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Blog Felix

Existenzgründung: Vom Softwareentwickler zum Landwirt

Felix steht mit Heugabel in der Scheune
am Mittwoch, 26.01.2022 - 07:00 (1 Kommentar)

Softwareentwickler Felix erfüllt sich einen lang gehegten Traum und wagt den Quereinstieg in die Landwirtschaft. Mit dem Kauf seiner seit über 40 Jahren leer stehenden Betriebsstätte hat er den ersten Schritt in seine Zukunft gemacht. Doch ob das eine gute Idee war?

Liebe Fans der Landwirtschaft,

ich darf mich heute als neuer Blogger vorstellen. Ich bin der Felix und hatte das große Glück, meine Kindheit und die ersten Jahre meiner Jugendzeit in der niederbayerischen Provinz zu erleben. Das war in den 90er Jahren. Die meiste Zeit verbrachte ich damals bei unseren Nachbarn, die einen kleinen Milchviehbetrieb im Nebenerwerb führten und immer noch führen.

Als Kind war es natürlich wahnsinnig spannend, die umliegende Landschaft zu erkunden, auf Bulldogs aller Art bei den Landwirten in der Umgebung mitzufahren und die tägliche Arbeit im Stall und auf den Feldern zu erleben. Seit dieser Zeit gab es für mich immer nur einen Wunsch: Selbst Bauer zu werden. Und vielleicht sogar mal meinen Lieblingsbulldog zu besitzen. Einen 15er Deutz. Der wurde damals tatsächlich täglich vom Nachbarn zum Füttern von Mails im Stall verwendet.

Mit eBay-Kleinanzeigen zum eigenen Betrieb

Nach einer längeren Pause von fast 20 Jahren, in denen ich ein Studium absolviert habe, mich als Softwareentwickler selbstständig gemacht habe und auch ein bisschen in der Welt herumgekommen bin, ergab sich die Gelegenheit, meinem Traum einen Schritt näher zu kommen. Ich hatte einen alten Rottaler Vierseithof bei ebay-Kleinanzeigen entdeckt. Und diese Anzeige hat meinen Puls erst mal höherschlagen lassen.

Die Kleinanzeige auf eBay, mit der Felix seinen Betrieb gefunden hat.

Das erste Gespräch mit dem Makler hat sich dann auch ganz gut angehört und entsprach dem, was ich gesucht habe: Alleinlage, Felder und Wiesen drum herum, mit denen man was anstellen kann. Und alle Gebäude nahezu im Originalzustand.

Betriebskauf: Böse Überraschung bei Besichtigung?

Schnell folgte die erste Besichtigung. Da ich nicht direkt aus der Gegend bin, habe ich die genaue Lage noch nicht gekannt. Treffpunkt mit dem Makler war Bad Birnbach, das vom Hof ca. 5 km entfernt ist. Er meinte nur, ich soll im Folgen und mich nicht wundern, dass wir die Zivilisation demnächst verlassen werden.

Ausblick über das Rottal.

Wir fuhren also los. Aus dem Dorf heraus, Richtung Wald und Wiese, dann den Berg hinauf. Er blieb neben dem Wald stehen und offenbarte mir, dass man zum Hof nicht direkt fahren kann, da es keine befestigte Straße gibt. Wir gingen ein Stück den Berg hinab, wobei die traumhafte Aussicht über das Rottal bis rüber nach Bad Grießbach den Fußmarsch entschädigt hat.

Felix' verwilderte Betriebsstätte.

Dass der Hof 40 Jahre nicht bewohnt war und etwas verwildert sei, war keine Lüge. Ich hätte eine Machete zur Besichtigung mitnehmen sollen ... Zum Glück hatte ich zumindest eine lange Hose an, um durch das Meer aus Brennnesseln zu kommen. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel sich die Natur in fast einem halben Jahrhundert zurückholt.

Das denkmalgeschützte Bauernhaus auf Felix Betriebsstätte.

Wie ihr schon auf den Bildern seht, ist seit der letzten Bewirtschaftung, die wahrscheinlich in den 70er Jahren war, nichts mehr an den Gebäuden gemacht worden. Dementsprechend ist der Zustand leider auch nicht er beste. Es gibt einige Löcher in den Dächern. Trotzdem hatte ich nach der Besichtigung das Gefühl, dass mir der Himmel diese Gelegenheit geschickt hatte. Ich wusste eigentlich gleich, dass der Hof genau das war, was ich gesucht hatte.

Die enorme Arbeit und Zeit, die so ein Projekt erfordert, habe ich da erst mal ausgeblendet. Die Abwicklung mit der Finanzierung ging zum Glück relativ unproblematisch über die Bühne und im August 2019 war ich dann stolzer Besitzer des Kaltenöderhofs in Steinberg.

Das Haus sowie der Stall mit Gewölbe stehen unter Denkmalschutz. Hier sind natürlich auch einige Bürokratische Hürden zu nehmen. Auch die Wiederaufnahme der Landwirtschaft und das Gründen des Betriebs stellten mich vor große Herausforderungen. Aber dazu beim nächsten Mal mehr. Dann verrate ich euch, wie es in den Gebäuden aussieht und was ich mit der Hofstelle vorhabe. Es bleibt spannend.

Beste Grüße,
Felix aus dem Rottal

Quereinsteiger gründen Betrieb

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