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Blog Brina

Schafe scheren: Viel Geschick für wenig Gewinn

Brina mit ihren Tiroler Bergschafen
am Dienstag, 29.03.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Brina lässt ihren Schützlingen passend zu den ersten Sonnenstrahlen eine Frühlingsfrisur verpassen. Doch für die Schafschur gibt es nicht nur optische Gründe. Wie lange, glaubt ihr, braucht ein Schafscherer, um ein Schaf von seiner Wolle zu befreien?

Hey liebe Hofhelden,

wenn sich die ersten Sonnenstrahlen blicken lassen und es über 10°C warm wird, dann schwitzen unsere Schafe unter ihrer langen Wolle, wenn sie im Stall stehen. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie von ihrer Dämmung befreit werden: die Frisöre kommen.

Da wir eine so große Herde haben, schaffen wir es nicht, alle Schafe selber zu scheren. Aber es gibt Leute, die das hauptberuflich machen, zum Beispiel unser Schafscherer Alexander. Der kommt meist mit zwei anderen Scherern und zwei Aufsetzern zu uns. Für manche sehen die gekonnten Bewegungen auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen brutal aus, doch das Schaf ist dabei sehr entspannt und vertraut dem Scherer. Alexander und seine Kollegen wissen genau, wie sie jedes Schaf anfassen müssen, damit es möglichst wenig Stress ausgesetzt ist. Sie sind Profis auf ihrem Gebiet.

Wie schert man ein Schaf?

Tiroler Bergschafe

Ein routinierter und professioneller Schafscherer kann ein Schaf, sofern es sich gut scheren lässt, in ca 1,5 Minuten scheren. Unsere Tiroler Bergschafe haben ca. 3 bis 4 kg Wolle, die abgeschoren wird. Neben etwas Kraft gehört auch Geschick dazu, um das Schaf auf die Scherbank zu setzen:

  1. Mit einer Hand greift man unter den Unterkiefer vom Schaf.
  2. Das Schaf vorsichtig zurückschieben. Dabei sind die Knie die Lenkung, indem man auf den Seiten des Schafs leichten Druck ausübt (wie Schenkelwichen beim Reiten ;))
  3. Steht das Schaf mit seinem Hintern an der Scherbank, dann nimmt man den Arm, der am Unterkiefer ist, unter den Hals und hebt dort das Schaf hoch. Gleichzeitig wird mit der anderen Hand der Hintern runter gedrückt und schon sitzt das Schaf.

Tipp vom Profi: hat man Schafe, die immer wieder nach vorne gehen, dann schiebt man den Daumen ins Maul von dem Schaf, sodass man den Unterkiefer umfasst. Aber Vorsicht: nur in den Zwischenraum wo keine Zähne sind, sonst tut‘s weh.

Wieviel bekommt man für Wolle?

Hier in Deutschland ist es leider so, dass die Wolle nichts mehr wert ist. Für weiße Wolle bekommen wir höchstens 20 Cent pro kg und für bunte Wolle kriegen wir wahrscheinlich gar kein Geld. Ihr fragt euch, warum die weiße mehr bringt? Weiße Wolle kann man einfärben, das ist bei bunter Wolle schon schwieriger.

Somit ist die Wolle leider nur noch eine Belastung für einen Schäfer. Man muss die Scherer bezahlen, sie mit Essen und Trinken versorgen und bekommt dann nichts mehr für die Wolle.

Bis bald,

Eure Brina

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