international

Handel warnt vor überzogener Vertragspolitik

von , am
19.05.2010

Paris - In Frankreich wirft das neue Gesetz zur Modernisierung der Landwirtschaft und Fischerei (LMAP) bereits vor den in dieser Woche beginnenden Parlamentsberatungen seine Schatten voraus.

© Sandor Jackal/fotolia

Der allgemeine Dachverband des Handels (CGI) warnte auf einer Veranstaltung in Paris vor einer behördlich angeordneten Vertragspolitik, wie sie Agrarminister Bruno Le Maire in der Novelle vorsieht. CGI-Generaldirektor Hugues Pouzin forderte hingegen ein weniger kompliziertes System, das Lieferanten und Abnehmer nicht über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren verpflichtet. Nicolas Douzain, Direktor des Verbandes der Fleischgroßhändler, warnte, die vom Gesetzgeber vorgesehene, massiv einschränkende Vertragspolitik könne sowohl für die Abnehmer als auch für die Landwirte negative Auswirkungen haben.

Letztere seien nicht unbedingt daran interessiert, sich hundertprozentig auf eine Produktion festzulegen, "von der sie im Voraus weder Ertrag noch Qualität kennen". Von derart einschränkenden Verpflichtungen, wie sie der Gesetzgeber plane, sei der Handel in den Nachbarländern Frankreichs nicht betroffen und könnte deshalb die Gelegenheit nutzen, um seine Marktanteile auszubauen. Ein Vertrag sei ein handelspolitisches Instrument, das in der Hand des Berufsstandes bleiben und von ihm eingesetzt werden sollte, argumentierte Douzain.

Vielfalt der Vermarktungsformen erhalten

Luc Métral, Vizepräsident des Dachverbandes der Exporteure und Spediteure von Obst und Gemüse (Aneefel), stellte klar, der Agrar- und Lebensmittelhandel wolle auch künftig die Vielfalt der Vermarktungsformen verteidigen und lehne daher die Absicht Le Maires ab, Instrumente zur Marktregulierung auf wenige Erzeugerorganisationen zu begrenzen.

"Verschwommene Regelung" einer Vertragspolitik

Die Gewährung von Beihilfen dürfe nicht an die Mitgliedschaft in einer Erzeugerorganisation gekoppelt werden. Eine Bündelung des Angebots erfolge nicht ausschließlich durch die Erzeugerorganisationen, sondern werde zugleich von den Lieferanten und vom Handel gesichert, argumentierte Métral. Die Exporteure und Spediteure von Obst und Gemüse kritisierten im Übrigen die vom Gesetzgeber vorgesehene "verschwommene Regelung" einer Vertragspolitik zwischen den Landwirten und ihren Abnehmern.

Größe der Vermarkter kein Effizienzkriterium

Anefeel-Präsident Daniel Corbel kann sich nach eigenen Angaben nicht vorstellen, dass die Genossenschaften schriftliche Verträge mit ihren anliefernden Landwirten abschließen werden. Der Handelsdachverband CGI ist generell der Meinung, dass Größe "nicht zwingend ein Effizienzkriterium sein muss".

Produktionssegmentierung statt Massenangebot

Die Einkommensverbesserung der Landwirte und der Verarbeiter könne kaum durch ein Massenangebot, sondern vielmehr durch eine Segmentierung der Produktion erzielt werden, ist sich der CGI sicher. Er kritisierte in dem Zusammenhang die "Fehldiagnose" hinsichtlich der Bedeutung des großflächigen Einzelhandels für die Landwirte. Während nach Angaben der Agrarverbände 70 Prozent des französischen Produktionsaufkommens im Discount vermarktet würden, liege der Betrag unter Berücksichtigung der Ausfuhren bei lediglich 40 Prozent, stellte Generaldirektor Pouzin klar. (AgE)

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