Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Blog Friderike

QM-Audit: Was der Prüfer sehen will

Ein Selfie von Friderike im Büro ihres Milchviehbetriebs.
am Mittwoch, 09.03.2022 - 08:00 (Jetzt kommentieren)

Der QM-Milch e.V. prüft, ob Betriebe der Milcherzeugung gewisse Qualitätsstandards einhalten. Friderike wurde letztens kontrolliert und weiß, worauf es bei einer Prüfung ankommt.

Liebe Hofhelden,

wie ihr wisst, werden wir Landwirte von vielen verschiedenen Stellen kontrolliert; ob von der Landwirtschaftskammer, dem Veterinäramt, dem Finanzamt oder vom QM - Milch e.V. Von letzterem will ich heute näher berichten.

Der QM-Milch e.V. prüft mit seinem Qualitätsmanagement deutschlandweit, ob die Bedingungen der Milchproduktion und das Tierwohl dem angenommenen Standard entsprechen. Hierbei soll es egal sein, ob es ein Betrieb mit nur 5 Kühen ist oder einer mit 500. Der Standard, um die Milch an eine Molkerei zu liefern, soll immer gleich sein.

QM-Audit: ToDos im Vorfeld

Letztens hat sich der QM-Milch auf unserem Hof angekündigt. Der Prüfungstermin wurde mir eine Woche vorher mitgeteilt, mit Datum und Uhrzeit. Nur in dringenden Fällen darf er abgesagt oder verlegt werden.

Eine Liste mit den Unterlagen, die für eine QM-Prüfung bereit zu halten sind.

In der E-Mail bekam ich auch eine Liste mit Unterlagen, die ich vorzuhalten habe. Eine Betriebsführung war auch angekündigt. Vor zwei Jahren habe ich das Audit zum ersten Mal alleine gemacht, daher wusste ich schon, was auf mich zu kommt. Also suchte ich alle Unterlagen zusammen und bereitete mich auf den Rundgang vor.

Darauf achtet der QM-Prüfer

Die Betriebsführung soll einen Gesamteindruck des Betriebs vermitteln und aufzeigen, ob beziehungsweise dass der Betriebsleiter seinen Betrieb im Auge hat und nicht vernachlässigt. Währenddessen schaut sich der Prüfer die Kühe genau an:

 

  • Wie sehen die Kühe aus?
  • Wie verhalten sie sich?
  • Sind auffällig viele verletzt oder lahmen?

Darüber hinaus werden auch bauliche Gegebenheiten bewertet:

  • Ist die Milchkammer ein extra Raum, der abgeschlossen werden kann?
  • Gibt es einen Abkalbebereich?
  • Sind die Boxen ausreichend eingestreut?
  • Bietet der Stall der Kuh genug Komfort? Helligkeit und die Belüftung sind ebenfalls sehr wichtig, damit Kühe sich wohl fühlen.
Blick auf Friderikes Futtertisch.

Danach geht es an die Unterlagen. Hier wird geprüft, ob ich die Kälber ( wenn überhaupt noch nötig) richtig enthorne und ob ich Schmerzmittel und ein Mittel zum Sedieren der Tiere verwende. Bezüglich der Fütterung wird kontrolliert, ob ich eine Rationberechnung habe und ob ich die Gras- und Maissilagen, die ich verwende, auch auf ihre Inhaltsstoffe untersucht habe. Und dann werden noch die Unterlagen vom Tierarzt und dem Klauenpfleger geprüft.

Gesamtpunktzahl entscheiden über QM-Zertifizierung

Sind alle Unterlagen gesichtet, fasst der Prüfer zusammen, wie viele Kriterien ich erfüllt habe. Dafür bekomme ich dann bestimmte Punktzahlen. Allerdings gibt es auch k.o.-Kriterien, die einen sofort aus der Qualifikation nehmen. Zum Beispiel, wenn man unzulässige Futtermittel füttert oder ein ungeprüftes Dipp- oder Reinigungsmittel benutzt.

Das Ziel dieser Prüfung ist nämlich die vollständige Zurückverfolgbarkeit der produzierten Milch. Also alles, was ich zur Produktion unserer Milch kaufe und einsetzte, muss geprüft und qualifiziert sein. Ansonsten mache ich mich strafbar.

Die Ordner, die  Junglandwirtin Friderike für das QM-Audit bereitgelegt hat.

Die Punktzahlen der einzelnen Kriterien ergeben zum Schluss die Gesamtpunktzahl. Um das QM-Audit zu bestehen und als QM-zertifizierter Milchbetrieb zu gelten, muss man mindestens 61 von 81 Punkten erreichen. Wer QM-Audits nicht besteht, der darf seine Milch irgendwann nicht mehr an Molkereien liefern.

Wir konnten nur zwei Kriterien nicht erfüllen und haben daher bestanden: zum einen ist unsere Milchkammer kein Raum, den man abschließen kann und zum anderen konnte ich keinen Prüfbericht der Melkanlage vorlegen. Alles in allem lief es also sehr gut für uns.

Bis zum nächsten mal Eure Friderike

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...