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Blog Fräulein Deere

Einstieg in die Direktvermarktung: Tipps einer Junglandwirtin

Junglandwirtin Fee im Getreidefeld
am Donnerstag, 04.11.2021 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Immer mehr Landwirte steigen in die Direktvermarktung ein. Doch wie funktioniert das eigentlich? Bloggerin Fräulein Deere hat einer Junglandwirtin aus dem Speckgürtel Münchens praktische Tipps rund um den Ab-Hof-Verkauf entlockt.

Hallo Fee, du bist eine Junglandwirtin aus dem Speckgürtel Münchens und gerade dabei, den Betriebszweig „Direktvermarktung“ weiter auszubauen. Magst du dich den Hofheldlesern kurz vorstellen?

Mein Name ist Fee, ich bin 31 Jahre alt und lebe und arbeite mit meinem Freund Bernhard auf dem Hof seiner Eltern. Für Direktvermarktung habe ich mich bereits als Kind interessiert: Den Bauernmarkt in Freising, wo ich aufgewachsen bin, fand ich immer schon spannend und auch die wenigen Hofläden, die es in den 90ern gab.

Als ich mit 13 meine langersehnten ersten Meerschweinchen bekommen habe, habe ich mir immer gedacht, wie toll wäre es, wenn ich das Heu für meine Lieblinge direkt bei einem Landwirt kaufen könnte. Einfach ganz normales, naturbelassenenes Heu, ohne viel Schnickschnack. Die Schwierigkeit war nur damals: ich wohnte mit meinen Eltern in München und konnte aufgrund meines Alters noch nicht einfach mit dem Auto ins Umland fahren und Heu kaufen.

Was sind deine Aufgaben am Betrieb und wie schaut ein typischer Tag aus?

Meine Hauptaufgabe am Hof ist die Vermarktung. Ich betreue unsere Internetseite, den Onlineshop, die Socialmediakänale und den Hofladen. Auch die Liefertouren mache ich komplett und beliefere Großkunden. Ich bin aber auch beim Unkrauthacken im Gemüsebau aktiv, wir sind ja einer der wenigen Betriebe, die Süßkartoffeln anbauen. Mein Schwiegervater in spe nimmt mich viel aufs Feld mit und bindet sowohl meinen Freund Bernhard als auch mich in sämtliche Entscheidungen in der Außenwirtschaft ein.

Wie ein genauer Tagesablauf aussieht, ist für mich im Moment noch schwierig zu sagen, weil ich ja noch nicht so lange alles mache.

Wie seid ihr bei dem Start in die Direktvermarktung vorgegangen?

Am Anfang hatten wir natürlich viel weniger Kunden als jetzt, wir mussten ja erst einmal bekannt werden. Wir haben ganz bewusst dem Marketing und der Werbung einen hohen Stellenwert eingeräumt. Wir haben ein Logo entwickeln lassen und ein schönes Hofschild machen lassen. Das ist echt sehr wichtig aus meiner Sicht. Auch in Internetseite, Social Media, etc. haben wir viel Hirnschmalz gesteckt.

So funktioniert die Direktvermarktung: das richtige Marketing

Wo liegen Schwierigkeiten, an die man so vielleicht nicht denkt?

Von Schwierigkeiten will eigentlich nicht sprechen, nennen wir sie stattdessen Herausforderungen. Anfangs wurden wir viel belächelt, jetzt sehen wir, dass einige unser Modell übernommen haben. Im Onlineshop ist die Herausforderung, etwas komplett Neues zu machen.

Viele denken, im Internet sei alles ganz einfach, da findet einen jeder. Das ist ein Trugschluss. Eine Seite so zu gestalten, dass man von (potenziellen) Kunden auch gefunden wird, das ist eine Herausforderung. So verschlingt das Marketing mehr Zeit, als man denkt, und ist darüber hinaus geistig anspruchsvoller, als viele denken.

Habt Ihr euch Hilfe geholt beim Aufbau der Direktvermarktung oder alles in Eigenregie erledigt?

Um das Logo zu gestalten und für das Hofschild hatten wir einen Schildermacher, der schon viel mit Landwirten gearbeitet hat. Einmal, ganz am Anfang, waren wir außerdem auf einem Seminar für Direktvermarktung von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayern (AELF). Ansonsten haben wir uns autodidaktisch viel beigebracht. Bernhard über Buchhaltung und Rechtliches, ich über Marketing und Social Media. Zudem sind wir auch in vielen Facebookgruppen für Direktvermarktung.

Hofladen: Lebensmittel direkt vom Erzeuger

Wie erreicht ihr neue Kunden?

Neue Kunden akquirieren wir viel über Social Media, zum Beispiel über unseren Instagram-Account, und Plattformen wie nebenan.de. Mit den Lieferkunden sind wir zudem in regem Kontakt über Whatsappgruppen und E-Mail-Verteiler.

Was Werbemittel angeht haben wir von Anfang an auf Flyer gesetzt. Außerdem haben wir unser Lieferauto folieren lassen, was zwar gekostet hat, aber eine gute Werbefläche ist. Unsere Verpackungen tragen unser Logo und auch Arbeitsjacken und Hosen haben wir besticken lassen. Die tragen wir an speziellen Aktionstagen und auch beim Ausliefern. Geplant ist, das alles noch wirtschaftlicher zu gestalten.

Was ist dir im Umgang mit den Kunden in guter oder schlechter Erinnerung geblieben?

Schöne Erlebnisse mit Kunden gibt es sehr viele, das motiviert auch total. Es ist immer schön, wenn sie Wertschätzung zeigen und wenn man den Leuten auf diese Weise etwas über Landwirtschaft vermitteln kann und sie etwas Neues erfahren. Schön ist auch immer, wenn Kinder dabei sind. Für sie haben wir extra Tretbulldogs zum Spielen neben dem Hofladen.

Nicht so schöne Erlebnisse fallen mir eigentlich kaum ein. Nur manchmal nervt es uns, wenn die Leute schon im April (!) nach Frühkartoffeln fragen. Aber darum machen wir das ganze ja unter anderem auch: um aufzukären, wie Landwirtschaft wirklich funktioniert.

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