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Blog Christina

Betriebsleiter Yannik: Deshalb arbeite ich als angestellter Landwirt

portraet-yannik-meiners
am Mittwoch, 01.12.2021 - 14:16 (Jetzt kommentieren)

Jungunternehmerin Christina hat sich im Zuge der Hofübernahme dazu entschieden, einen außerfamiliären Betriebsleiter für den landwirtschaftlichen Bereich des Genholter Hofs einzustellen - und konnte die Stelle mit Landwirt Yannik perfekt besetzen. Und auch für ihn ist das Angestelltenverhältnis ein echter Glücksgriff, wie er im Interview verrät.

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

nachdem ich euch im August (ja, ich weiß – es ist gefühlt schon wieder eine Ewigkeit her) meine Seite der Betriebsleitersuche für unseren landwirtschaftlichen Bereich beschrieben habe, möchte ich diesen Blogbeitrag nutzen, auch die Seite von Yannik als „Betriebssuchender“ zu beleuchten.

Dazu habe ich mir ein paar Fragen überlegt, die ich Yannik bei einer Tasse Kakao (den trinkt er nämlich seeehr gerne) gestellt habe. Das daraus resultierende Interview lest ihr jetzt.
Lieber Yannik, stell dich doch einmal kurz vor.
Sehr gerne, ich bin Yannik Meiners, gelernter Landwirt und habe nach der Ausbildung (Abschluss 2017) und einem Praxisjahr eine zweijährige Weiterbildung an der Fachschule für Agrarwirtschaft hier bei uns am Niederrhein gemacht. Seit 2020 darf ich mich dann „Agrarbetriebswirt“ schimpfen (Anm. d. R.: Ein stolzes Lächeln macht sich auf seinem Gesicht breit :P)

Was gefällt dir besonders am Beruf des Landwirts?

Da muss ich nicht lange nachdenken: Mich fasziniert vor allem das Zusammenspiel aus Natur und Technik, die abwechslungsreichen Tätigkeiten und die Gegensätze zwischen dem Einsatz modernster Maschinen und ehrlicher Handarbeit in der Landwirtschaft.

Auf welcher Art von Betrieben hast du bisher gearbeitet?

Während der zweijährigen Ausbildung habe ich erst ein Jahr auf einem Milchviehbetrieb mit Futterbau und danach ein Jahr auf einem reinen Ackerbaubetrieb (beide hier am Niederrhein gelegen) gearbeitet. Der Milchviehbetrieb war ein, für unsere Region, durchschnittlich großer Familienbetrieb. Meine Tätigkeit als Azubi dort war geprägt von den täglich anfallenden Routinearbeiten. Besonders interessant fand ich dabei, dass ich auch in die zur Futtergewinnung nötigen Feldarbeiten mit eingebunden wurde.

Und wieso hast du dich genau für diese Betriebe entschieden?
Wegen meiner Vorliebe für Ackerbau und Technik wählte ich für das letzte Ausbildungsjahr einen größeren Ackerbaubetrieb mit Kartoffel- und Industriegemüseanbau aus. Hier konnte ich meiner Leidenschaft für moderne Maschinen sehr gut nachgehen, auch weil ich dort sehr viel Zeit mit der Reparatur und Wartung des Maschinenparks verbracht habe.

Wieso hast du dich im Sommer 2020 dazu entschlossen, ein Inserat zu schalten, mit dem du einen Hof gesucht hast, auf dem du Betriebsleiter oder Hofnachfolger sein kannst?

Ich habe nach der Ausbildung weiter ein Jahr Vollzeit und während der Fachschule in Teilzeit auf dem oben genannten Ackerbaubetrieb gearbeitet. Gleichzeitig habe ich erste Gehversuche im An-bau mit Süßkartoffeln gemacht und wollte gerne mehr Zeit in dieses Projekt investieren. Deshalb suchte ich nach einer Möglichkeit mich weiterzuentwickeln, ohne dabei komplett auf mich allein gestellt zu sein und von der Zusammenarbeit mit erfahrenen Betriebsleitern zu profitieren.

Welcher Gedanke ging dir durch den Kopf, als Papa dich dann wg. der Anzeige angerufen hat? (Ich habe ihn gebeten, hier auch ehrlich zu sein :P)
Dadurch, dass ich Hermann ja vorher schon etwas kennengelernt hatte, habe ich mich sehr über seinen Anruf gefreut. Insbesondere die gleiche Vermarktungsstrategie, die er mit dem Genholter Hof und ich mit meinen Süßkartoffeln verfolgten, erleichterte mir die Vorstellung einer möglichen Zusammenarbeit.
Wie gefällt dir die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, die wir u.a. über Hofheld, LZ Rheinland etc. betreiben und die Offenheit gegenüber unseres Generationswechsels (in dem du nun ja auch eine nicht unbedeutende Rolle spielst)? Hat es dich am Anfang gereizt oder verunsichert?
Mir gefällt ganz besonders die Öffentlichkeitsarbeit, die wir über Social Media betreiben. Ich würde mich freuen, wenn wir diese auch noch weiter ausbauen würden, um den Käufern unsere Produkte direkt aus erster Hand zu zeigen und zu vermitteln, mit wieviel Einsatz und Leidenschaft wir hoch-wertige Lebensmittel produzieren. Auch wenn ich nicht der geborene Entertainer vor der Kamera bin. Aaaber je öfter man es macht, desto besser klappt es, finde ich ;)
Wie haben dir die ersten knapp 300 Tage auf unserem Hof gefallen?
Die ersten 300 Tage auf dem GeHo haben mir gut gefallen. Natürlich waren die ersten Wochen erstmal ungewohnt, hatte ich ja noch nie auf einem Betrieb mit Spargel- und Erdbeeranbau und derart vielen Saisonkräften gearbeitet. Im Zusammenhang mit den beiden Sonderkulturen habe ich viel Neues gelernt, bin durch die größere Verantwortung gewachsen und habe in Gänze meinen Horizont erweitert. Ich freue mich aber auch darüber, dass ich viele Erfahrungen, die ich bereits bei meinen verschiedenen Stationen gesammelt habe, mit einbringen kann. Außerdem gefällt mir das entspannte Arbeitsklima und die familiäre Atmosphäre sehr gut ☺
Auf was freust du dich im kommenden halben Jahr?
Als erstes freue ich mich über entspanntere Wintermonate mit etwas mehr Zeit Zeit für Freunde und Hobbies ☺ Danach bin ich gespannt auf meine zweite Spargel- und Erdbeersaison, in die ich hoffentlich die vielen Erfahrungen aus der vergangenen Saison und auch neue Impulse einbringen kann.

Zum Abschluss: Wie siehst du die Landwirtschaft in der Zukunft?

Ich wünsche mir eine sozial- und umweltverträglichere Landwirtschaft. Dies könnte auf zwei Wegen erreicht werden: Entweder ein höherer Einsatz von modernen Maschinen/Robotern, die die (meist) eintönige und körperlich anstrengende Handarbeit ersetzen, oder aber eine bessere Vergütung für die tatsächliche Handarbeit. Hierbei könnte man natürlich besser qualifiziertes Personal gewinnen, was aber für mich nur mit einer gleichzeitig höheren Wertschätzung für Lebensmittel seitens der Bevölkerung einhergeht, denn diese muss ja bereit sein, die entstehenden Mehrkosten zu tragen.

Zudem lässt sich durch weniger Kostendruck auch eine umweltverträglichere Landwirtschaft erreichen, weil man nicht mehr gezwungen ist, den höchsten Ertrag je Hektar zu erreichen, sondern zugunsten der Umwelt auf einen Teil des Ertrages verzichten kann. Dafür muss aber in meinen Augen auch eine deutliche Imageverbesserung der Landwirtschaft stattfinden, die bisher zwar schon durch Öffentlichkeitsarbeit von einzelnen Betrieben, aber leider noch nicht von der gesamten Branche, betrieben wird.

Lieben Dank, Yannik, für das spannende Interview. Wir finden übrigens definitiv, dass du mit jedem Social Media Auftritt lockerer wirst und uns damit die Freude an Öffentlichkeitsarbeit noch vergrößerst! In Zukunft werden dich die Hofheld-Leser sicherlich in der ein- oder anderen Sequenz noch einmal zu Gesicht bekommen.

Da mein Vater Hermann für die ganze „Betriebsnachfolger-Suche“ natürlich auch eine große Rolle spielt, erfahrt ihr im nächste Blogbeitrag mehr darüber, welche Gefühlsachterbahn er gefahren ist.
Liebe Grüße vom Niederrhein,
Eure Christina

Ausbildung: Was angehende Landwirte wollen

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