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Blog Karina

Lohnt sich Portionsweidehaltung? Vor- und Nachteile aus Praktikersicht

Schon ganz schön frisch am Morgen: Hofheldin Karina auf ener ihrer Weiden in der Steiermark.
am Freitag, 02.09.2022 - 12:05 (Jetzt kommentieren)

Hofheldin Karina hält ihre Kühe auf einer Portionsweide. Warum das viel Arbeit macht und trotzdem für sie die beste Haltungsform ist, erklärt die junge Bergbäuerin in ihrem neuesten Blog.

Hallo liebe Hofhelden!

Bei uns bedeutet die Sommerzeit Weidezeit. Und bekanntlich ist Weide nicht gleich Weide. Welche Strategie ein Betrieb anwendet, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Auf unserem Betrieb setzen wir auf die - hierzulande weit verbreitete - Portionsweide. Charakteristisch für die Portionsweidehaltung ist die Unterteilung der Fläche in viele kleine Portionen. Das bedeutet, dass die Kühe fast jeden Tag eine neue Weidefläche zur Verfügung haben. Das ist allerdings mit einem vergleichsweise großen Aufwand für unseren Betrieb verbunden. Das ist auch einer der größten Nachteile dieser Weideform.

Nachteile der Portionsweidehaltung: viel Arbeit für den Landwirt

Karinas wichtigster Mitarbeiter bei der Portionweidehalter: der Zaunpfahl.

Denn jeden Tag muss eine neue Fläche ausgezäunt werden und der Weidezaun muss auch laufend versetzt werden. Dafür muss man auch genügend Draht, Stecken und natürlich eine ausreichend starke Stromquelle parat haben, die sich leicht versetzen lässt. Und natürlich darf man nicht vergessen, sich um die Wasserversorgung der Herde Gedanken zu machen. Da die Tiere auch jeden Tag eine neue Fläche abgrasen können, sind sie unruhiger als bei anderen Weideformen. Auch das Blährisiko ist erhöht, weil die Tiere bei einer neuen Weide gerne mal so viel Futter wie nur möglich schnell runterschlingen.

Vorteile der Portionsweidehaltung: flexibles Weidemanagement

Bei der Portionsweidehaltung wird die Weide Stück für Stück vorgesteckt und abgeweidet. Auf dem Bild sieht man, bis wohin das Gras abgefressen wurde.

Dennoch sprechen die Vorteile für sich: Bei der Portionsweidehaltung ist man in der Gestaltung der Weide relativ flexibel. So können wir gut steuern, wann unsere Herde wo weidet. Beispielsweise können wir Steilflächen und Nassflächen gezielt an trockenen Tagen bestoßen, wodurch Trittschäden möglichst minimiert werden können. Außerdem können wir gut kontrollieren, wie sauber eine Fläche abgefressen werden muss, indem man die Größe der neuen Fläche anpasst und mal mehr oder weniger dazunimmt.

Auch in Kombination mit einer Mähnutzung ist die Portionsweide flexibel. Wird der Aufwuchs zu hoch zum Beweiden, mäht man einfach die restliche Fläche und beginnt bei einer neuen. Bei gutem Management kann die Portionsweide gleichbleibende und hohe Futterqualitäten liefern, was uns unsere Damen im Sommer mit einer gesteigerten Milchleistung danken.

Wichtig ist eine gute Weidepflege

Um nicht nur gute Futterqualitäten zu erreichen, sondern zusätzlich Trittverluste zu minimieren, beweiden wir die Wiesen schon ab Aufwuchshöhen von rund 10 cm (beim ersten Schnitt sinds mehr). Wird das Gras zu lang, wird die Fläche gemäht. Außerdem lassen wir nach Möglichkeit die Kühe nur einige Tage auf der gleichen Fläche, damit die Weide sich erholen kann und die Rinder nicht die schmackhaften jungen Triebe statt des älteren Aufwuchses fressen. Dadurch wird auch die Bildung von Triebwegen verhindert. Um die Weide zu pflegen, wird bei Bedarf der restliche Aufwuchs gemulcht oder nachgemäht.

Fazit: Portionsweidehaltung lohnt sich für uns

Sind die Kühe glücklich, ist die Bäuerin glücklich: Karinas Kühe grasen friedlich auf ihrer Portionsweide.

In unserem Fall überwiegen die Vorteile die Nachteile. Die Portionsweide passt gut zu unserem Betrieb, wobei wir vor allem die Flexibilität sehr schätzen. Auch unsere Rinder nehmen die Weide sehr gut an und würden wahrscheinlich am liebsten 24 Stunden pro Tag draußen mit Grasen, Wiederkäuen und Faulenzen verbringen :-) Jeder Betrieb muss für sich eine individuelle Strategie finden. Das Wichtigste ist, dass am Ende Mensch und Tier zufrieden sind.

Einen schönen restlichen (Weide-)Sommer wünscht euch

Karina

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