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Blog Fräulein Deere

Bauer sucht Frau: „Einfach nur schlecht für unseren Berufsstand“

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am Dienstag, 09.11.2021 - 08:00 (2 Kommentare)

Bauer sucht Frau ist unter Landwirten umstritten. Fräulein Deere hat sich für uns ein Bild von der aktuellen Staffel der RTL-Kuppelshow gemacht. Das Ergebnis: Sie ist schockiert.

Liebe Freunde der gepflegten Montagabendunterhaltung,

mir fällt spontan Einiges ein, was ich Montagabend lieber mache, als Bauer sucht Frau (BsF) zu schauen. Güllekanal waschen, zum Beispiel. Aber Hofheld hat mich gebeten, mir eine Folge der RTL-Serie anzusehen und aufzuschreiben, was mir dabei so durch den Kopf geht. Was macht man nicht alles auf Geheiß seiner Chefinnen Julia und Dagmar …

Deutsche Landwirtschaft falsch dargestellt

Prinzipiell stört mich an solchen Sendungen, dass nur die Quote im Vordergrund steht und die Sensationsgier der Menschen befriedigt wird. Wie im alten Rom: Brot und Spiele - Hauptsache es gibt Leute, denen es schlechter geht als einem selbst. Außerdem repräsentiert die Sendung auch mal gar nicht die Deutsche Landwirtschaft. Laut Moderatorin Inka Bause ist das auch nicht das Ziel von BsF aber wenn der gemeine RTL-Zuschauer sich die Sendung anschaut und dann dieses Bild von Landwirten im Kopf hat, ist das für unseren Berufsstand schon ein echtes Problem. Nunja, erstmal genug gemeckert. Ich habe mir für euch die Folge von gestern (8.11.) trotzdem ganz und genau angeschaut.

„Bauer sucht Frau selbst für Nichtlandwirte zu banal.“

Fünfzehn Kandidaten und eine Kandidatin suchen im Rahmen der Sendung die große Liebe. Es sei ihnen wirklich gegönnt aber man muss meiner Meinung nach schon sehr verzweifelt sein oder unbedingt ins Fernsehen wollen, wenn man glaubt, bei einer Fernsehshow sein Glück zu finden.
Nun aber wirklich zur gestrigen Folge. Das große Scheunenfest, bei dem nicht nur Freudentränen verdrückt wurden, ist vorbei und es geht in die ersten Hofwochen. Bei der dramatischen Musik und den Bildern zu Beginn dachte ich: Wow, es passiert gleich was Spannendes… Aber da habe ich mich wohl getäusch: ein Bienenschwarm hing im Baum. Gut, für Nichtlandwirte sind viele Dinge, die für uns normal sind, zwar spannend, aber das war dann doch etwas zu banal. Drama, Baby, Drama!

Wieviel ist bei der Kuppelshow wirklich vorgegeben?

Weiter gehts mit der ersten Paarung: Lara und ihre zwei auserwählten Damen Melanie und Franzi. Es werden Pferde vorbereitet und dann auf den Reitplatz gebracht. Lara möchte zuerst mit ihrem Vorreiten imponieren und jagt danach die Mädels aufs Pferd. Ich finde es ziemlich schade, dass Lara durch ihre dominante Art ignoriert hat, dass Melanie vor Pferden Angst hat.
Im weiteren Verlauf lädt Pferdewirtin die Frauen dann jeweils zu Einzeldates ein. Zuerst führt Lara Franzi zu einem Sektpicknik auf die Pferdekoppel aus. Lara versucht, Franzi näherzukommen, und merkt im Gegensatz zu den Zuschauern nicht, dass sich ihre Auserwählte dabei unwohl fühlt. Warum Franzi da nichts sagt, ist mir nicht ganz klar, aber da spielt aber die Kamera bestimmt auch eine Rolle.
Auch beim zweiten Date kommt keine wirklich romantische Stimmung auf. Melanie brachte ihrer Bauer-sucht-Frau-Bäuerin Dosenwurst aus der schwäbischen Heimat mit. Statt das einfach freundlich anzunehmen, zerreist Lara das Geschenk förmlich in der Luft: Kennt sie nicht, schmeckt ihr nicht, schaut aus wie Hundefutter.
Als Auserwählte und Zuschauer die Dates durchgestanden haben, bittet Lara die Damen zu einem Gespräch, da sie eine nach Hause schicken möchte. Franzi zieht aber zu Beginn der Aussprache gleich selbst die Reißleine und tritt die Heimreise an. Ich erzähle euch das alles nicht, um Lara in die Pfannze zu hauen. Stattdessen stelle ich mir die Frage, ob sie auch im wirklichen Leben so ist? Zeigt sie bei echten Dates wirklich so wenig Empathie? Oder spielen dann doch die Anwesenheit der Kamera und ein Drehbuch, das es ja angeblich nicht gibt, eine Rolle? Jedenfalls ist ja wohl klar, dass es sich negativ auf die Quote ausgewirkt hätte, wenn die Dates in völliger Harmonie und ganz ohne emotionale Spannungen abgelaufen wären. Irgendeinen Buh-Mann braucht es ja immer. Oder in dem Fall eben Buh-Frau.

Darstellung stößt Landwirte vor den Kopf

Als zweiter Kandidat durfen Björn und seine Kandidatinnen in die Hofwoche starten. Als erste gemeinsame Aktionen stehen das Erlernen des Hofladerfahren und das Misten der 50 Pensionspferdeboxen an. Die Erklärung der Maschine ist teilweise arg klischeehaft und überspitzt. „Das in der Mitte ist das Lenkrad“, erklärt Björn. Ach was, echt ?! Ganz ehrlich RTL, dieses Wissen traut wohl wirklich jeder Mann einer Frau zu. Glaubt ihr wirklich, Björn hätte einem echten Date die Maschine so erklärt? Aber scheinbar muss in jeder Staffel eben auch ein etwas dümmlicher Bauer dabei sein …
Wo ich gerade in Rage bin, lasst uns über das Misten der Pferdeboxen reden. Mich ärgert arg, dass das als lockere Vormittagsbeschäftigung dargestellt wird. Das ist furchtbar unrealistisch und stößt jeden Pensionspferdehalter vor den Kopf. Liebes RTL-Team, auch wenn wir bei Bauer sucht Frau sind: 50 Pensionspferdeboxen misten sich nicht bei einem lockeren Pläuschen nach dem dem gemütlichen Kaffee. Die müssen am frühen Vormittag fertig sein bevor die ersten Einsteller kommen. Für Romantik ist da in der Realität nicht viel Platz.

Bullenfüttern im Schlafanzug

Nun gut, soviel dazu. Kommen wir zu Thorsten, dem dritten im Bunde der gestrigen Sendung. Was mich schon etwas irritiert ist, dass er Kaffee in der Küche einschenkt und seiner Karin dann in der Waschküche/Schmutzschleuse serviert. Würde ich anders machen, aber gut, lassen wir einfach mal so stehen.
Karin, die Kandidatin die sich Thorsten beim Scheunenfest ausgesucht hat, finde ich echt sympathisch. Irgendwie löst sie bei mir nicht ganz so ein Fremdschämen aus wie manch andere Kandidatin. Trotz allem finde ich es höchst irritierend, dass Karin im Schlafanzug Bullen füttert. Und dabei mit der Schaufel Maissilo in die berühmten gelben Leckeimer lädt und diesen dann auf den Futtertisch kippt. Ich glaube kaum, dass außerhalb von Bauer sucht Frau das auch nur irgendwer so macht. Da musste ich schmunzeln. Und ich bin mir sicher: Thorsten hätte das seiner Karin im echten Leben bestimmt nicht so gezeigt.

Must-Have der Folge: Radladerfahren

Der vierte Bauer, Dirk der schnucklige Schafbauer (für die Alliteration stellt man mich bestimmt als Texterin bei Bauer sucht Frau ein), holt seine Saskia mit einem echt toll geschmückten Unimog ab. Er gibt sich wirklich Mühe und das gefällt mir, weil‘s nicht peinlich oder übertrieben wirkt sondern einfach nur schön ist.
Auf dem Hof angekommen zeigt Dirk seiner Auserwählten die 600 Mutterschafe und 600 Lämmer. Auch hier darf das obligatorische Radlader fahren und Einstreuen nicht fehlen. Das ist scheinbar das Must Have dieser Folge. Ansonsten gibt’s zu Dirks Sequenz nicht viel zu sagen. Entweder ist BsF an dieser Stelle nichts Diffamierendes eingefallen oder Dirk hat sich einfach nicht ans Drehbuch gehalten - ach pardon, das gibt es ja nicht … Kommen wir also zum nächsten Bauern.

Von der Wirkung über geschickt eingesetzte Musik

Imker Hubert bereitet seiner Andrea am ersten Tag ein besonderes Frühstück vor, das hätte ich schon auch genommen. Frisch gestärkt geht’s bei den zwei Turteltauben anschließend um die Wurst. Okay, nicht wortwörtlich, aber ein Bienenvolk ist von Dannen gezogen und muss wieder eingefangen werden. Mit passender spektakulärerer Musik und Huberts dramatischen Worten über die Gefährlichkeit dieser Aktion, fängt auch Andrea die Bienen mit ein. Nach dieser nahezu lebensgefährlichen Aktion (wenn man eine starke Bienenallergie hat und keinen Anzug trägt), gibt es endlich mal ein Feierabend einläutendes Bier, ganz ohne das Bedürfnis, wegen Fremdschämens davon zu laufen.

Peter, der Quoten-Sexist

Der Letzte Bauer dieser Sendung ist der golfplatzbesitzende Ackerbauer Peter. Peter hätte seiner Kerstin auch gern Kaffee gemacht, scheitert aber - im Gegensatz zu Dirk - schon an der Kaffeemaschine. So machen sich die zwei eben ohne Kaffee gleich auf den Weg, auf dem 23 ha großen Golfplatz die Golfbälle des Vortrags abzusammeln. Danach präsentier Peter ganz stolz seinen Wellnessbereich. Sauna, Whirlpool Ruheliegen. Und dann fiel er, der eine Satz: zum Putzen und Aufräumen dürfe Kerstin länger bleiben. Aaaah, da haben wir ihn, den Quoten-Sexisten. Ich hätte mich ja sofort umgedreht und wäre gegangen. Gott sei Dank hat sich auch Kerstin das nicht so einfach gefallen lassen.

„Besser, als erwartet, aber trotzdem schlimm.“

So, das waren jetzt zweiundachtzig Minuten der Kuppelshow „Bauer sucht Frau“. Es war nicht so schlimm, wie ich es aufgrund der Publicity der vorherigen Staffeln erwartet hatte, aber ich bin trotzdem froh, dass ich es hinter mit habe. Es ist einfach nicht meine Art von Fernsehen. Es gibt zwar einige Kolleginnen und Kollegen, die gerne Bauer sucht Frau schauen. Das sollen und dürfen sie auch gerne tun, denn die Unterhaltung am Feierabend steht jedem zu. Was allerdings an BsF unterhaltend sein soll, ist mir persönlich ein Rätsel. Geschmäcker sind einfach verschieden.
In diesem Sinne: bis zum nächsten Mal,
Eure Fräulein Deere

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