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Blog Mara

Direktvermarktung: So reagiert Mara auf steigende Betriebsmittelpreise

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am Montag, 06.12.2021 - 10:45 (Jetzt kommentieren)

Sind Karton und Glas das neue Gold? Für Direktvermarkterin Mara schon. Denn die steigenden Betriebsmittelkosten machen ihr zunehmend zu schaffen.

Liebe Hofhelden!

Hat man sich im ersten Lockdown noch lustig gemacht „Klopapier ist das neue Gold“, habe ich aktuell wirklich das Gefühl, dass andere Rohstoffe Gold den Rang ablaufen. Die steigenden Betriebsmittelkosten sind zurzeit auf jedem Betrieb ein Thema. Bei uns ist es aktuell die Beschaffung von Flaschen, Kartonagen und Stickeln.

Glas: Lagerkapazität erhöhen, um Kostenanstieg zu umgehen

Normalerweise bestellen wir die Flaschen rund vier Wochen vor unserem Abfülltermin. Dann wissen wir genau, wie viele Flaschen wir brauchen und sie stehen nicht zu lange rum. So eine Palette hat eine Grundfläche von 1,20x,20 Meter und ist über zwei Meter hoch. Bei 20 Paletten kann es hier also schon mal eng werden. Preisschwankungen und Aussagen der Vertreter „Kommendes Jahr gibt’s Preiserhöhungen“ sind nicht selten. Da wägen wir aber immer für uns immer zwei Dinge ab:
  • Wie viel Lagerplatz wollen und können wir längere Zeit vollstellen?
  • Wie ausschlaggebend ist die kontinuierliche Preiserhöhung für uns?
Seit September häuften sich dann aber die Aussagen von Kollegen, dass Glas deutlich teurer wird. So haben auch wir vor ein paar Wochen eine grobe Bedarfsplanung für 2022 gemacht und Preise eingeholt. Bei Preisgültigkeit bis Ende 2021 waren die Preise noch mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar. Die große Fragen war demnach: Wie spät könnt ihr liefern?. Wir haben jetzt bestellt und hoffen auf eine Lieferung Ende Januar. Dann ist es noch stark ein Monat bis zum Abfüllen und wir können die Preiserhöhung einmal durch mehr Lagerplatz ausschlagen.

Kartonagen: Lieferengpässe seit Corona-Beginn

Teil zwei der Odyssee ist bei den Kartonagen. Wir versuchen, viel Wein in wiederverwendbaren Behältern an die Kunden abzugeben. Bei uns sind das meist die roten Kunststoffkisten für zwölf Flaschen oder die Kunden bringen eigene Taschen mit. Wo das aber nicht geht, gibt’s Kartonagen. Hier gibt es seit Beginn von Corona Lieferengpässe, da der gesamt Onlinehandel boomt und dann in den Produktionen mehr Kartons für Onlineversand hergestellt werden.
Wir bestellen die Kartonagen immer als ganze Paletten. So kann es vorkommen, dass man in einem Jahr alle der drei verschiedenen Kartons bestellt und dann ein Jahr wieder nichts. So sind auch meine letzten Einkaufspreise nicht ganz aktuell. Leider kam es aktuell bei uns zusammen, dass alle drei Sorten nachbestellt werden mussten und da gingen die Verhandlungen los. Welcher Preis? Wie viel Produktionszeit muss bei den bedruckten Walz-Kartons eingeplant werden? Sie haben ein neues Modell? Bitte schicken Sie uns erst mal ein Muster.
So geht’s da gerade weiter. Zwei Arten konnten wir jetzt relativ problemlos bestellen, auf das dritte Muster warten wir aktuell. Was uns die Wartezeit kostet, wird noch spannend.

Metall: Preissteigerung von bis zu 100 Prozent

Die richtig große Frage kommt bei den Metallpreisen für 2022 auf. Wir haben geplant, rund ein halbes Hektar neu anzulegen. Da brauchen wir rund 450 Stickel. Dazu kommen noch die Pflanzpfähle, die sind 7 Millimeter dick. Hier redet man gerade von einer Preissteigerung von bis zu 100 Prozent. Das geht soweit, dass sich Kollegen überlegen, ob man nur die Reben und die Pflanzpfähle installiert, mit den Stickeln aber noch ein Jahr wartet. Kann man schon machen, bringt aber alles durcheinander. Dazu kommt, dass das je nach Förderbedingungen teilweise auch nicht möglich ist.

Wirkt sich Recycling auf den Rohstoffpreis aus?

Was ziehen wir für Konsequenzen? Klar, früher einkaufen und den Raum, den wir jetzt für Events nicht brauchen, als Lager nutzen. Was mich aber auch immer wieder umtreibt, ist die Kreislaufwirtschaft, die sich zum Beispiel in Sachen Glaspreis direkt auswirken könnte.
Der CO2-Fußabdruck einer Flasche Wein besteht zu knapp 50 Prozent aus dem Glas. So versuchen wir, die Flaschen zu nutzen, die das geringste Gewicht haben. Im Weinbau einen Kreislauf mit Rückgabe der Flaschen, Spülen und Wiederverwenden zu schaffen, klappt jedoch kaum. Da ist viel modernes Design dran schuld:
  • Früher haben wir die Flaschen noch mit Leim-Etiketten ausgestattet. Die konnten im Spülzentrum leicht gelöst werden. Bei den modernen Designs nutzt man Selbstklebeetiketten, die nur mit viel Chemie und Mechanik gelöst werden können.
  • Dazu kommt der Verschluss. Die ersten Schraubverschlüsse waren „Sprudel-Deckel“, also die kurzen rund 15 mm langen Schraubverschlüsse. Darüber kam eine Kunststoffkapsel, die mit Hitze angepresst wurde. Diesen kurzen Schraubverschluss konnte man gut von der Flasche lösen. Seitdem immer mehr Betriebe auf „Longcap“ (in der Fachsprache BVS-Verschlüsse) umgestiegen sind, ist das auch beim Spülen schwieriger, da diese BVS Verschlüsse aufwendiger entfernt werden müssen und die Gewinde der Flaschen sehr, sehr empfindlich sind.
  • Dazu kommt noch, dass es gerade bei den 0,75 Liter-Flaschen unzählige Formen und Farben gibt, manches Weingut hat sogar eine Flasche mit eigenem Wappen drauf. Bis man also die Flaschen von den Kunden zurücknimmt, sortiert, auf Unversehrtheit prüft, reinigt und wieder befüllt, das ist ein kaum rentabler Kreislauf.
Wir geben aktuell unsere Literflaschen noch zu einem Spülbetrieb, der diese dann wieder in den Kreislauf bringt. Das wird aber immer weniger und ist somit keine Lösung für das Problem. Dazu stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, extra LKWs zu mieten, die nur leere Flaschen durch Deutschland fahren? Zum Recycling bei den Kartons habe ich euch oben schon was geschrieben und bei Stickeln sehe ich da kaum Chance. Wenn ein Weinberg über 30 Jahre stehen soll, installiere ich zu Beginn ja keine Stickel, die schon 15 Jahre auf dem Buckel haben.
Ihr merkt schon, allein das Thema Recycling von Flaschen kann ich seitenlang ausführen. Wir appellieren an unsere Kunden, die Flaschen, die entsorgt werden, auf jeden Fall über die entsprechenden Tonnen dem Wertstoffkreislauf wieder zuzuführen.
Das ist jetzt nur eine Momentaufnahme und das sind Produkte, bei denen wir jedes Mal einen ordentlichen Preisvergleich vor dem Einkauf machen. Sprit, Strom etc. kommt aber alles noch hinzu, das betrifft uns ja privat wie betrieblich. Hier gibt’s eigentlich noch so viele Anknüpfungspunkte für Kreislaufwirtschaft auf dem Betrieb, aber eine Preiserhöhung im kommenden Jahr werden wir wohl auch nicht ausschließen… Aber gut, bei über 4 Prozent Inflation merkt man es dann wohl auch beim Wein.
Für unsere Rohstoffeinkäufe sind wir mit Flaschen und Kartonage jetzt mal noch ein bisschen ausgestattet. Vielleicht ergibt sich ja noch ein Wunder und der Bedarf für den Weinberg sinkt noch im Preis, sonst kann es sein, dass wir uns da auch noch den Hof mit vollstellen. Willkommen im Lagerhaus Walz!
Jetzt gehe ich mal in mein Goldlager und widme mich den Weihnachtsbestellungen!

Liebe Grüße,

Eure Mara

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