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Junglandwirt Leo: Krasse Hitze und Trockenheit gefährden unsere Ernte

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am Dienstag, 19.07.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Es ist heiß und trocken, viel zu trocken. Hofheld Leo Rösel sieht zu, wie sein Mais immer trockener wird und sein Getreide in die Notreife geht. Er sagt: Wir Landwirte müssen uns an das Wetter anpassen - andersrum wird es nicht funktionieren. Für ihn ist vor allem Humus der Schlüssel zu mehr Bodenfruchtbarkeit.

Hallo liebe Hofhelden,

ihr kennt das sicherlich. Die Landwirte und das Wetter, irgendwas ist immer, zu nass, zu trocken, egal. Aber warum beschäftigen sich Landwirte so sehr mit dem Wetter? Ich möchte euch heute von den Wetterkapriolen aus meiner Ackerbausaison erzählen. Und warum uns Bauern die aktuelle Hitzewelle so Sorgen bereitet.

Landwirte leben mit der Natur und den Jahreszeiten

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In unseren Breiten haben wir vier Jahreszeiten, in diversen Agrarregionen der Welt ist das nicht so und die Bedingungen für Ackerbau und Viehzucht sind anders. Wir haben meist nur diese eine Ernte pro Feld und Jahr. Wir säen im Herbst aus, hoffen, dass die Pflanzen gut durch den Winter kommen und im Frühling so wachsen, dass sie im Sommer eine reiche Ernte bringen. Und damit sie das tun, sind wir eben stark vom Wetter abhängig. Wir müssen Entscheidungen treffen, bevor wir die Auswirkungen kennen, das ist eine große Herausforderung und erfordert viel Fachwissen und auch Fingerspitzengefühl. Denn am Ende entscheidet oft das Wetter über Erfolg oder Misserfolg im Ackerbau!

Vom Nachtfrost im März zur Hitzewelle im Juni

Ohne gleich meckern zu wollen: Aber wir hatten (wieder mal) eine, wettertechnisch, anspruchsvolle Saison im Frühjahr. Angefangen relativ „normal“ im Februar und Anfang März mit frühlingshaften Wetter, wurde es Ende März zum ersten Mal trocken, zusätzlich gab es starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, auch mit längeren Perioden von Nachtfrösten, die sowohl die Vegetation als auch meine Feldarbeit ausgebremst haben. Mit viel Niederschlag ging es dann in den April, wo die Natur wieder einiges aufholen konnte. Der Mai war relativ normal, sodass der Mais gute Startbedingungen hatte und auch viel Klee und Gras heranwachsen konnten. Aber Ende Mai war dann plötzlich Schluss mit Regen, die erste Hitzewelle kam im Juni und es wurde trocken, sehr trocken!

Wie als Landwirt mit der Trockenheit umgehen?

Ja und dann steht man da, auf dem vertrockneten Acker und sieht zu wie die Pflanzenmasse jeden Tag weniger wird, die Risse im Boden immer größer und wie die Natur leidet. Eigentlich hat man alles gemacht, dass die Pflanzen gut wachsen können, aber so ganz ohne Regen wächst irgendwann nichts mehr.

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Aktuell sieht es bei uns so aus, dass die Trockenheit im Juni das Getreide viel zu früh hat Abreifen lassen, es ging in die Notreife und es wird kleine Körner und schlechte Qualitäten geben. Der Mais hat sein Längenwachstum eingestellt und rollt seine Blätter ein, hier sind keine Höchsterträge zu erwarten. Das Grünland hat ganz aufgehört zu wachsen und ist nicht mal mehr grün. Kein schöner Anblick. Auch die Gefahr von Waldbrand und Feldbränden ist aktuell sehr hoch, was die anstehende Ernte sehr gefährlich macht.

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Es ist wirklich ein blödes Gefühl, wenn man so machtlos am Feld steht und nichts machen kann. Gar nichts? Doch, man muss sich dann eben zusammenreißen und seine Schlüsse ziehen, wie man zukünftig noch besser mit solchen Wetterextremen umgehen kann. Habe ich mich in der Vergangenheit bei meinen Anbauverfahren meist auf den Erosionsschutz konzentriert, so will ich den Fokus jetzt auch noch mehr auf die Trockenheit legen.

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Und wieder einmal mehr liegt der Schlüssel dazu in der Bodenfruchtbarkeit, denn Humus kann Wasser speichern wie ein Schwamm, das sollte uns in Zukunft in Trockenperioden mehr Spielraum verschaffen.

Mein Fazit: ich bereite mich auf Wetterextreme vor

Ja! Das Wetter passt nie. Und meine Vermutung ist, das zeigen auch Prognosen, dass die Wetterextreme weiter zunehmen werden, egal ob Kahlfröste im Winter, Trockenheit im Sommer oder das ein oder andere Unwetter mit Sturm und Hagel. Wir werden davon nicht verschont bleiben. Deshalb müssen wir uns dem Wetter anpassen, andersrum wird es nicht funktionieren. Ein „Weiter so“ wird es meine Meinung nach nicht geben. Und je früher wir damit anfangen uns anzupassen, desto schneller werden wir damit Erfolg haben. Aber man muss und das auch machen lassen.

Bis Bald, da kann ich euch dann hoffentlich von der Ernte berichten.

Euer Leo

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