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Blog Mara

„Das Insektenschutzgesetz wäre für uns das Ende des Weinbaus“

Winzerin Mara Walz im Home Office
am Mittwoch, 10.02.2021 - 08:05 (Jetzt kommentieren)

Wird das Insektenschutzgesetz des Bundesumweltministeriums so umgesetzt wie geplant, dann würde das für Mara und das Weingut Walz das Ende des Weinbaus mit den aktuellen Rebsorten bedeuten. Im Beitrag erklärt sie, warum, und welche Pläne sie in Sachen Insektenschutz hat.

Liebe Hofhelden,

ganz spontan tippe ich Euch hier diese Zeilen. Seit ein paar Tagen koch ein Thema hoch, welches doch schon einige Zeit brisant ist: Das Insektenschutzgesetz. Es ist aktuell fast verwirrend, was das Bundesumweltministerium (BMU) unter Frau Schulze möchte und das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) unter Frau Klöckner. Im BMEL geht es um die „Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung“, im BMU um das Insektenschutzgesetz.

Gerade das BMU bringt viele, viele LandwirtInnen und WinzerInnen auf die Straße, bis nach Berlin. Wenn man das im Detail liest, findet man dort unter anderem die Forderung, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in FFH-Gebieten (Fauna-Flora-Habitatrichtlinie-Gebiete) verboten wird.
Was das für unser Weingut heißen würde? Das Ende des Weinbaus mit den aktuellen Rebsorten.

Insektenschutz: Video-Kampagne vom Landesbauernverband BW

Wir haben aktuell auf 97 % unserer Fläche Rebsorten, die acht bis zehn Pflanzenschutzanwendungen im Jahr brauchen. Nur 3 % der Rebflächen haben wir aktuell mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, den Piwis, bepflanzt. Was es damit auf sich hat, erläutere ich Euch mal in einem anderen Artikel.

Genau so klar, wie ich es Euch hier schreibe, drücke ich es aktuell auch in Videos und Posts aus. Das Thema hat seit rund einer Woche richtig Fahrt aufgenommen. So bin ich froh, dass bei uns in Baden-Württemberg der Landesbauernverband zu einer Video-Kampagne aufgerufen hat. Für die Kampagne schildern Landwirte ihre persönliche Betroffenheit und das kommt richtig gut an:

Trotz Corona Sendezeit für Agrar-Themen

Ich hoffe, dass diese Videos auch raus aus unserer „Agrar-Blase“ in den Sozialen Medien kommen und wir die Verbraucherinnen und Verbraucher in unseren Regionen erreichen. Da macht es Corona leider gerade echt schwer, bei TV und Radio hierfür Sendeplatz zu bekommen.

Heute Früh (Mittwoch, 10.2. um 7 Uhr) war ich zu dem Thema auch Interviewgast bei Deutschlandfunk Kultur. Den Beitrag könnt Ihr hier hören.

Gerade im Vorgespräch mit der Redakteurin aus Berlin zeigte sich, dass wir hier noch viel mehr kommunizieren müssen. Wir LandwirtInnen arbeiten täglich mit der Natur, der Klimawandel bringt tägliche Änderungen unseres Arbeitens mit sich und so sind wir Anpassung gewohnt. Wichtig ist aber, dass die Forderung von VerbraucherInnen auch von ihnen an der Kasse umgesetzt werden. Der Spruch „Jeder Kassenzettel ist ein Stimmzettel“ ist so wahr wie selten – doch wie kommen wir hier an die VerbraucherInnen ran?

Ich bin aktuell echt dankbar, dass ich schon lang so ein Faible für die sozialen Medien habe. Kostet es doch viel Zeit, ist es ein einfacher, relativ kostengünstiger Weg, um viele Menschen zu erreichen. Ich habe aber gemerkt, dass wir noch viel mehr kommunizieren müssen, was wir schon alles für Umwelt- und Insektenschutz tun. So ist der Integrierte Pflanzenschutz bei uns seit Jahrzehnten gelebte Praxis, der Pflanzenschutz beginnt schon bei der Neuanlage eines Weinberges und beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gilt seit jeher „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“.

Der Entschluss, aktiv noch viel mehr für den Insektenschutz zu tun, reift schon seit einem Jahr in meinem Kopf. Doch jetzt ist es Zeit! Wer von Euch ist dabei, wenn wir auf unseren Betrieben und Flächen gute Projekte für die Insekten und eine Öffentlichkeitsarbeit umsetzen? Ich träume aktuell von einem Lebensturm, wie sie schon an der Mosel gebaut werden und das ist nur der erste Schritt.

Wie seid ihr vom Insektenschutzgesetz des BMU betroffen?

Aktuell sind wir super in der Zeit mit dem Rebschnitt im Weinberg, da passt es super rein, solch einen Turm zu bauen. Was habt Ihr noch für Ideen? Was macht Ihr schon für Projekte? Aber auch, wie seid Ihr vom Insektenschutzgesetz des BMU betroffen?

Ich bin sehr, sehr gespannt, was hier entschieden wird. Die Informationslage ändert sich stündlich und so beende ich meinen Text hier (geschrieben am 9.2. um 19.30 Uhr) – wir bleiben in Kontakt!

Viele Grüße,

Mara

Blicke hier mit Mara hinter die Kulissen der Deutschen Landjugend und ihres Weinguts! 

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