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Blog Karina

Ammenkuhhaltung: Dauer der Laktation und Alter des Kalbs müssen passen

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am Mittwoch, 23.03.2022 - 10:50 (Jetzt kommentieren)

Karina hält Ammenkühe: Einige ihrer Mutterkühe säugen noch ein weiteres Kalb mit. Was das für Karina als Landwirtin bedeutet und wo die Herausforderungen liegen, erklärt die Hofheldin in ihrem Blog.

Hallo Hofhelden!

Typischerweise zieht in der Mutterkuhhaltung die Kuh ihr eigenes Kalb auf. Betreut eine Kuh gleich mehrere Kälber, nennt sich das Ammenkuhhaltung. Bei Kühen mit hohen Milchleistungen setzen auch wir auf diese intensive Art der Kälberaufzucht.

In meiner Fremdpraxis habe ich Erfahrungen mit mutter- und ammengebundener Aufzucht gemacht. Seitdem haben auch wir auf unserem Betrieb intensiv angefangen zu experimentieren und einen Weg gefunden, der gut zu uns passt. Wir haben auch vorher schon mit Zukaufkälbern gearbeitet. Nun haben wir von der Eimeraufzucht auf die Aufzucht an der Kuh umgesattelt.

Ammenkuhhaltung: so geht´s bei uns

Ammenkuhhaltung bei uns sieht dann so aus: Wir kaufen Stierkälber im Alter von üblicherweise zwei Wochen zu. Manchmal auch größere Kälber, die gehen dann „Milch stehlen“. Da die Kälber nicht bei den Kühen im Laufstall leben, sondern in einer eigenen Box, gehen sie zweimal täglich zu den Kühen trinken. Im Sommer kommen sie auch zusammen auf die Weide. In der ersten Lebenswoche ist die Kuh fast immer, auch in der Nacht, bei ihrem Kalb in der Abkalbebox. Danach haben sie halbtags bzw. später dreimal pro Tag den Kontakt zu ihrem Kalb. So lässt sich nach jeder Mahlzeit gut kontrollieren, ob die Kühe ausgetrunken sind oder noch Milch im Euter haben. Ist letzteres der Fall, melken wir die Kuh mit der Melkmaschine (das ist in der Mutterkuhhaltung allerdings nicht üblich) und verwenden die Milch für den Eigengebrauch. Anhand der Menge lässt sich gut einschätzen, ob man ein Kalb zukauft, ein Älteres angewöhnt oder ob die Milchmenge dafür zu gering ist.

Ammenkuh und Kalb müssen zueinander passen

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Wichtig ist nämlich vor allem, dass die Ammenkuh genug Milch hat. Wir achten auch darauf, dass Dauer der Laktation und Alter des Kalbes zusammenpassen. Bei altmelkenden Kühen gewöhnen wir nie ein junges Kalb an, da wir hier schlechte Erfahrungen mit Durchfallerkrankungen gemacht haben.

Die Ammenkuhhaltung ist anfangs vergleichsweise aufwändig und erfordert dann doch ein hohes Maß an Kontrolle. Haben alle Kälber getrunken? Trinken die Kälber bei der richtigen Kuh? Akzeptiert die Kuh das Kalb? Und auch wichtig: Trinken die Kälber nicht zu viel? Denn wo Nahrungskonkurrenz ist, ist auch der Futterneid nicht weit. Für uns überwiegen aber deutlich die positiven Effekte.

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Derzeit haben wir auch wieder zwei Zukaufkälber, Felix und Leo. Die Kälber wissen schon genau, wie der Hase läuft. Wenn sich erstmal nach ein paar Tagen alles eingespielt hat, ist man eigentlich nur mehr Beobachter.

Was man auf jeden Fall beachten muss: Nicht jede Kuh ist als Amme geeignet. Manche akzeptieren kein fremdes Kalb. Kaufen wir ein kleines Stierkalb dazu, ist es immer ein bisschen ungewiss, ob die Kuh es auch duldet. Außerdem muss man es auch erstmal an das Euter gewöhnen. Bis jetzt hat sich aber nur eine Kuh nicht überreden lassen :-)

Auch an die älteren Kälbchen denken

Damit alle Kälber gut wachsen, sehen wir uns auch nach späteren Milchquellen für das Kalb um, denn nach einigen Monaten reicht die Milch einfach nicht mehr für mehrere Kälber. Dann verkaufen wir das fremde Kalb oder gewöhnen es bei einer anderen Kuh an.

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Die Ammenkuhhaltung ist nicht für jede Kuh und auch nicht für jeden Landwirt das passende. Aber wer viel Geduld für Kuh und Kälber aufbringen kann und den Aufwand nicht scheut, findet vielleicht in der Ammenkuhhaltung eine interessante Aufzuchtform.

Liebe Grüße,

Karina 

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