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Blog Tobias

Erster Schnitt auf kleinen Flächen: das sind die Herausforderungen

Tobias vor seinem Fahrsilo
am Mittwoch, 09.06.2021 - 15:33 (Jetzt kommentieren)

Tobias Flächen liegen in einem Gebiet ohne Flurbereinigung. Das birgt beim Silieren besondere Herausforderungen.

Hallo Zusammen,

der erste Grünlandschnitt stellt bei meinem Betrieb regelmäßig die Futtergrundlage der Milchkühe für zehn Monate dar - bei gutem Ertrag auch für ein ganzes Jahr. Entsprechend hoch ist die Erwartungshaltung deshalb, diesen wichtigen Erntetermin erfolgreich zu gestalten.

Der richtige Schnittzeitpunkt

Zum Schnittzeitpunkt soll der Aufwuchs so viel Rohfaser haben, dass ich der Ration kein Stroh zusetzen brauche, damit sie wiederkäuergerecht ist. Normalerweise strebe ich den 20. Mai als Erntetermin an. Nachdem der Wetterbericht um Pfingsten dieses Jahr kein ausreichend langes Erntefenster vorhersagte, wurde es dann tatsächlich erst Ende Mai.

Der erste Schnitt: von Plan und Wirklichkeit

Zuerst war die Planung, am Samstag zu mähen und am Sonntag zu häckseln. Es sollte vorher mindestens einen Tag nicht regnen und vor der Mahd die Sonne scheinen. Nur so können die Gräser den gewünschten Zucker bilden. Den braucht man aus zwei Gründen:

  • Er ist wichtig für Schmackhaftigkeit der späteren Silage …
  • … und günstig für die Konservierung durch Milchsäurebakterien.

Bereits am Samstagmorgen zeichnete sich aber ab, dass es nicht wie ursprünglich gemeldet viel Sonne zu sehen geben wird. Also habe ich Häcksler, Walzradlader und die Transporthänger auf Montag umorganisiert. Schließlich muss das Gras auch noch Zeit haben, um anzuwelken.

Die Sonne kam am Samstag erst am späten Vormittag durch die dichten Wolken. Dank der Schlagkraft des Lohnunternehmers konnten wir dann noch etwas abwarten und erst nachmittags mit der Mahd beginnen. Den gesamten Termin umwerfen wollte ich ungern, da die Jäger aus den drei betroffenen Jagdrevieren bereits Freitagabend die Vergrämungsmaßnahmen gestartet hatten: Ablaufen (mit Hund), Säcke auf Stöcken, vier optisch-akustische Wildscheuchen ...

Zusätzlich sind an den Mähwerken noch Ultraschallsirenen montiert. Übelst laute Geräuschpegel, die alles, das weglaufen kann, auch dazu animieren soll.

Der Vorteil der Flurbereinigung beim Mähen

Das Mähen läuft dann bei mir immer folgendermaßen ab: Ich fahre mit meiner Front-/Heckkombination einmal um die Schlaggrenzen und der Lohnunternehmer macht mit seinem Xerion mit Schmetterling und Aufbereiter den Rest der jeweiligen Fläche.

Der Job des Einmähens erfordert viel Konzentration und Kenntnis der Flächen. Marksteine, Schachtbauwerke, Strommasten, Überfahrten über Gräben,  Betonwehre der Bewässerung: 100 m geradeausfahren ohne Hindernisse gibt es bei den acht Stunden einmähen gefühlt keine zehnmal.

Die Nachteile nichtflurbereinigter Strukturen sind nunmal kleine, unförmige Flächen. Daher sind meine 25 ha auf 30 Feldstücken in einem Tag von mir alleine schlicht nicht zu mähen. Und auch der LU bräuchte eher zehn statt acht Stunden, nur um außenherum zu mähen. Den vielen Hindernissen sei Dank.

Kreiseln, häckseln, abdecken

Samstagabend wurde dann begonnen mit Schwaden. Auch hier fährt der betriebseigene Schwader außenherum, den Rest mach der Lohnunternehmer mit dem Vierkreiselschwader. Das Häckseln läuft dann ganz unspektakulär mit geliehenen Transportanhängern. Für feuchte Wiesen sind extra alle mit Nachlauflenkachse ausgestattet, damit es möglichst keine Beschädigung der Grasnarbe gibt.

Zum Schluss, nach der ganzen Maschinentätigkeit, kommt dann mit die wichtigste Arbeit: luftdichtes Verpacken und schützen der empfindlichen Folien durch Schutzgitter. Nach etlichen Paletten voll mit schweren Kiessäcken, habe ich den Futtervorrat für ein ganzes Jahr dann endlich untergebracht.

Übrigens: Der erwartet höhere Ertrag hat mich bewogen auch höher zu schneiden. Stolze 9 cm Stoppellänge leiste ich mir normalerweise nur in den Luzerneflächen.

Bis zum nächsten Mal,

Tobias

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Tobias erster Schnitt in Bildern - Hofheld-Special 1. Schnitt

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