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Blog Leo

So gelingt die Umstellung auf Bio: Wie die erste Öko-Kontrolle abläuft

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am Montag, 27.09.2021 - 14:31 (Jetzt kommentieren)

Junglandwirt Leo stellt seinen Hof auf ökologische Wirtschaftsweise um. Bei der Umstellung auf Bio gibt es viele große und kleine Dinge zu beachten, die er hier bei Hofheld genau erklärt. Diesmal wird´s bürokratisch, denn es geht um den Kontrollvertrag als Basis für die Vermarktung von Bio-Produkten.

Liebe Hofhelden,

im letzten Blog habe ich euch von meinem Projekt, den Hof auf ökologische Wirtschaftsweise umzustellen, erzählt; wie ich das vorbereitet habe und was der erste große Schritt war. Dieses Mal wird’s sehr theoretisch, denn es dreht sich um den Kontrollvertrag, den man bei der Umstellung auf Bio benötigt, um seine Produkte auch als Ökoware verkaufen zu können.

Was unterscheidet den Konventionellen und den Biolandwirt?

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Um Biolandwirt zu werden, muss man nach den Regeln und Vorgaben der EU-Rechtsverordnungen für den ökologischen Landbau arbeiten. (BMEL - Ökologischer Landbau - Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau) Dazu gibt es die EG-Öko-Basisverordnung (39 Seiten) und die Durchführungsverordnung (133 Seiten). Hier ist alles geregelt, was man erfüllen muss, um die Umstellung auf Bio durchzuführen und ökologisch wirtschaften zu können. Zusätzlich gibt es dann noch die Statuten der Anbauverbände, hier ist die Mitgliedschaft aber nicht zwingend vorgeschrieben.

Allerdings reicht es für die Umstellung auf Bio nicht, diese Gesetze alle eigenverantwortlich einzuhalten. Die Einhaltung wird jährlich von einer Öko-Kontrollstelle überprüft.

Wie beginnt die Umstellung auf Bio?

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Einen landwirtschaftlichen Betrieb kann man nicht von jetzt auf gleich „umstellen“, dazwischen gibt es eine Umstellungszeit. Die Umstellungsphase dauert grob gesagt 2 Jahre und es gibt immer wieder Stichtage. In der Umstellungszeit muss man schon nach den Vorgaben der EG-Ökoverordnung bzw. des Anbauverbandes wirtschaften, aber die Erzeugnisse werden noch konventionell oder als Umstellungsware verkauft. Die Umstellung auf Bio beginnt dann, wenn man einen Kontrollvertrag abgeschlossen und die Erstkontrolle erfolgreich bestanden hat.

Wir haben uns für den Stichtag der Umstellung auf Bio für den 1. Juli 2021 entschieden. Ab diesem Zeitpunkt müssen wir nach den Vorgaben der EG-Ökoverordnung wirtschaften.

Der Öko-Kontrollvertrag

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Mit dem Stichtag 1.Juli begann dann auch unser Kontrollvertrag. Kontrollstellen, die bei einer Umstellung auf Bio zugelassen sind, gibt es einige. Man kann sie gut vergleichen und jede hat etwas andere Schwerpunkte, so findet man schnell den richtigen Ansprechpartner für den eigenen Betrieb. Übrigens werden auch die Kontrollstellen wieder kontrolliert, dann von den jeweiligen Landesanstalten bzw. -kammern.

Der Kontrollvertrag ist nicht kostenlos und schon gar kein Selbstläufer. Eine gute Datengrundlage und alle benötigten Unterlagen müssen vom Landwirt geliefert werden, der die Umstellung auf Bio will.

Bei meiner Kontrollstelle gibt es ein Online-Kundenportal, wo man vorab alles genau eintragen, ankreuzen und hochladen kann. Damit kann man ungefähr erahnen, was dann bei der Erstkontrolle zur Umstellung auf Bio alles auf einen zu kommt.

Was passiert bei der Erstkontrolle?

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Nach Abschluss des Kontrollvertrages wurde uns zeitnah ein Termin zur Erstkontrolle mitgeteilt und ein Zugang zum Kundenportal geöffnet. Relativ schnell habe ich dann festgestellt, dass die Daten im Portal das zentrale Element der Kontrolle sein würden. So habe ich mich tage (und Nächte) lang intensiv damit auseinandergesetzt und alles gewissenhaft ausgefüllt und die geforderten Unterlagen und Dokumente der Umstellung auf Bio erstellt.

Pflanzenschutzmittel adé

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Aber ich habe nicht nur „auf dem Papier“ Vorbereitungen für die Umstellung auf Bio getroffen. Auch am Hof waren einige Handgriffe zu erledigen. Zentraler Punkt hier: das Pflanzenschutzmittellager auflösen. Alles, was ich bis zum 30.6. nicht aufgebraucht hatte, wurde entweder beim Handel zurückgegeben oder beim Giftmobil entsorgt. Beim Saatgut das gleiche Spiel, allerdings ein Sonderfall, den ich lösen musste: Wir haben noch Saatgut für den überbetrieblichen Einsatz am Hof. Dieses muss ich nun getrennt lagern und via Lagerbuch den Verbleib dokumentieren.

Die eigentliche Erstkontrolle bei der Umstellung auf Bio lief dann so ab: Mit der Kontrolleurin haben wir zuerst alle Register des Kundenportals durchgesprochen, damit hier keine Formfehler oder Missverständnisse entstanden sind. Anschließend haben wir zusammen den gesamten Hof unter die Lupe genommen, dabei habe ich alle Stoffströme zwischen Biogas und Landwirtschaft geschildert. Wir haben die Lager besichtigt und alle Details des Hofplanes durchgesehen. Auch das aufgelöste Pflanzenschutzmittellager wurde genau kontrolliert. Betriebsstoffe (in meinem Fall Zutaten für den Komposttee) die noch vorhanden waren, wurden auf Konformität mit dem Ökolandbau kontrolliert.

Zuletzt wurden noch ca. 2/3 der Felder angesehen und ein Abschlussbericht erstellt. Sogar dieser wurde digital unterschrieben. Und nach rund 4 Stunden war unsere erste Öko-Kontrolle bei der Umstellung auf Bio geschafft. Besonders stolz bin auf den Vermerk „sehr gute Kontrollvorbereitung“ im Bericht.

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Mein Fazit zur Kontrolle bei der Umstellung auf Bio: Der (digitale) Papierkram wird im Ökolandbau wohl nicht weniger. Aber ich freue mich auf die Herausforderungen, die die kommende Zeit mit sich bringen wird.

In diesem Sinne, bis Bald! Euer Leo

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