Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Blog Julia J.

Ein Gartenparadies für Vögel, Insekten, Amphibien und Co.: So geht's

Julia sitzt vor ihren Nistkästen
am Freitag, 02.07.2021 - 13:21 (Jetzt kommentieren)

Junglandwirtin Julia hat genug. Sie will nicht immer für Gewässerverschmutzung und Artensterben an den Pranger gestellt werden. Stattdessen hat sie ihren Garten in ein Paradies für die verschiedensten Tierarten verwandelt.

Liebe Hofhelden,

der Schrei nach Umwelt- und Tierschutz sowie Förderung der Artenvielfalt und der Biodiversität ist in aller Munde. Uns Landwirten wird oft die alleinige Schuld an der Gewässerverschmutzung und dem Artensterben zugeteilt.

Jeder will, dass die Landwirtschaft sich ändert, und Schritte in eine andere Richtung geht. Dieser Gedanke ist auch durchaus gerechtfertigt und es muss sich etwas tun, damit auch nachfolgende Generationen von und mit unserer Erde leben können. Jedoch wird mit dem Finger auf uns gezeigt. Mit teils utopischen Verordnungen und Gesetzen, die die Artenvielfalt schützen sollen, werden die Produktionsbedingungen für landwirtschaftliche Produkte immer schwieriger und komplizierter, was auch dazu führt, dass der ein oder andere seine Hoftore für immer schließt.

Jeder wills haben – aber keiner will was tun

Bevölkerung und Politik schreien nach Umwelt- und Artenschutz aber kaum einer kehrt vor seiner eigenen Tür. Die wenigsten achten auf ihren biologischen Fußabdruck oder setzen sich aktiv für den Schutz der Artenvielfalt ein. Stattdessen besitzen sie Steingärten oder einen englischen Rasen, der täglich vom Mähroboter gemäht wird und somit keinen Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten bietet. Genau nach dem Motto: Jeder wills haben – aber keiner will was tun.

Blühstreifen und Totholzhecke

Dabei ist es so einfach etwas für unsere heimischen Tierarten zu tun. Dazu muss man kein Landwirt oder Naturschützer sein. Ganz im Gegenteil: wenn jeder seinen Teil zum Schutz der Natur leistet, können wir Großes erreichen. Entgegen dem oben genannten Satz habe ich mir das Ziel gesetzt, zumindest unseren Hof und Garten so tierfreundlich und artenreich wie nur möglich werden zu lassen.

Fauler Stamm als beliebter Nistkasten

Angefangen hat unser Projekt im Winter mit dem Bau von diversen Nistkästen. Vorher hatten wir uns natürlich über die Größe, Art und Beschaffenheit der Nistkästen für verschiedene Vogelarten informiert. So braucht zum Beispiel ein Star ein viel größeres Einflugloch als eine kleine Blaumeise. Und Rotkehlchen ziehen Halbhöhlen einem geschlossenen Nistkasten vor.

Für den Bau der Nistkästen haben wir ausschließlich Restholz verwendet. Zum Beispiel Abfallstücke von Terrassendielen und Schwarten, die beim Sägen eines Stammes anfallen. Besonders nachhaltig also.

Fauler Fichtenstamm

Am beliebtesten bei den Vögeln und besonders leicht herzustellen waren aber die Nistkästen aus einem faulen Fichtenstamm. Dazu haben wir das innere, faule Kernholz des Stamms entfernt, wodurch dieser natürlich hohl wurde. Anschließend brauchte der Nistkasten nur noch einen Boden, ein Dach und ein Einflugloch.

Nistkästen: Feuchtigkeit muss abfließen können

Bei allen Nistkästenarten ist darauf zu achten, dass Feuchtigkeit und Flüssigkeit abfließen kann. Deshalb haben wir jeweils zwei Löcher in den Boden gebohrt. Außerdem muss der Nistkasten leicht zu öffnen sein, um im Winter die alten Nester zu entfernen und Platz für neue zu schaffen. Damit das innere des Brutkastens trocken bleibt, haben wir alle Vogelhäuser mit einem Wellblech aus einem Abfallstück versehen. Denn auch Vögel wollen eine trockene und warme Wohnung, vor allem für ihren Nachwuchs.

Nistkästen

Insgesamt haben wir sieben Nistkästen gebaut. Darunter

  • zwei Halbhöhlen,
  • 4 Nistkästen für Singvögel, wie z.B.: Meisenarten
  • und einen Starenkasten.

Im selben Zug haben wir noch ein Schmetterlingshaus und zwei Fledermauskästen gebaut. Beim Anbringen unserer Nistkästen, habe ich darauf geachtet, dass die schlecht von Nesträuber, wie Katzen oder Mardern, geplündert werden können. Außerdem habe ich darauf geachtet, dass genug Anflugmöglichkeiten vorhanden sind, wie beispielsweise Äste von nahegelegenen Bäumen.

Alle Vogelhäuser sofort besetzt

Entgegen unseren Erwartungen waren alle Vogelhäuser gleich im ersten Jahr besetzt. Normalerweise nehmen die Vögel neue Brutmöglichkeiten erst im zweiten Jahr an.

Meisen im Winter

Zunächst konnte man vor allem Kohlmeisen beim Nestbau beobachten und im Mai schlüpften die ersten Küken, die lautstark zu hören waren, wenn die Elterntiere mit Futter im Schnabel angeflogen kamen. Unser Starenpaar hat mittlerweile schon die zweite Brut ausgebrütet. Ich könnte stundenlang zusehen, wie die Vögel im Minutentakt mit Futter für ihren Nachwuchs angeflogen kommen.

Totholzhecke, Steinriegel und Igelnest

Im Februar habe ich mich dann an den Bau einer Totholzhecke oder auch „Benjeshecke“ im Garten gemacht. Üblicherweise wird dazu Totholz in Form von Ästen aufeinander aufgeschichtet. Die Hohlräume zwischen den Zweigen, bieten vor allem Platz für viele Insektenarten. Für unsere Hecke habe ich nur heimische Hölzer verwendet und das innere der Hecke habe ich noch altem Stroh und Rindenstücken versehen.

Totholzhecke in Bau

Weil mir eine reine Totholzhecke aber nicht genug war, habe ich zunächst einen Steinriegel mit Kalksteinen, welche bei uns zuhauf zu finden sind, aufgehäuft. Dieser Steinhaufen weist kleine Lücken und Höhlen für Reptilien und Amphibien auf. Auf diesem Haufen habe ich dann anschließend die Totholzhecke aufgeschichtet. Auch einen alten geflochtenen Korb habe ich in die Hecke eingebunden, dieser soll als Igelhotel fungieren. Der Korb ist kaum noch zu sehen, weil er mit viel Holz bedeckt ist. Das innere des Korbes habe ich mit Stroh und Laub ausgefüllt. Schon jetzt sind an unserer Hecke viele Hummeln, Käfer- und Spinnenarten zu entdecken. Um das ganze etwas schöner zu gestalten, habe ich Kletterpflanzen gesät, die die Hecke bewachsen sollen.

Blühstreifen als Nahrungsquelle

Um auch eine Nahrungsquelle und Nistmöglichkeiten für Insekten zu schaffen, habe ich dieses Frühjahr noch einen kleinen Blühstreifen in unseren Garten gesät. Wegen der anhaltend kühlen Witterung dauerte es lange, bis die Pflanzen gewachsen sind.

Schmetterling im Blühstreifen

Jetzt blüht er aber in voller Pracht und darin finden sich viele Bienenarten, Schmetterlinge und erstaunlich viele Rosenkäfer. Dazu gibt es als Vogelbad und Insektentränke ein kleines, mit Wasser gefülltes, Schälchen, in dem ein Stein liegt, damit die Insekten nicht ertrinken.

Insektenhotel „Zum alten Wagenrad“

Zu guter Letzt wurde noch ein altes Wagenrad zum Insektenhotel umfunktioniert. Es sieht nicht nur schön aus, es bietet auch Nistmöglichkeiten für viele Wildbienenarten.

In Zukunft soll aber natürlich noch mehr entstehen.

  • Wenn möglich, möchte ich möglichst zeitnah noch einen kleinen Teich installieren, der Platz für Molche und Frösche bietet.
  • Unser Blühstreifen soll nächstes Jahr noch größer werden und auch die Nistkästen sollen auf ein vielfaches anwachsen, bis irgendwann jeder Baum ein Vogelhaus trägt.
  • Des Weiteren möchte ich unserem Hofeichhörnchen, welches wir Freddy nennen, einen Kobel bauen und auch für die Igel soll nochmal ein Igelhotel entstehen.
  • Weitere Steinriegel und Totholzhecken sind an Orten geplant, wo sie nicht stören wie zum Beispiel im Auslauf der Pferde.
Insektenhotel Wagenrad

Im Allgemeinen achten wir auch bei der „Hofpflege“ darauf, möglichst schonend zu arbeiten. So darf der ein oder andere Altgrasstreifen doch stehen bleiben und wenn möglich nutzen wir unseren alten Balkenmäher anstatt des Mulchers für die Weidepflege. Auch die sonst so unbeliebten Brennesselecken werden nicht gleich vernichtet; mit der Sense gemäht und getrocknet sind diese nämlich ein willkommener und gleichzeitig gesunder Snack für unsere Rinder und Pferde. Und auch die ein oder andere Schlammpfütze, die auf den ersten Blick vielleicht einen unordentlichen Eindruck hinterlässt, dient unseren Schwalben zum Nestbau.

Aktiver Artenschutz: viele Kleinigkeiten leisten großen Beitrag

Ich liebe es, einfach zu zusehen, wie die eigene Arbeit Früchte trägt und zu beobachten, wie die Tiere die verschiedenen Angebote annehmen. Ob sich einige Populationen auf unserem Standort wieder vermehren, lässt sich wahrscheinlich erst in einigen Jahren feststellen. Aber ich denke all diese Kleinigkeiten leisten einen großen Beitrag für aktiven Artenschutz. Ich würde mich sehr freuen, wenn der ein oder andere Leser, durch meinen Beitrag ein paar Ideen und Anreize bekommen hat, die er vielleicht auch daheim umsetzen wird.

Viel Spaß dabei,

Eure Julia

Naturschutz: So setzt Jochen Hartmann auf Agroforsten und Blühstreifen

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...