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Blog Christina

Hofübergabe: Das sagen die Eltern zum externen Betriebsleiter

Gertrud, Christina und Hermann Ingenrieth stehen mit Yannik Meisner auf dem Feld.
am Mittwoch, 02.02.2022 - 13:32 (1 Kommentar)

Im Zuge der Hofnachfolge hat sich Christina dazu entschiedenen, einen Betriebsleiter für den landwirtschaftlichen Bereich des Genholter Hofs einzustellen. Im Interview verraten ihre Eltern, wie sie die Suche nach einem geeigneten Kandidaten empfunden haben.

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

Nachdem ihr im August meine und im Dezember Yanniks Sicht auf die Betriebsleitersuche erhalten habt, möchte ich euch nun auch die Sicht meines Vaters und meiner Mutter als abgebende Generation nicht vorenthalten. Dazu habe ich mir ein paar Fragen überlegt, die meine Eltern in ihrem wohlverdienten Januarurlaub beantworten durften.

Lieber Papa, liebe Mama, stellt euch bitte vorab einmal kurz vor und verratet, welche Bereiche des Genholter Hofs ihr führt.

G: Ich bin Gertrud Ingenrieth, 61 Jahre jung, gelernte Zahnarzthelferin und in erster Linie zuständig für die Bereiche Hofladen, Gästezimmer und Hofcafé/Saisonrestaurant.

H: Ich heiße Hermann Ingenrieth, 63 Jahre jung, habe eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolviert und anschließend noch die zum Landwirt draufgesetzt. Auf dem Genholter Hof bin ich für den Anbau unserer Produkte Speise- und Süßkartoffel, Spargel und Erdbeeren sowie für deren Vermarktung (in erster Linie über den LEH) zuständig.

Bis wann wollt ihr die Rolle der „Letztentscheider“ auf dem Hof innehalten?

G: Die Direktvermarktung auf dem Genholter Hof gibt es seit 1989, das Restaurant seit 1999. Unser gemeinsamer Wunsch ist es, bis zum 30. Juni 2023 die Rolle der „Letztentscheider“ auszufüllen und dann in die zweite Reihe zu treten.

H: Genau, denn das Ziel des Generationswechsels ist es nicht, komplett mit dem Arbeiten aufzuhören, sondern in Gänze weniger Verantwortung zu haben. Wir möchten insbesondere der nachfolgenden Generation auch als beratende Funktion zur Seite stehen.

Was waren eure Ideen, wie die im Herbst 2020 anstehende Betriebsleitersuche für den landwirtschaftlichen Bereich stattfinden soll?

H: Eigentlich haben wir beide uns persönlich keine großartigen Gedanken über die Art der Suche an sich gemacht. Denn wir wussten, dass wir es anpacken müssen, egal wie. Klassische Anzeigen in landwirtschaftlichen Zeitungen erschien uns für den ersten Schritt am logischsten.

G: Auch die Landwirtschaftskammer hat uns ein paar Kontakte genannt, wo wir uns melden konnten. Die haben wir dann auch angesprochen.

Vater Hermann: „Yannik hat mir die Unsicherheit genommen.“

Welche Gedanken gingen euch durch den Kopf, als Yannik sich als einer der ersten Interessenten entpuppte?

H: Erst mal haben wir uns gefreut, dass sich überhaupt ein paar Interessenten gemeldet hatten. Das gab uns das Gefühl, dass die Suche sich nicht aussichtslos gestaltete. Dass dann Yannik dran war, hat mich persönlich dann noch zusätzlich gefreut, da wir uns bereits flüchtig kannten. Es hat dem Meilenstein der „Betriebsleitersuche“, die ja auch insbesondere für mich ein großer Schritt ist, etwas Unsicherheit genommen.

Wie habt ihr die ersten Gespräche mit Yannik empfunden?

H: Das erste gemeinsame Gespräch war verhältnismäßig zurückhaltend. Nicht aber nur von Yannik, sondern natürlich auch von mir. Was sollte ich fragen? Was wollte Yannik wissen? Was möchte ich unbedingt erzählen, um Lust auf diese Stelle zu machen? Mit jedem weiteren Gespräch brach aber das Eis, sodass man immer stärker merken konnte was für ein zielstrebig orientierter junger Mann Yannik ist.

Er ist klar in seinen Fragen und Aussagen, was mir insbesondere auch die spätere Einarbeitung erleichtert hat. Hatte ich bisher ja selten Mitarbeiter, die ich so „mitnehmen musste“, dass sie meiner Position nachfolgen könnten. Insbesondere hat mich dann überzeugt, dass er offen den Kulturen gegenüber war, mit denen er bisher noch nicht gearbeitet hatte: Spargel und Erdbeeren. Und natürlich, dass er den Anbau und die Vermarktung der Süßkartoffel komplett in Eigenregie durchgeführt hatte und somit auch schon Luft vom LEH geschnuppert hatte.

Wie gefällt euch die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, die wir betreiben und die Offenheit gegenüber unseres Generationswechsels, in dem ihr schließlich keine unbedeutende Rolle spielt?

G: Für uns persönlich war eines immer klar: Wir werden uns betrieblich nicht auf den Social-Media-Kanälen präsentieren, da wir diese selbst nicht nutzen, das Potenzial damit gar nicht ausschöpfen könnten und es in Gänze einfach nicht authentisch gewesen wäre. Da wir aber auch sehen, wie wichtig eine solche Kommunikation in der heutigen Zeit ist, sind wir dankbar, dass ihr als junge Generation euch diesem Thema annehmt und gehen diesen spannenden Weg gerne mit. Wir sind meist für alle Ideen offen und freuen uns dann auch mit, wenn ein Beitrag auf Instagram besonders viele Herzchen bekommen hat.

H: Ich würde sagen, dass die Berichterstattung über unserem Generationswechsel zu Beginn eine Mischung aus Reiz und Unsicherheit waren. Wir kannten diese Art der Kommunikation bisher ja nicht. Mittlerweile sind wir aber vielleicht auch ein kleines bisschen stolz darauf, einen nicht ganz unwichtigen Teil in dieser Hofübergabe spielen zu dürfen *verschmitztes Lächeln*.

Herausforderungen für die neue Generation

Zum Abschluss: Wo seht ihr Herausforderungen - auch in Bezug auf die Landwirtschaft - auf uns zukommen?

G: Beispielsweise die in der vorherigen Frage thematisierte Öffentlichkeitsarbeit wird eine nicht zu unterschätzende Aufgabe werden. Denn es wird stets eine Gratwanderung darstellen, die gewünschte Zielgruppe auf Augenhöhe zu erreichen, ohne ihr nicht-landwirtschaftliches-Fachwissen anzuprangern. Vergessen dürfen wir dabei aber nicht, dass mit diesem Aufwand auch Umsatz erzielt werden und damit die Kosten-Nutzen-Frage gestellt werden muss.

H: Im landwirtschaftlichen Bereich wird die Schere meiner Meinung nach zwischen den großen und kleinen Betrieben immer weiter auseinander gehen. Beide wird es am Markt geben, aber mit unterschiedlichen Zielen. Die großen Betriebe sind mit dem LEH auf Augenhöhe und können deren Anforderungen Folge leisten, die kleinen können wiederum nur dann überleben, wenn sie sich ihre eigenen Nischen suchen und darin richtig gut werden.

G+H: Daher freuen wir uns, auf die spannenden kommenden Jahre mit dir und Yannik. Auf die – vielleicht auch ein oder andere hitzigen – Gespräche, in welche Richtung der GeHo 2.0 sich ausrichten soll und natürlich auf die Entwicklung. Wo wird der Genholter Hof, der in den frühen 1990er Jahren mit Rettich und Radieschen angefangen hat, künftig einmal stehen?!

Lieben Dank, Mama und Papa, für das spannende Interview. Ein großes Dankeschön gilt an dieser Stelle auch euch, uns mit unseren Ideen immer ernst zu nehmen und gemeinsam stets an der Entwicklung des GeHos zu arbeiten :)
Viele Grüße vom Niederrhein,
Christina

Generationenfrage: Der Talk zur Hofübergabe

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