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Blog Mara

Schwanger auf dem Hof: Die Kunst, nein zu sagen

Hofheldin Mara mit Babybauch: Gut drauf, aber alles geht eben doch nicht mehr.
am Mittwoch, 03.08.2022 - 11:55 (Jetzt kommentieren)

Wer als Landwirtin oder Winzerin ein Kind bekommt, muss auf sich aufpassen, weiß Mara. Denn Arbeit gibt es im Betrieb immer genug, auch wenn man sie eigentlich gar mehr machen darf oder kann. Passt auf euch und euer Baby auf!, rät die Hofheldin.

Liebe Hofheldinnen!

Diesmal richte ich mich ganz gezielt an euch, die Landwirtinnen, Bäuerinnen, Winzerinnen und alle Frauen und Hofheldinnen auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Denn es geht um euch, um eure Gesundheit und darum, wie man Nein sagt, wenn man gegen Ende einer Schwangerschaft die Arbeit körperlich einfach nicht mehr packt. Denn ich weiß, wovon ich rede.

Normale Arbeit bis zum Mutterschutz?

Unsere Tochter kam am 9. April zur Welt und die letzten Wochen waren dann doch sportlich. Gesetzlich war ich sechs Wochen vor errechnetem Geburtstermin (und acht Wochen danach) im Mutterschutz, was als selbstständige Winzerin (und damit pflichtversicherte in der SVLFG) bedeutet, dass man einen Betriebshelfer bekommt. Bis dahin, so sieht es die Theorie vor, arbeitet man ganz normal. Für Winzerinnen oder Landwirtinnen ist das aber nicht immer so leicht. Und dann kommt es darauf an, auch mal Nein zu sagen und die ganze Familie mit einzubinden!

Ich persönlich bin ganz froh, dass die letzten drei Monate meiner Schwangerschaft im Winter waren. Wir haben Anfang Januar regulär im Weinberg mit dem Rebschnitt begonnen. Ich hatte bei diesen Arbeiten auch schon früher den Retro-Skianzug in türkis/violett von meinem Vater an. Dieses Jahr wars dann irgendwann so weit, dass ich ihn am Bauch nicht mehr zumachen konnte (zum Glück wars nicht richtig kalt) und ich irgendwann auf die alte Ski-Hose mit Hosenträger von Papa umgestiegen bin.

Was am Boden liegt, muss liegen bleiben

Das ging noch einige Wochen ganz gut, aber irgendwann merkte ich, dass die leicht nach vorne gebückte Haltung und das häufige bücken am Rebstock doch beschwerlich wurden. Zusammen mit meinem Vater haben ich das Vorschneiden der Reben noch halbwegs gut rumgebracht, aber abends war ich komplett erschöpft. Auch die Arbeit im Weinkeller zehrt im letzten Trimester der Schwangerschaft an den Kräften zehrt. Einfach mal kurz was vom Boden aufheben? War schon mal leichter!

Bei mir war es irgendwann so weit, dass ich mir eingestehen musste „Ich kann nicht mehr den vollen Tag arbeiten“. Egal ob im Weinberg oder Weinkeller, es war für meinen Körper, das immer größer werdende Baby und mich zu viel. Dazu kam das Wissen, dass die Arbeit dann an meiner Familie hängen bleibt, denn es muss ja weiter gehen. Für mich persönlich war es gut, irgendwann zu dieser Erkenntnis gekommen zu sein, denn „Stell dich nicht so an, das geht schon“ ist in der Landwirtschaft eine weit verbreitete Einstellung.

Frische Luft tut doch gut - wie bitte??

Mit dieser Erkenntnis ging ich auf meine Ärzte zu und schilderte die Lage. Leider stieß ich nicht überall auf Verständnis und Sprüche wie „Ach, frische Luft tut Ihnen doch gut“ kamen mir entgegen. Ich wurde dann aber schon vor dem offiziellen Mutterschutz krankgeschrieben und wir bekamen eine Betriebshelferin.

Ich muss euch sicher nicht sagen, dass es etwas utopisch wäre zu denken, dass ich dann nur noch im Bett lag. Das Weingut läuft weiter, ich hatte weiterhin Aufgaben, welche ich komplett allein verantwortete, und so kämpften wir uns als Familie mit unserem Team bis zum Tag des Abfüllens. Da lief, vielen Menschen sei Dank, dann alles glatt und als abends um 20 Uhr die letzte Flasche vom Band lief, wusste ich „Puh, das ist endlich geschafft!“

Und dann kam Corona...

Zwei Tage später machten meine Mann und ich uns noch auf in den Urlaub – das letzte Mal „zu zweit“. Wie sollte es anders kommen? Ich wurde krank im Urlaub… Leider stellte sich am Tag der Heimreise raus, dass es nicht nur Erschöpfung war, sondern Corona. Also noch eine Woche Isolation, viel Umplanung und plötzlich viel Zeit allein am PC. Das Baby und ich kamen relativ gut durch Corona durch und so war der Beginn des Mutterschutzes eben die Mischung aus Corona, Erholung von Corona und einem ruhiger werdenden Tagesablauf.

Langfristige Planung - keine Chance

Die letzten Wochen vor errechnetem Termin waren dann doch noch vollgepackt mit vielen Aufgaben, die ich noch erledigt haben wollte, kombiniert mit Vorbereitung von Dingen fürs Weingut, die nach der Geburt anstehen. Dazu habe ich versucht, jeden Tag in mich hineinzuhören, was ich heute körperlich machen kann. Das war sicher für meine Familie nicht ganz einfach, wenn Mara sich erst morgens überlegt, was sie tun will.

Eine Woche vor Helenas Geburt fand dann noch die schon so oft verschobene Hochzeit meiner Schwester statt, dann der Geburtstag meines Manns und meiner Mutter, dann noch mein 31. Geburtstag und dann, bisschen früher als geplant, war sie da!

Mädels, passt auch euch auf!

Was ich jetzt rückblickenden von den letzten Wochen vor Geburt halte? Wenn ich meinen Kalender anschaue, merke ich fast nicht, dass ich wegen der Schwangerschaft zurückgesteckt habe. Corona hat da mehr Absage mit sich gebracht. Rückenschmerzen gegen Ende brachten mich noch regelmäßig zur Physio, was eine gute Erholung darstellte. Einerseits bin ich sehr dankbar, dass ich viele Sachen fürs Weingut und im Ehrenamt noch fast normal machen konnte. Andererseits denke ich manchmal auch, dass die Frauen, welche dann wirklich aus ihrem Angestelltenverhältnis in den „richtigen“ Mutterschutz gehen, sicher auch die Ruhe daheim nochmal ganz anders genießen können.

Was ich anderen schwangeren Winzerinnen und Landwirtinnen mitgeben würde? Hört auf euren Körper, sagt laut und deutlich NEIN, sagt eurem Umfeld und euren Ärzten, was ihr braucht, und macht euch immer bewusst: Es wächst ein Mensch in eurem Bauch! Euer Körper baut, neben eurem normalen Alltag, einen vollständigen kleinen Menschen – das ist so unvorstellbar und wenn das kleine Wesen in eurem Bauch von euch mehr Ruhe verlangt, gebt sie ihm und euch!

Beste Grüße, eure Mara

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