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Blog Karina

Nutztiere- vollgestopft mit Antibiotika?

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am Mittwoch, 29.09.2021 - 14:56 (Jetzt kommentieren)

Ein Thema ist in den sozialen Medien wieder in aller Munde: Die neue EU-Arzneimittelverordnung und damit auch die Antibiotikanutzung in der Tierhaltung. Hofheldin Karina erklärt, warum das so ist und weshalb sie als Nutztierhalterin auf keinen Fall auf Antibiotika verzichten will.

Hallo liebe Hofhelden!

Um Resistenzen gegen Antibiotika zu vermeiden, sollen einige Wirkstoffe künftig nur dem Menschen vorbehalten werden. Der vorliegende Antrag für die neue EU-Arzneimittelverordnung und damit auch die Antibiotikanutzung in der Tierhaltung sieht auch keine Ausnahmen für Einzeltiere bei schwerwiegenden Infektionen vor. Außerdem wären alle Tierarten betroffen: Nutztiere wie Kühe, Schweine und Geflügel ebenso Haustiere wie Hund, Katze und Kaninchen.

Der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) warnt vor den Folgen dieser Verordnung und betitelt sie als „tierschutzwidrig“. Es wurden eine Kampagne und eine Unterschriftenaktion initiiert, die von zahlreichen Tierärztinnen und Tierärzten unterstützt wird.

Antibiotika in der Massentierhaltung?

In den sozialen Medien gehen die Wogen hoch. „Man sollte Antibiotika in der Massentierhaltung verbieten, denn ohne Antibiotika sterben eh alle Tiere und die Massentierhaltung wäre nicht mehr profitabel.“ - „Man sollte besser das massenhafte Verfüttern von Antibiotika in der Massentierhaltung verbieten!“ So oder so ähnlich lauten derzeit viele Kommentare unter den entsprechenden Beiträgen. Aber wie sieht die Medikamentenanwendung in der Tierhaltung wirklich aus? Dass Antibiotika und Co. wie Zuckerl an unsere Tiere verfüttert werden, stimmt so natürlich nicht!

Antibiotika nur bei Krankheit

Jedes Tier kann krank werden. Auch unsere Tiere brauchen ab und zu Medikamente wie Antibiotika. Diese Medikamente werden aber nur im Anlassfall verabreicht und schon gar nicht standard-mäßig. Unser Betrieb ist Mitglied des TGD (Tiergesundheitsdienst). Nur Mitgliedsbetrieben des TGD ist eine Einbindung des Tierhalters in die Anwendung von Arzneimittel möglich. Wir dürfen unter bestimmten Auflagen, deren Einhaltung regelmäßig geprüft wird, Medikamente auch selbst geben. Dafür muss man einen entsprechenden Kurs absolviert haben, ein aktives Betreuungsverhältnis mit einem entsprechenden Tierarzt pflegen und regelmäßige Weiterbildungen absolvieren. Medikamente dürfen abgegeben werden

  • im Rahmen eines Krankheitsfalles zur Behandlung
  • zur Weiterführung der Therapie (Nachbehandlung)
  • als medizinische Vorbeugemaßnahme gegen Erkrankungen von Tieren (Prophylaxe)
  • im Rahmen eines Krankheitsfalls zur Behandlung weiterer vorher unauffälliger Tiere (Metaphylaxe)
    (Quelle: TGD Österreich, www.tgd.at)

Medikamente werden genau dokumentiert

Die Medikamentenabgaben müssen auch genau dokumentiert werden. Bekommen man ein Medikament, wird auch ein Abgabeschein ausgestellt, auf dem vermerkt werden muss, wann welche Menge eines Medikaments welchem Tier verabreicht wurde. Bei Rückgabe des Medikaments bekommt man nochmal einen entsprechenden Beleg.

Wartezeiten für Antibiotika und andere Medikamente

Um sicherzustellen, dass keine Medikamentenrückstände in tierischen Produkten zu finden sind, müssen nach Anwendung von Arzneimitteln die festgeschriebenen Wartezeiten eingehalten wer-den. Bei Biobetrieben und bestimmten Gütesiegeln verdoppelt sich die Dauer. Während der War-tezeit dürfen keine tierischen Produkte in den Handel gelangen. Dies wird auch kontrolliert. So wird beispielsweise jeder Tankwagen mit Milch auf Hemmstoffe kontrolliert. Ist dieser Test positiv, muss die gesamte Milch verworfen werden, was mit Schadenersatzzahlungen und Sanktionen für den Landwirt einhergeht. Vor Antibiotika im Essen brauchen wir bei unseren heimischen Produkten also keine Angst haben.

Wir halten unsere Tiere gesund!

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Als Tierhalter möchte man natürlich einen gesunden Tierbestand haben und unnötige Medikamentengaben vermeiden. Denn nur, wenn die Tiere gesund sind, können sie die Leistung bringen, die man sich wünscht. Und mit einem gesunden Tierbestand hat man doch auch persönlich seine Freude.

Bis zum nächsten Mal und bleibt gesund,
eure Karina.

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