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Naturkatastrophen

Hochwasser in Australien: Isolierte Landwirte bleiben auf Milch sitzen

Das Hochwasser im Südosten Australiens - hier im Bundesstaat New South Wales - schneidet derzeit viele landwirtschaftliche Betriebe ab. Insbesondere für Milchviehhalter spitzt sich die Lage immer weiter zu.
am Dienstag, 18.10.2022 - 12:52 (Jetzt kommentieren)

Im Südosten Australiens steht der Milchsektor wegen der Überschwemmungen fast still. Milch muss weggeschüttet werden, die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist nicht mehr gesichert.

Milchviehhalter im australischen Bundesstaat Victoria kämpfen gegen die anhaltende Flut. Weil viele Betriebe abgeschnitten sind und ihre Milch nicht abliefern können, müssen sie sie vor Ort entsorgen. Nach Angaben des australischen Newsportals abc.net steigt die Menge, die nicht abgeholt werden kann, jeden Tag um bis zu 1 Mio. Liter an.

Mit mehr als zwölf Metern könnte der Goulburn River in Victoria bald den Rekord von 1974 brechen. Im Bundesstaat sind derzeit etwa 90.000 Menschen vom Hochwasser betroffen – entweder direkt durch die Überschwemmungen oder dadurch, dass ihre Häuser von der Infrastruktur abgeschnitten sind.

20 Prozent der Milchproduktion in Victoria weggebrochen

Neben Victoria sind auch New South Wales und der Insel-Bundesstaat Tasmanien vom Hochwasser betroffen. Australiens Landwirtschaftsminister Murray Watt schließt laut abc.net nicht aus, dass es zu Nahrungsmittelknappheiten und steigenden Preisen kommen kann.

Richard Lang von Milk Exchange, einer Online-Handelsplattform für Milch und Milchprodukte, erklärt, dass etwa 20 Prozent der Milchproduktion in Victoria von den Überschwemmungen betroffen sind. Normalerweise fielen jeden Tag in den jetzt überfluteten Gebieten etwa 1 Mio. Liter Milch an. Diese Menge verteile sich auf 30 Betriebe, in denen 900 Landwirte beschäftigt seien. Das Einkommen der Landwirte, die ihre Milch wegschütten müssen, ist gefährdet, so Lang.

Stromausfall in vielen Milchviehbetrieben und Molkereien

Sowohl in Milchviehbetrieben als auch in Molkereien sei der Strom ausgefallen. Wie abc.net berichtet, könne die Tatura-Molkerei in der gleichnamigen Stadt im Norden Victorias deshalb im Moment etwa 2 Mio. Liter Milch nicht verarbeiten. Die Molkerei bemühe sich um Generatoren.

Auf den Milchviehbetrieben sorgten lokale Elektriker dafür, dass möglichst viele Kühe gemolken werden können, sagt Geschäftsführer Hamish Reid. Andere Milchverarbeiter unterstützten die Tatura-Molkerei und nehmen die Milch an. Trotzdem werde laut Reid immer noch Milch auf den Höfen entsorgt, was angesichts der Knappheit eine echte Tragödie sei.

Wird die Milch länger als drei Tage gelagert, könne sie die für den Verkauf nötige Qualität einbüßen. Tatura sei bemüht, die Kosten für die Landwirte so gering wie möglich zu halten, sagt Reid.

Pferde von überfluteten Koppeln gerettet

Die Situation in den Hochwassergebieten ist auch für Pferdehaltungen dramatisch. In einem Video zeigt zdfheute, wie die Tiere eines Gestüts in Victoria im Wasser stehen und aus den Fluten geholt werden. Freiwillige hätten dabei geholfen, die Pferde von den Koppeln in Sicherheit zu bringen.

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