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Blog Basti B.

Katastrophenalarm: Basti kämpft gegen das Hochwasser

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am Donnerstag, 29.07.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Basti Bützler war mittendrin, als im Kreis Euskirchen der Katastrophenalarm ausgerufen wurde. Er zeigt in seiner Bildergeschichte, wie er die Tage erlebt hat.

Hallo Zusammen,

wie ihr bestimmt mitbekommen habt, wurden wir letzte Woche von einem schlimmen Hochwasser überrascht. Alles fing am Mittwoch an. Da sich schon abgezeichnet hat, dass es mehr regnen wird, habe ich den Trecker mit Güllefass schon parat gestellt, um abzusaugen.

bach

Nachmittags sind wir dann zu meinen Schwiegereltern gefahren. Deren Betrieb liegt in einer Senke und ist somit anfällig für Hochwasser. Wir haben schonmal vorsorglich angefangen, Sachen hochzuräumen und in Sicherheit zu bringen. Denn vom Hochwasser 2007 wussten wir schon: wenn das Wasser kommt, kannst du nichts mehr machen.

Radlader und Bagger stehen an überschwemmtem Bach

Irgendwann habe ich dann den Bachdamm aufgemacht, damit das Wasser vom Haus weglaufen kann. Als es noch mehr wurde, haben wir angefangen, den Bach mit dem Bagger etwas tiefer zu machen, damit das Wasser besser abfließen kann.

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Dann fing mein Telefon an, ständig zu klingeln – über 100 Anrufe innerhalb von drei Stunden. Die Leute brauchten Sandsäcke und ich hatte noch welche übrig. Mein Vetter und ich haben dann insgesamt ca. 2000 Stück in den beiden Nachbarorten verteilt. Wir haben sogar noch ein bisschen Silo abgedeckt und die Säcke von da noch mitgenommen.

Traktor fährt durch Hochwasser

Aber als wir dann fertig waren mit dem Verteilen, was das Wasser schon zu hoch. Alles, was wir dann noch machen konnten, war mit dem Frontlader zu helfen, Leute aus ihren Häusern rauszuholen. Währenddessen stieg das Wasser immer weiter an. Gegen 22.30 Uhr bin ich nochmal zu den Schwiegereltern gefahren, um zu sehen, ob die noch Hilfe brauchen. Und dann ging der Katastrophenalarm los – das war schon ein Gänsehautmoment, die Sirene zu hören. Irgendwann war das Wasser dann so hoch, dass man gar nicht mehr auf den Straßen fahren konnte.

Gegen 0 Uhr hat es kurz etwas aufgehört zu regnen und das Wasser wurde ein bisschen weniger. Da sind wir mit den Schleppern die Straßen abgefahren, auf denen wir durchkamen, und haben Autos kontrolliert, ob da noch Leute drinsitzen. Zum Glück haben wir da niemanden mehr gefunden.

kaputte-strasse

Nach ein paar Stunden Schlaf bin ich dann Donnerstagmorgens gleich wieder rumgefahren und habe mir einen Überblick verschafft: Wo kann man fahren und wo nicht? Wo wird sofort Hilfe benötigt?

radlader-abschmieren

Zuerst habe ich nach den Schwiegereltern geschaut und dann habe ich Trecker und Radlader komplett abgeschmiert, Öl gewechselt und so weiter, damit die wieder fit sind für den Einsatz. Die Kisten haben ja schon gut im Wasser gearbeitet. Danach galt es erstmal, die Straßen freizuräumen, damit man sich überhaupt wieder bewegen konnte.

aufrauemen-mit-strassenbaumeisterei

Am Freitag konnten wir anfangen, ein bisschen mehr aufzuräumen. Wir haben zum Beispiel der Straßenmeisterei geholfen, die Hauptstraße wieder befahrbar zu machen. Außerdem habe ich einen Trecker mit dem Güllefass voll Wasser parat gestellt, damit die Feuerwehr im Ernstfall löschen kann – ihr eigenes Gerätehaus war völlig überspült und es gab weder Strom noch Wasser im Ort. Und so haben wir den ganzen Tag rumhantiert und geholfen, wo wir konnten.

beladen

Samstags gings dann richtig los mit aufräumen. Im Nachbarort hatten die Bewohner ihre Häuser ausgeräumt und ich habe dann mit dem Frontlader geholfen, Anhänger, LKW usw. zu beladen, damit die Leute ihr Zeug wegfahren konnten. Der Müll wurde erstmal auf einen großen Parkplatz gebracht.

Eine vom Hochwasser zerstörte Strasse

Danach sind wir nach Bad Münstereifel gefahren. Da war auch das Feuerwehrgerätehaus überspült und wir haben erstmal den Parkplatz der Feuerwehr geräumt, damit die ihre Geräte da hinstellen können. Dann sind wir Richtung Bahnhof gefahren und haben unterwegs noch etwas aufgeräumt, damit die Feuerwehr auch rauskommt aus der Stadt, wenn sie muss.

weggespueltes-haus

Dabei sind wir an einer Stelle vorbeigefahren, wo ein ganzes Haus weggespült worden ist. Das war schon erschreckend, die Kraft des Wassers so zu sehen.

dreckige-spuelmaschine

Am Sonntag hieß es dann Müll, Müll, Müll, Müll, Müll. Wir haben unter anderem Autos abtransportiert und der Müllhaufen auf dem Parkplatz ist rasant angewachsen. Mein neuer Radlader sah aus wie Schwein, aber es half ja nichts …

autos-aufraeumen

Zum Montag gibt’s nicht viel zu sagen. Ich habe mit dem Radlader weiter aufgeräumt und Leuten geholfen, ihre Autos aufzuräumen. Mein Vater ist vier Orte weitergefahren, wo die Lage noch schlimmer war. Und so haben wir uns regional aufgeteilt.

muellberg

Dienstags war ich dann nochmal beim Müll aufschieben, habe sortiert und hantiert und am Nachmittag habe ich dann mit dem Silo angefangen. Das war auch dringend nötig. Das Gras wurde schon hoch und es war wieder regen gemeldet.

silieren

Also ging’s vom Aufräumen direkt nahtlos ins Silo. So hatte ich erstmal Hochwasserpause, was auch echt gut tat. Und ich hatte meine Kinder wieder um mich rum, die habe ich die Tage davor eigentlich gar nicht gesehen.

Eine Wiese, auf der das Hochwasser Dreck gespült hat.

Alles in allem bin ich froh, dass wir selbst ganz gut weggekommen sind. Einige meiner Wiesen sind überspült, da muss man den Matsch wegräumen. Andere werden wir dieses Jahr gar nicht ernten, weil da wahrscheinlich auch Heizöl drübergelaufen ist. Die Äcker, auf denen das Wasser stand, sind dagegen platt. Ich selbst habe ja nur Mais, der steht zum Glück noch, weil er schon groß genug ist.

getreidefeld

Auf der Hofstelle mussten wir den Keller ein bisschen auspumpen, ansonsten war soweit alles ok. Wir selbst hatten also echt Glück im Unglück, immerhin hatte es in 16 Stunden 170 l geregnet. Das wünsche ich echt niemandem …

Bis bald,

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