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Blog Christina

Hofübergabe: Wenn der Mitarbeiter den Vater ersetzen soll

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am Montag, 23.08.2021 - 11:56 (Jetzt kommentieren)

Im Zuge der Hofübergabe muss sich Christina überlegen, wie es mit dem landwirtschaftlichen Bereich des Genholter Hofs weitergeht. Ihre Lösung: Ein fähiger Mitarbeiter muss her. Das ist für beide Generationen aber gar nicht so einfach ...

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

nachdem ich zuletzt über die Gründung der jungen LandFrauen Kreis Viersen berichtet habe, möchte ich den heutige Blogbeitrag einer Person widmen, die für den GeHo 2.0 sehr wichtig ist: Unserem jüngsten Personalzuwachs Yannik. Yannik wird künftig den landwirtschaftlichen Bereich des GeHos leiten und hatte zuuufällig am vergangenen Freitag, den 20. August 2021, seinen 200. Arbeitstag. Und passend zu diesem kleinen Jubiläum möchte ich euch mit auf die Reise nehmen, die wir als Familienunternehmen angetreten sind, um auch den landwirtschaftlichen Bereich des Genholter Hofes in die nächste Generation zu führen.

Hofübergabe: Alles alleine geht nicht

Vorweg: Uns allen hier auf dem Hof ist klar, dass ich als gelernte Bankkauffrau und BWLerin den für den GeHo so wichtigen Bereich der Landwirtschaft nicht alleine leiten kann. Denn, selbst wenn ich zusätzlich zu meiner kaufmännischen Ausbildung noch eine landwirtschaftliche machen wollte (und die Motivation sowie Wissbegierde hätte ich!), rennt mir doch tatsächlich die Zeit davon. Die tatsächliche Hofübergabe soll nämlich Juli 2023 stattfinden :-O. Gleichzeitig möchte ich aber auch meinem Vater – der den landwirtschaftlichen Betriebszweig seit vielen Jahren mehr als powerful und erfolgreich in Vollzeit führt – nicht das Gefühl geben, dass ich dieses Arbeitspensum neben meinen Aufgaben im GeHo (Direktvermarktung, Hofladen, Gästezimmer und Hofcafé) noch mit links schaffe.

Loslassen fällt der abgebenden Generation schwer

Deswegen haben wir gemeinsam festgestellt, dass jemand für diesen Bereich hinzukommen und mich unterstützen muss und wir mit der Suche nach diesem „Jemand“ schon jetzt beginnen sollten. Der Entschluss allein hat uns aber noch keinen Schritt weitergebracht und diesen umzusetzen, fällt uns schwer. Ist dies auch nicht verwunderlich, denn das „Loslassen“ der abgebenden Generation ist eben nicht immer so einfach, wie wir Nachfolger uns das manchmal gerne wünschen würden (wir sprechen uns dann in ca. 40 Jahren nochmal *haha*).

Wir suchen: die eierlegende Wollmilchsau

Wir befinden uns also im August 2020 als mein Vater und ich während eines morgendlich gemeinsamen Kaffees wie so häufig auf das Thema „Hofnachfolge – landwirtschaftlicher Bereich“ kommen und feststellten, dass wir die Suche doch nun ganz langsam mal angehen sollten. Immer mal wieder durchforsteten wir also gemeinsam ein paar Anzeigen und haben auch bei der Landwirtschaftskammer um Unterstützung bei der Suche gebeten. Auch wenn wir von dieser folgende Antwort auf unser Anliegen erhielten: „Oh je – die eierlegende Wollmilchsau (also den jungen, motivierten Agrarbetriebswirt, der auch mit mir an einem Strang zieht) zu finden, wird sehr schwierig bis unmöglich. Aaaber wir können ja mal Augen und Ohren für Sie offenhalten, schließlich sollten wir alle optimistisch sein.“

Mitarbeitersuche: mehr Glück als Verstand

Umso mehr hat uns eine Anzeige in der LZ Rheinland (die landwirtschaftliche Wochenzeitung aus dem Rheinland) überrascht. In dieser ging es um ein Gesuch eines jungen Agrarbetriebswirts, der ... ... sich gerne neuen Aufgaben widmen ... und auf einem Hof als möglicher Nachfolger ... oder aber als Betriebsleiter in unserem Kreis Viersen arbeiten wollen würde. HA - Hört sich nach unserem Mann an, oder? Also nahm ich die Anzeige, hielt sie meinem Vater unter die Nase und bat ihn darum, den jungen Mann anzurufen. Verständnislos schaute mein Vater mich an und grummelte etwas von „leg es mir mal auf den Schreibtisch. Ich schaue es mir die Tage an.“ Ähm? Die Tage? Nein! Jetzt! Und dies vermittelte ich meinem Vater auch. Hatten wir nicht schließlich mehr Glück als Verstand, so eine Anzeige gefunden zu haben, mit jemandem der anscheinend auch noch in unserem Umkreis suchte?

Der Generationswechsel ist für beide Seiten schwierig

Als wir uns einige Stunden später wieder auf dem Hof trafen, kam mein Vater kleinlaut auf mich zu und entschuldigte sich für sein schroffes Verhalten am Morgen. Aber auch ich musste mein Verhalten entschuldigen. Konnte ich ja nicht einfach mit einem doch so wichtigen Schritt (insbesondere für meinen Vater) zwischen Tür und Angel kommen und sofort erwarten, dass er alles stehen und liegen lässt, nur um sich darum zu kümmern. Er musste sich auch erstmal an den Gedanken gewöhnen, dass der nächste konkrete Schritt beim Generationswechsel anstand. Wir einigten uns darauf, dass jeder eine Nacht über die Anzeige schlafen sollte und wir uns am nächsten Tag über einen möglichen Anruf austauschen würden.

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Am nächsten Tag unterhielten meine Eltern und ich uns kurz über die Anzeige und den möglich nächsten Schritt. Dabei war uns allen eigentlich klar, dass wir nichts zu verlieren hatten und die Wahrscheinlichkeit ja auch nicht allzu hoch war, dass der erste Austausch mit einem möglichen Betriebsleiter letztlich direkt zum Erfolg führte (typisch niederrheinischer Pessimismus…). Mein Vater nahm nun also mit dem jungen Inserenten Kontakt auf und war zugleich – genauso wie der Inserent selbst – ziemlich überrascht, dass man sich doch schon kannte. Bei einer Neueröffnung eines Lebensmitteleinzelhandels in der Region hatten Yannik – der Anzeigenaufgeber – und mein Vater schon einmal miteinander gesprochen. Denn Yannik vertrieb zu dem Zeitpunkt schon seine eigenen Süßkartoffeln, die er auf einer kleinen Fläche selbst anbaute, an lokale LEH-Märkte. Das imponierte meinem Vater schon damals, sodass er sich bei der Neueröffnung vor Ort Yannik und seinen Süßkartoffeln gegenüber sehr interessiert zeigte.

Die Chemie zwischen Mitarbeiter und Chef muss passen

Glücklicherweise war durch die gemeinsame Erinnerung an den ersten Kontakt das Eis schon ein wenig gebrochen und man vereinbarte ein erstes persönliches Kennenlernen. Nun möchte ich euch aber nicht mit den einzelnen Treffen langweilen, denn davon gab es eeeeinige (eines mit meinem Vater und Yannik alleine, danach eines mit meinem Vater, Yannik und mir, dann trafen auch Yannik und ich uns alleine – dürfen wir schließlich im besten Fall zukünftig zusammenarbeiten und zum Schluss noch ein Zusammentreffen meiner Mutter, meinem Vater, Yannik und mir). Viel wichtiger: Am 01. Oktober 2020 kam die allesentscheide Whatsapp von meinem Vater in die Familiengruppe: „Hallo ihr, Yannik kann sich vorstellen am 01. Februar anzufangen. Liebe Grüße“.

Ich kann euch sagen, dass bei dieser Nachricht (und natürlich mit der anschließenden finalen Zusage, den Weg des GeHo 2.0 mitgehen zu wollen) uns einige Steine vom Herzen gefallen sind. Ja, wir hatten mehr Glück als Verstand. Denn wir hatten in dieser Phase sicherheitshalber auch noch eine Anzeige in der LZ Rheinland inseriert – aber keiner der Bewerber, die sich gemeldet haben, passte fachlich und menschlich besser zu uns als Yannik. Insbesondere, weil mir wichtig war, dass er auch ein kleines bisschen Spaß an den Themen rund um Social Media und Öffentlichkeitsarbeit hatte.

Christinas persönliche Anforderung an den landwirtschaftlichen Mitarbeiter

Und nun – nach 200 Tagen GeHo + Yannik – können wir sagen: JA! Wir sind auf einem sehr guten Weg. Nicht nur, dass er sich in den Anbau unserer Produkte Spargel, Erdbeeren und Kartoffeln, mehr als gut reingearbeitet hat, sondern sich auch als super flexibler und mitdenkender Mitarbeiter entpuppt hat. All diejenigen unter euch, die selbst in einem Familienbetrieb tätig sind, wissen darum, wie viel wert jemand ist, der in stressigen Situationen (und von denen gibt es nicht wenige!) einen ruhigen Kopf behält und mitdenkt. Gleichzeitig sieht es so aus, dass er mehr und mehr Freude an der Öffentlichkeitsarbeit bekommt. So erhalte ich inzwischen nicht selten per Whatsapp ein Bild aus dem Feld mit ein paar Stichworten, das ich dann für unseren Social Media Auftritt nutzen kann. Besonders schön fand ich auch unseren ersten gemeinsamen Auftritt für die erste rheinische Hofgeschichte im Zuge der Kampagne magdochjeder. Hier haben wir eine Art Kampagnenfilm von unserem Hof gedreht, bei der mir sehr wichtig war, dass Yannik genauso Redeanteile erhält wie ich. Denn der GeHo 2.0 wird ohne die Landwirtschaft und damit ohne Yannik nicht funktionieren und das musste kommuniziert werden! Ich finde, dass uns dies gemeinsam mit der Agentur mehr als gut gelungen ist!

Wie Mitarbeiter Yannik den Betrieb bereichert

Und daher zum Schluss: Danke Yannik! Danke, dass du dir – bisher *zwinker* - keiner Arbeit zu schade bist und dein Motto lautet: „Wenn ich Arbeiten wie Erdbeer- und Spargelpflanzen später delegieren soll, will ich das auch selbst einmal getan haben. Schon allein um ernst genommen zu werden“. Danke, dass du den Anbau von Süßkartoffeln und das Wissen darum, mit auf unseren Hof gebracht und unsere Anbaupalette damit um ein weiteres tolles Produkt erweitert hast. Danke, dass du auch Freude an der Social Media- und Öffentlichkeitsarbeit entwickelst und stets mit offenen Augen über unsere Felder und den Hof gehst und mich auf neue Post-Ideen bringst. Und gleichzeitig mir nicht den Kopf abreißt, wenn ich mal wieder mit „Übrigens kommt diese Woche ein Fotograf von agrarheute für eine Reportage *smile* und du darfst mit drauf“ um die Ecke komme.

Einfach danke, dass du dich auf diese Wundertüte GeHo 2.0 einlässt, mit allen Sackgassen, Umwegen, Pannen, Schnellstraßen und wunderbaren Momenten.

Wenn zwei Generationen zusammen wirtschaften

Ein großes Dankeschön gilt aber auch meinem Vater, der sich verhältnismäßig schnell auf diesen weiteren Schritt des Generationswechsels eingelassen hat: Lieber Papa, danke, dass du erkannt hast, wie wichtig dieser nächste Step in der Hofübergabe für uns ist und Yannik stets in deinem Alltag mitnimmst. Sicher ist es auch für dich in manchen Situationen nicht einfach, mit uns jungen, super motivierten Hüpfern umzugehen und uns vielleicht manchmal auch bremsen zu müssen. Aber gemeinsam mit Mama gebt ihr uns nie das Gefühl, dass bei uns das Motto „Solch neumodische Kroam gibt’s hier nicht. Wir haben es seit über 20 Jahren so gemacht und so machen wir das auch bis ihr selbst übernommen habt,“ vorherrscht. DANKE!

Auf noch viele weitere 200 Tage,

Eure Christina

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