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Ratgeber

Heiraten mit Hof: Vor- und Nachteile einer Ehe

Hochzeit Strohballen
am Montag, 07.01.2019 - 09:52 (Jetzt kommentieren)

Mit einer Heirat ändert sich einiges. Anhand eines Beispiels erklärt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen die rechtliche Situation für Paare mit landwirtschaftlichem Betrieb.

Die rechtliche Situation für Partner bzw. Paare mit landwirtschaftlichen Betrieb ist komplex. Wie diese vor und nach der Heirat aussieht, stellt die Beraterin Wiebke Wohler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in einem konkreten Fallbeispiel dar.

Das Paar Heike Hoffmann und Michael Meyer leben zusammen auf dem von Meyers Vater gepachteten Hof und haben drei gemeinsame  minderjährige Kinder. Um sich und die Kinder rechtlich abzusichern, wollen sie nun eventuell heiraten.

Ausgangssituation des Paares

Michael Meyer hat den Milchviehbetrieb seit 15 Jahren von seinem Vater gepachtet, der ihn in seinem Testament zum Hoferben bestimmt hat. Hoffmann arbeitet seit der Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes auf dem Betrieb mit. Davor war sie als Tierarzthelferin beschäftigt. Vor ein paar Jahren hat sie von ihrer Oma 150.000 Euro geerbt. Da sie von einer gemeinsamen Zukunft mit Meyer ausgeht, hat sie dieses Geld in den Neubau des Boxenlaufstalls auf dem Hof investiert, ohne dazu mit ihm oder seinem Vater irgendetwas schriftlich zu vereinbaren. Meyer und Hoffmann haben keine Testamente und auch sonst weiter nichts geregelt.

Rechtliche Situation ohne Heirat

Hat einer der beiden einen Unfall oder wird schwer krank, dann könnte der jeweils andere ohne eine Vorsorgevollmacht keine persönlichen oder finanziellen Entscheidungen für den Partner treffen. Es würde vom örtlichen Amtsgericht ein gerichtlicher Betreuer bestellt. Das Gericht könnte den Partner zum Betreuer bestellen, dieser müsste dann aber regelmäßig beim Betreuungsgericht Rechenschaft ablegen.

Stirbt Meyer noch vor der Hochzeit, dann erben seine drei Kinder. Hoffmann hingegen würde nichts erben. Der Hof würde nicht zur Erbmasse gehören. Da der Vater von Herrn Meyer noch lebt, bliebe dieser weiterhin Hofeigentümer. Der Pachtvertrag über den Hof würde mit dem Tod von Meyer enden. Das was Herr Meyer während seiner Pachtzeit hinzu erwirtschaftet hat, gehört hingegen zur Erbmasse. Hoffmann könnte nicht die Herausgabe ihrer investierten 150.000 Euro verlangen. Sie und ihre Kinder hätten keine rechtliche Handhabe, um auf dem Betrieb zu bleiben.

Trennen sich Meyer und Hoffmann vor der Heirat und zieht Hoffmann mit den drei Kindern vom Hof weg, dann steht ihr als Ex-Freundin kein Unterhalt zu. Die Kinder haben generell einen eigenen Unterhaltsanspruch gegenüber dem nicht erziehenden Elternteil, also Meyer.

Das ändert sich mit der Heirat

Mit der Heirat eines Landwirts wird Hoffmann versicherungspflichtig in der landwirtschaftlichen Alterskasse. Die Alterskasse verlangt einkommensunabhängig 246 Euro Beitrag pro Monat (Stand 2018). Eine Befreiung von der Beitragspflicht ist möglich beim Vorliegen einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit über 400 Euro monatlich sowie während der Kindererziehungszeit oder wegen der nicht erwerbsmäßigen Pflege Angehöriger. Das sollte aber gut überlegt sein, schließlich ist es wichtig, fürs Alter vorzusorgen.

Seit Hoffmann ohne Einkommen auf dem Hof mitarbeitet, hat sie keine Rentenansprüche mehr erworben, da sie in kein Rentenversicherungssystem mehr einzahlte. Sie war zwar arbeitslos gemeldet, bekam aber wegen der Bedarfsgemeinschaft mit ihrem Freund kein Arbeitslosengeld II. Außerdem musste sie sich selbst krankenversichern. Durch die Heirat werden sie und ihre Kinder in der landwirtschaftlichen Krankenversicherung ihres Mannes ohne zusätzlichen Beitrag kranken- und pflegeversichert.

Kann Meyer wegen eines Unfalls oder einer Erkrankung seine eigenen Angelegenheiten nicht mehr regeln, ist die Situation die gleiche wie ohne Trauschein. Seine Ehefrau könnte nicht als seine rechtliche Vertreterin handeln, weder im Bereich der Gesundheits- noch in der Vermögenssorge. Das Amtsgericht würde daher einen Betreuer bestimmen. Das könnte Ehefrau Hoffmann sein oder ein anderer Angehöriger, aber auch eine fremde Person.

Verstirbt Meyer nach der Hochzeit ohne ein Testament zu hinterlassen, erben seine Frau und seine Kinder. Hatte er mit seiner Ehefrau keinen Ehevertrag geschlossen und lebten beide im Güterstand der Zugewinngemeinschaft zusammen, dann steht Hoffmann die Hälfte seines Erbes zu und den drei Kinder jeweils ein Sechstel. Der Hof gehört wiederum nicht zur Erbmasse, denn er gehört Meyers Vater.

Den ausführlichen Artikel der LWK Niedersachsen lesen Sie hier.

Mit Material von LWK Niedersachsen

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