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Blog Julia

Mein Inflationsrechner: Am besten wirst du Landwirt - oder Veganer

Hofheldin Julia, alias Fräulein Deere, vor ihrem Kühlschrank. Sie ist froh, als Landwirtin nicht so hart  von aktuell stark steigenden Preisen
am Mittwoch, 31.08.2022 - 12:28 (1 Kommentar)

Die Inflation trifft uns alle, aber nicht gleich hart. Hofheldin Julia rechnet vor, was man als Landwirt alles spart – und warum eine vegane Ernährung bei den aktuellen Lebensmittelpreisen den Geldbeutel schonen kann.

Hallo Hofhelden!

Die steigenden Preise sind ja nicht erst seit Corona ein wichtiges Thema in der Bevölkerung. Der Krieg in der Ukraine hat neben den liebsten Hamster-Gütern der Deutschen wie Sonnenblumen- und Rapsöl, Mehl und Klopapier auch Grundlebensmittel wie Molkereiprodukte, Fleisch und Wurst sowie Brot in ungeahnte Preishöhen getrieben. Teilweise sind die Produkte über 50 Prozent teurer geworden! Das ist, wenn man ehrlich ist, schon nicht ohne.

Wir haben letztens beim Grillen daheim festgestellt, dass vom aufgetischten Essen das meiste „eigen“ erzeugt ist. Fleisch und Wurst stammen von den eigenen Tieren, der Salat mit sämtlichem Gemüse, Käse etc. stammt alles vom Hof. Allein Essig, Öl, Brot und die Gewürze haben wir zugekauft. Ein Luxus, der uns nach und nach immer bewusster wird. Bisher habe ich es als Landwirtin teilweise schon als selbstverständlich angesehen. Wenn ich die Inflationsrate unseres Warenkorbes mit dem vergleiche, wenn man alles einkaufen müsste, wird einem der Unterschied schon deutlich vor Augen geführt:

Einkaufskorb von Landwirtin Julia: Inflation von 13,9 Prozent

Landwirtin Julias Einkaufskorb, eingegeben in den Inflationsrecher des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

In meinem Landwirtinnen-Einkaufskorb landen üblicherweise (nicht alles jede Woche, aber das hier ist ein guter Durchschnitt):

  • Toastbrot
  • Brötchen
  • Sonnenblumenöl
  • Olivenöl
  • Champignons
  • Wassermelone
  • Mehl
  • Zucker
  • Nudeln
  • Schokolade
  • Gewürze
  • Cola

Über alle diese Produkte hinweg betrifft mich als Landwirtin die Inflation mit 13,9 Prozent. Autsch!

Einkaufskorb eines Verbrauchers: Inflation von 17,4 Prozent

Fiktiver Einkaufskorb eines Verbrauchers (ohne Obst/Gemüse), eingegeben in den Inflationsrecher des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Diese „günstige“ Inflationsrate kann ich aber nur erreichen, weil wir als Landwirte kein Fleisch und keine Wurst einkaufen, sondern diese Produkte eben selber erzeugen, ebenso wie Milch und Milcherzeugnisse (Käse, Milch, Butter …). Wer diese veredelten Produkte kaufen muss, darf ganz schön tief in die Tasche greifen inzwischen.

Wenn ich keine Landwirtin wäre und die Produkte selber produzieren würde, müsste ich noch folgendes in den Einkaufswagen legen:

  • Vollmilch
  • Butter
  • Wurstaufschnitt
  • Rinderhack
  • Bratwurst

Und zack, schon bin ich bei einer Inflationsrate von 17,4 Prozent. Autsch hoch 2!

Fleisch und Milch sind stärker gestiegen als Obst und Gemüse

Allein wenn man auf tierische Produkte verzichtet und sich von viel Obst und Gemüse ernährt, kann man die Teuerungsrate ähnlich zu meinem Warenkorb halten. Denn die haben (kann jeder nachrechnen auf dieser Internetseite vom Redaktionsnetzwerk Deutschland) wenige stark im Preis angezogen als Milchprodukte oder Fleischerzeugnisse.

Jetzt kann man sich natürlich berechtigt fragen, warum nicht nur Lebensmittel teurer werden, sondern wirklich am Krieg in der Ukraine liegt. Nicht alle steigenden Preise sind mit höheren Herstellungskosten zu erklären.

Nicht vergessen werden darf, dass vor allem mit Erdöl/Gas, aber auch mit Nahrungsmitteln an der Börse spekuliert werden. Die Lebensmittelpreise werden voraussichtlich so schnell nicht sinken, eher noch steigen.

Im Hintergrund dessen stelle ich mir die überspitzte Frage: Landwirt bleiben oder Veganer werden. Die Frage lässt sich leicht beantworten, oder? ;-)

Bleibt froh und bleibt Landwirt,

eure Julia

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