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Blog Leo

Leos Experimente rund ums Samenkorn

Leo Rösel
am Freitag, 07.05.2021 - 08:14 (Jetzt kommentieren)

Beize, Elektronen und mehr: Leo zeigt, was man rund um die Saatgutbehandlung alles ausprobieren kann.

Liebe Hofhelden,

in diesem Beitrag wird’s ackerbaulich! Ich möchte euch meine Versuche und Experimente rund um die Saatgutbehandlung vorstellen.

Jeder Landwirt kennt sie, die klassischen roten Körner zur Aussaat. Die chemische Beize bietet dem Samenkorn Schutz vor Pilzkrankheiten und sogenannten bodenbürtigen Krankheiten. Eine Beizung ist vorbeugender Pflanzenschutz und bietet so gewisse Sicherheiten, dass die Keimlinge und jungen Pflanzen einen guten Start ins Wachstum haben. Bei Wintergetreide bekommt man zusätzlich einen Schutz gegen das Auswintern.

Bei meinen Recherchen rund um die Saatgutbehandlung bin ich auf verschiedene andere Methoden gestoßen. Einige davon habe ich ausprobiert und kann euch heute davon berichten.

Elektronenbehandlung

Aufbereitung von Beize

Durch einen befreundeten Landwirt bin ich auf ein Verfahren gestoßen, welches chemische Beize durch eine Elektronenbehandlung ersetzt. ( E Pura ® Verfahren)

Ganz vereinfacht gesagt, wird das Saatgut mit Elektronen beschossen und so die eventuell vorhandenen Pilzsporen von der Samenhaut entfernt. Es kommt nur Energie und keine Chemie zum Einsatz. Es wird auch nur die Haut der Körner behandelt, der Embryo und der Mehlkörper bleiben unberührt.

Das Verfahren kann man (noch) nicht selbst durchführen, da die Technik dazu für einen einzelnen Landwirt zu teuer ist. Ich habe mir zur Aussaat im Herbst Weizen- und Triticalesaatgut vom Landhändler liefern lassen, welches elektronenbehandet war.

Saatgut

Optisch sieht man keinen Unterschied zum sehr gut gereinigten unbehandelten Saatgut. Beim Anfassen spürt man aber, dass die Körner ganz glatt sind. Das muss beim Abdrehen der Sämaschine unbedingt bedacht werden, da dass Fließverhalten der Körner anders ist.

Meine Erfahrungen während des Jahres waren durchwegs positiv, die Saat ist schnell aufgelaufen und während des Jahres konnte ich keine Nachteile gegenüber dem chemisch gebeizten Saatgut feststellen. Beim Ertrag waren beide Varianten gleich auf, allerdings habe ich keine detaillierte Ertragserfassung gemacht.

 

Nährstoffbeize

Bei meinen Recherchen im Internet bin ich auch auf verschiedene Nährstoffbeizen gestoßen. Die Nährstoffe in der Beize sollen ein besseres Wurzelwachstum fördern.

Durch mehr und „bessere“ Wurzeln ergeben sich für die Pflanzen viele Vorteile:

  • Bessere Nährstoff- und Wasseraufnahme
  • Mehr Widerstandsfähigkeit und erhöhte Vitalität
  • Förderung der Interaktion zwischen Pflanze und Boden

Und ich muss sagen, die Hersteller der Produkte zeigen ja immer großartige Bilder in den Prospekten und auf der Homepage. Aber mein Interesse war geweckt und ich habe im Herbst 2019 die ersten Versuche mit zwei verschiedenen Präparaten gemacht.

Roggen und Begleitsaat sind aufgelaufen im Herbst 2020.

Und der Aha! Effekt trat dann im Frühjahr 2020 tatsächlich ein. Ich hatte ähnliche Unterschiede beim Wurzelwachstum wie im Flyer versprochen!

EM´s und Urgesteinsmehl

Vergleich: Roggen ohne Nährstoffbeize links, rechts mit Nährstoffbeize.

Im Herbst 2020 wollte ich noch weiter gehen, durch unterschiedliche Recherchen und dem Austausch mit Kollegen habe ich die Empfehlung bekommen mein Getreide zusätzlich mit EMs (Effektive Mikroorganismen) und Urgesteinsmehl zu behandeln. Die Mikroorganismen unterstützen das positive Bodenmilieu und das Urgesteinsmehl dient der Bodenverbesserung direkt um das Saatkorn herum. Auch hier sind die Ziele, dass Boden und Pflanze gut miteinander „kommunizieren“. So bekommt man vitale und gesunde Pflanzen, denen Pilze und Krankheiten weniger anhaben können.

Fazit

Roggen mit vitalen Wurzeln im Frühjahr 2021.

Zum Schluss noch einen Satz zur Handhabung der getesteten Möglichkeiten. Nährstoffbeize und EMs lassen sich super einfach verarbeiten und ans Saatgut bringen. Das Urgesteinsmehl ist sehr fein vermahlen und staubt sehr stark, auch verändert es das Fließverhalten des Saatguts und man muss bei der Saat gut aufpassen damit die exakte Menge gesät wird. Gleiches gilt umgekehrt auch für das elektronenbehandelte Saatgut, dass sehr glatt ist und mehr aus der Maschine kommt.

Feld mit Beizversuchen

Für mich ist der Weg, die Pflanzen natürlich zu stärken und auf Chemie zu verzichten, ein erfolgreicher. Besonders die Ergebnisse der Nährstoffbeize gefallen mir sehr gut.

Man muss aber auch sagen, dass nicht jede Maßnahme zu jedem Betriebskonzept passt, jeder muss für sich seinen Weg finden. Eines ist jedoch klar, die chemischen Handwerkszeuge werden weniger und es müssen alternativen her, um weiterhin hochwertige und sichere Nahrungsmittel bereitstellen zu können.

Welche Sachen ich sonst noch so ausprobiere, um gesunde Pflanzen am Feld zu haben, das erzähle ich euch in einem der nächsten Beiträge.

Bis Bald! Euer Leo

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