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Blog Mara

Leben und arbeiten im Familienbetrieb: meine Erfahrung mit der GbR

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am Montag, 21.03.2022 - 09:15 (Jetzt kommentieren)

Hofheldin Mara und ihre Eltern haben vor 1,5 Jahren eine GbR gegründet. Seitdem übernimmt Mara immer mehr Arbeitsbereiche auf dem Weingut der Familie. Warum sie diese Form der Hofübergabe super findet und wie sehr die Bürokratie einen in den Wahnsinn treiben kann, erzählt die junge Winzerin in ihrem neuesten Blog.

Liebe Hofhelden!

Vielen Dank euch allen für das Feedback zum letzten Artikel. Spannend zu sehen, wie eure Erfahrungen bei der GbR-Vertragserstellung waren.

Die Gründung unserer GbR liegt bei uns ja schon über 1,5 Jahre zurück. Zeit, das Ganze ein bisschen Revue passieren zu lassen. Nachdem die Umfirmierung zur GbR unterschrieben war, ging es daran, die Geschäftspartner zu informieren. Klar, dass ab dem 1.7.2020 dann die Rechnungen auch an die GbR geschrieben werden mussten. Ich dachte mir eigentlich, das ist eine Standardmail an unsere Lieferanten und dann ist gut. Pustekuchen! Es war unglaublich, wie viele „Stammdaten-Formulare“ wir ausfüllen mussten. Ich bin natürlich auch so korrekt und mache das alles… Das war schon sehr nervig, da man viel davon dann auch noch ganz analog per Post zurückschicken musste.

GbR-Gründung bedeutet Papierkrieg

Weiterhin kamen dann auch ganz viele Briefe der SVLFG. War ich bis zum 30.6. noch bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, bin ich als selbstständige Landwirtin pflichtversichert bei der Landwirtschaftlichen Krankenkasse (LKK). Das bedeutete: viele Fragebögen, Informationen zur Beitragsberechnung etc. Hier bin ich wieder sehr, sehr dankbar über unser Steuerberatungsbüro, das die ganzen Unterlagen für uns geprüft hat!

Im Rückblick würde ich sagen, dass so nach sechs Monaten sich alles langsam eingespielt hatte im Büro. Auch wenn ich bei sowas korrekt bin, wurden die ganzen Fragebögen ja auch nicht mit höchster Priorität behandelt ;- )

Neben der ganze Bürokratie gibt’s ja auch noch die unternehmerische Ebene. Dazu habe ich mal meinen Papa befragt, wie er sich nach über 1,5 Jahren in der GbR mit seiner ältesten Tochter fühlt. „Ich fühle mich alt“, war sein erster Satz. Arg viel mehr war dann auch nicht von ihm zu erfahren, einfach kein Mann der großen Worte :- )

Die Vorteile der Corona-Pandemie: viel Zeit, sich einzuarbeiten

Für mich ist die Gründungszeit der GbR unweigerlich auch mit Corona verbunden. Ich war fast die ganze Zeit nur auf dem Weingut, vom Schreibtisch aus mit den ehrenamtlichen Terminen verbunden, aber ohne die ganze Reise-Zeit. So passt es gut zueinander, dass mein Verantwortungsgefühl für das Weingut enorm gewachsen ist und ich bei fast allen Prozessen eingebunden bin. Wenn man jetzt mal ein paar Tage weg ist, merkt man schon, wie die Betriebsbesprechung beim Mittagessen fehlt. Ich habe für mich selbst sicher mehr Gelassenheit gewonnen, sowohl beruflich als auch privat. Man kann ja tun was man will, die Natur macht auch, was sie will. Ich sehe, wir sind eigentlich sehr gute Partner!

Betriebsübergabe ohne Druck

Ich bin im Rückblick (wenn man das jetzt schon so sagen kann) sehr dankbar, dass wir die Umfirmierung ganz locker gehandhabt haben. So gab es keinerlei Druck, dass ich ab dem 1.7.2020 bestimmte Dinge jetzt machen MUSS, sondern ich habe jederzeit meine Eltern als Ratgeber und Geschäftspartner an meiner Seite. Klar gibt es Punkte im Betrieb, bei denen ich ohne meine Eltern immer noch heillos verloren wäre (u.a. Buchhaltung, Haustechnik, Pflanzenschutz). Ich habe mich aber davon verabschiedet, dass ich alles können muss. Eine Person kann nicht zwei Personen ersetzen und ich denke, dass es nicht gesund wäre, das auch nur zu versuchen. Jeden Tag dazulernen und Verständnis für das Handeln der anderen Personen aufbringen, das geht immer.

Seit Anfang des Jahres ist es bei uns in der GbR nochmal richtig spannend geworden und bleibt es auch noch eine ganze Zeit lang. Was da los ist? Gibt’s beim nächsten Mal 😊

Viele Grüße,

eure Mara

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