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Dorf und Familie

Hitzige Debatten um den Milchstreik

Externer Autor
am
19.09.2009

München – Die vergangene landlive-Woche stand ganz im Zeichen des aktuellen Milchlieferboykotts. Hitzig debattierten die Landwirte ihre persönlichen Beweggründe für und gegen einen Streik oder kommentierten eine öffentliche Ohrfeige.

Darf es sich ein Politiker erlauben, eine Milchbäuerin zu ohrfeigen, auch wenn sie ihn mit Milch übergossen hat? Die Meinungen gehen auseinander. Die Vorschläge eines staatlichen Quotenkaufs und einer Saldierungsabschaffung sorgten außerdem für ausgedehnte Diskussionen.

Sänftigend auf die Gemüter dürfte das "Video der Woche" wirken. Es verströmt die spätsommerliche Idylle summender Bienen und blühender Sonnenblumenfelder. Tipps für einen ausgleichenden Kinobesuch oder DVD-Abend liefert darüber hinaus der heutige "Klick-Tipp".

 

Themen der Woche

Warum wollt ihr nicht streiken?
Eine überaus hitzige und vielschichtige Debatte lieferten sich die Landwirte in der vergangenen Woche im Thread "Schaber zum zweiten – Milchstreik 2009". "Warum wollt ihr nicht streiken?", hieß beispielsweise eine Frage von Daniel315, die für viel Diskussionsstoff sorgte. "Wenn wir alle streiken würden, würden wir was erreichen, aber so können wir zusehen wie unsere Höfe eingehen […]", argumentierte er. "[…] Mit oder ohne Quote gehen die Preise rauf und runter. Nur ist es mit der Quote eine Einschränkung in a) guten Zeiten, weil man nicht produzieren kann und deshalb nicht im vollen Maß partizipiert, b) schlechten Zeiten, weil man die Quotenkosten auch erwirtschaften muss […]", schrieb Nordler. Auf Daniel315s Argument, "wir alle haben für die Milchquote bezahlt, und jetzt wird sie uns 'gestohlen', reagierte hausi mit den Worten: "[…] für die Quote, die zugeteilt wurde, hast Du nichts bezahlt und die Quote, die Du gekauft hast, wird auf 10 Jahre abgeschrieben. […]". Für das Nichtstreiken gebe es verschiedene Motive, meinte karlo außerdem: "Die Einen möchten die flexible Mengensteuerung, glauben aber, dass die Forderung politisch nicht durchsetzbar ist […], Andere sehen sich durch das wettbewerbsverzerrende Quotensystem benachteiligt. […]" Über die Teilnahme am Milchstreik meldeten die Diskutanten überwiegend Zurückhaltung aus ihren Regionen. Geronimo zitierte aus einem agrarheute.com-Beitrag, nach dem laut der Allgäuer Molkerei Rückholz von 600 Lieferanten derzeit lediglich ein Landwirt keine Milch liefere. Bei diesem handele es sich um Romuald Schaber. "Dir ist aber schon klar, dass diese Aussage reine Taktik der Molkerei ist, oder? […]", kommentierte Barensdorfer. Die Frage nach der Definition gerechter Milchpreise lieferte eine weitere Seitendiskussion. Favorit509 schrieb: "Mit gerecht meine ich, für alle die von dem Produkt Milch leben. Der Bauer, der es erzeugt, der Milchfahrer, die Kassiererin an der Supermarktkasse, der Verbraucher". "Preise sind nicht gerecht oder ungerecht. Sie sind kostendeckend, gewinnbringend, oder eben nicht kostendeckend. Gerecht oder ungerecht sind Wirtschaftssysteme", entgegnete karlo.
Schaber zum zweiten...

Ohrfeige nach Milchangriff
Die handgreifliche Auseinandersetzung zwischen einer Milchbäuerin und einem CSU-Politiker auf einem Kirchweihfest im bayerischen Lauterhofen machte Argo am Dienstag zum Thema. So erhielt die Landwirtin von dem Bundestagsabgeordneten eine Ohrfeige, nachdem sie ihn mit mehreren Litern Milch übergossen hatte. "Die Zwei sind quitt. Milch gegen Watschn, ausgred is", kommentierte Rottalboy die Angelegenheit. "[…] Nun, ich denke, die gute Frau hat erreicht was sie wollte – die Aufmerksamkeit der Medien. […]", lautete Paulas Urteil. "Ein Kavalier gibt einer Frau keine Watschn ('Ohrfeige'), ein Politiker des Bundestags sollte eigentlich seine Reflexe unter Kontrolle haben!", meinte Luzionline.
Bundestagsabgeordneter von der CSU ohrfeigt ...

Staatlicher Quotenkauf und Wegfall der Saldierung?
Neue Vorschläge zur Milchmarktregelung, die Thema des EU-Agrarministertreffens in Schweden waren, stellte Suedfriese am Dienstag in der Landwirte-Community per Umfrage und Thread zur Diskussion: "[…] Deutschland will Quoten aus dem Markt kaufen – womöglich die Saldierung abschaffen (auch die Bundessaldierung)." Sein Kommentar: "Damit wird plötzlich aus der zwischenzeitlich wertlosen Quote wieder eine werthaltige, und das bei niedrigen Milchpreisen. […]" "[…] Diese Vorschläge haben keine Aussicht auf Erfolg, trotzdem sollte den entsprechenden Politikern […] mal der Marsch geblasen werden, denn anscheinend hört der ein oder andere doch auf den Lärm der Straße […]", schrieb caMi. Dass auf die Politik kein Verlass sei, meinte jupiterfred.
Was haltet Ihr von der Idee…

 

Neue Threads der Woche

Milchstreik in Belgien
Mit Aufsehen erregenden Bildern vom Milchlieferboykott im belgischen Ciney eröffnete Schmar am Donnerstag einen weiteren Diskussionsfaden zum aktuellen Milchstreik. Rund 450 Güllefässer sollen hier sechs Millionen Liter Milch zusammengebracht haben, schreibt der Belgier. Die Bilder zeigen, wie Milch großflächig auf ein Feld ausgebracht wird. Der Thread entwickelte sich schnell zu einer hitzigen Debatte über Exporterstattungen, Produktionskosten und Verbandsstreitigkeiten.
Ostbelgien…

Welche Sämaschine für steinige Biolandböden?
Um die geeignete Saattechnik für einen Biobetrieb geht es seit Montag in der Landwirte-Community, angeregt durch Darky. max37 empfiehlt bei pflugloser Bearbeitung Scheibenschare, "[…] machen einfach eine super saubere Arbeit. […]" "Was auch eine Möglichkeit wäre, wär' eine 3-Scheiben Sämaschine, die mit allen Ernterückständen zurechtkommt", ergänzte pH. Für besondere Herausforderungen auf Darkys Flächen sorgen Steine, "sind bis teilweise Findlinge von TV-Größe", schreibt er. Rottalboy riet ihm: "Bei dir gibt's nur eins: Tiefgrubber mit Steinsicherung, Sämaschine draufgebaut, hinter die Schare die Säschare rangeschraubt, auf Saattiefe arbeiten, gleichzeitig säen, fertig. […]"
Neue Saattechnik - Meinungen gesucht…

Aktuelle Getreidepreise
Enttäuscht von den aktuellen Getreidepreisen von 10,50 Euro je Doppelzentner Weizen und 7,50 Euro je Doppelzentner Gerste, wendete sich am Dienstag goldfit an die Landwirtskollegen: "Was wird bei euch so bezahlt?" maxxum5120 von der Schwäbischen Alb antwortete: "[…] für den Doppelzentner Braugerste gibt's bei uns gerade mal acht Euro. […]" BauerMax aus Presseck in Bayern schrieb: "[…] vor 14 Tagen 9,50 für Braugerste bei der BayWa und 7,80 für Futtergerste beim Landhandel! Ich hab meine Braugerste in der Ernte für elf Euro verkauft." Und georg08 aus dem Unterallgäu meldete: "Wir haben am 4.9. unseren ersten Weizen verkauft. Sorte Potential 13,6 % Eiweiß für 12,50 Euro + incl. ein Euro Aufschlag, da der Weizen für eine regionale Brotsorte bestimmt ist. […]"
Momentaner...

 

Video der Woche

Imker-Romantik im Sonnenblumenfeld
Wer den Spätsommer noch einmal aufleben lassen möchte, sieht sich am besten das Video von Lude001 aus dem Schwabenland an. Schon rein akustisch ist das Video überzeugend, vermittelt es doch das Gefühl, sich gemeinsam mit Imker Mohr inmitten summender Bienen zu befinden. Das hübsch anzuschauende Sonnenblumenfeld, in dem Mohrs Insekten ihren Honig sammeln, macht die Idylle vollkommen.
Bienenfeld…

 

Klick-Tipp der Woche

Tipps für den nächsten Kinobesuch
Die Biergartensaison neigt sich dem Ende entgegen, jetzt steigt wieder die Lust auf einen Kinobesuch oder einen gemütlichen DVD-Abend. Über Filmtipps und -kritiken tauscht sich schon seit zwei Jahren die Land-und-Natur-Community aus. Aktuell geht es um den Film "Keinohrhasen" von Til Schweiger. "Auch sehr lustig und empfehlenswert", schreibt kruemel. "Wäre echt auch mal wieder ne Idee, den zu kucken..."
Kino…

 

 

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