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Blog Fräulein Deere

Milchleistungsprüfung: Warum wiegen Landwirte ihre Milch (nicht)?

Fräulein Deere steht beim Milchwiegen in ihrem Melkstand.
am Dienstag, 18.01.2022 - 10:18 (Jetzt kommentieren)

Junglandwirtin Fräulein Deere nimmt regelmäßig am Milchwiegen teil. Warum sie die Milch ihres Betriebs regelmäßig prüfen lässt und warum andere LandwirtInnen die Milchleistungsprüfung teilweise überflüssig finden, das fasst sie in ihrem Blog zusammen.

Hallo meine Lieben,

es gibt in Deutschland circa 55.800 milchviehaltende Betriebe. Das ist umgerechnet jeder fünfte landwirtschaftliche Betrieb. Somit ist den meisten Landwirten das Milchwiegen ein Begriff, sprich die monatliche Milchprüfung.

Die Prüfdichte der Kühe liegt bei etwa 83 Prozent. Auch unsere Kühe gehören dazu. Wie so eine Milchprüfung bei uns aussieht, will ich euch heute erklären.

Wie wiegen wir Milch?

Da wir beim LKV Bayern sind, prüfen wir die Milch unserer Kühe mit dem Lactocorder. Das ist ein elektronisches Milchflussmessgerät, dass direkt im Melkstand angeschlossen wird.
Das „Miliwiegen“ - wie wir es nennen - wird mindestens 11 Mal im Jahr durchgeführt, also circa einmal im Monat. Pro Prüfung wird meist zweimal getestet:
  • Einmal abends und dann am Folgetag beim morgendlichen Melken.
  • Bei beiden Melkzeiten werden Milchmenge und Milchfluss gemessen.
  • Einmal werden Milchinhaltsstoffe wie Fett-, Eiweiß-, Harnstoff-, Zell- und Laktosegehalt getestet
  • Zusätzlich wird eine bestimmte Milchmenge jeder Kuh im Probefläschenlabor in Wolnzach untersucht.

Warum wiegen wir Milch? (Bild Lactocorder)

lactocorder-beim-milchwiegen

Die Milchprüfung hat für uns als landwirtschaftlicher Betrieb einige Vorteile. So erhalten wir einen schnelleren Überblick über:

  • ... die Energie- und Eiweißversorgung,
  • ... das Stoffwechselrisiko,
  • ... die Eutergesundheit,
  • ... die Leistungsentwicklung
  • ... und die Melkbarkeit.
Zudem können wir aufgrund der Messungen die Fütterung sowie die Melkroutine und die Melktechnik anpassen. Und wovon ich besonders begeistert bin, ist die individuelle Zuchtwertschätzung und die gezielte Anpaarung.

Warum führen andere Landwirte die Milchprüfung durch?

Ich habe in meiner Instagram-Story nachgefragt, ob andere Landwirtinnen und Landwirte an der Milchprüfung teilnehmen und was die Gründe dafür oder dagegen sind sind. Die meisten gaben an, dass ihre Betriebe an der MLP teilnehmen, um an die oben erwähnten Daten zu kommen und um dadurch gut informiert zu sein. Zwei Personen gaben an, dass auf ihren Betrieben keine Milchleistungsprüfung durchgeführt wird, da ihnen der Aufwand im Vergleich zum Nutzen zu groß ist. Hier ein paar Stimmen dazu:

Mein Bloggerkollege Basti Bützler nimmt bei der Prüfung nur teil, da er es für das Herdbuch machen muss. Er sieht sonst für sich als Roboter-Betrieb keinen Grund. Betriebe wie er bekommen die Daten bereits jeden Tag. Bis die Ergebnisse der Milchprüfung kommen, sind sie für ihn schon veraltet.

Eine gute Freundin von mir arbeitet ebenfalls mit Lely-Robotern und stimmt Basti im Grunde zu, sieht aber einen Vorteil im Milchwiegen darin, dass eine Kontrolle der Roboterdaten möglich ist und auch ein Zugreifen auf historischen Daten. So kann sie zum Beispiel Kuhfamilien oder Milchleistungen von vor einigen Jahrzehnten nachvollziehen.
Eine andere Landwirtin schreibt mir, dass sie auf ihrem Betrieb Zuchtvieh verkauft und dafür sind die Daten aus dem Milchwiegen essenziell. Des weiteren nutzt sie gerne die Herdenmanagerapp des LKV sowie die Online Programme und das Anpaarungstool „Optibull“. Wichtig ist ihr auch, dass es möglich ist, auf einem Blick online nach jedem Probemelken zu sehen, wie ihre Tiere stoffwechseltechnisch in den verschiedenen Laktationsbereichen stehen und so ein Nachjustieren beim Futter gut möglich ist.
Wie sieht das bei dir aus? Nimmst du auch am Milchwiegen teil? Warum oder warum nicht?
Bis zum nächsten Mal,
Eure Fräulein Deere

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