Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Blog Leo

So klappt die Düngung ohne Mineraldünger: Junglandwirt Leo berichtet

Ein Selfie von Leo vor seinem Traktor auf dem Feld
am Dienstag, 22.03.2022 - 07:00 (2 Kommentare)

Nach seiner Umstellung auf den ökologischen Landbau muss sich Junglandwirt Leo Gedanken darüber machen, wie er seine Pflanzen auch ohne Mineraldünger mit ausreichend Nährstoffen versorgt.

Hallo liebe Hofhelden,

wer im Sommer und Herbst ernten will, der muss im Frühjahr düngen. Und wir sind jetzt mittendrin in der Düngesaison. Für uns als angehender Biobetrieb stehen gerade bei der Düngung mit die größten Veränderungen an. War die Düngung als konventioneller Betrieb relativ einfach, da man „aus dem Sack“ bedarfsgerecht und ertragsorientiert die Düngung ergänzen konnte, wird es jetzt doch einige Veränderungen geben.

Ökolandbau ist mehr als nur den Mineraldünger weglassen

Leo bringt seine Gärreste mit dem Düngerfass aus

Klar, ein großer Posten in unserem Düngerwerkzeugkasten ist jetzt weg: der Mineraldünger. Unser Fokus bei der Düngung liegt nun auf unseren Gärresten aus der Biogasanlage, denn eine Tierhaltung, bei der Gülle oder Mist anfällt, haben wir nicht. Auch der Gärrest steht nicht unbegrenzt zur Verfügung und auch nicht immer zur passenden Jahreszeit. Also muss ein Plan her, wie wir die vorhanden Nährstoffe möglichst effizient nutzen können. Dazu habe ich in den letzten Jahren viele Erfahrungen sammeln können und auch neue Dinge möchte ich ausprobieren. Dabei gilt:

  • die Nährstoffe zu konservieren
  • die Nährstoffe aufzubereiten
  • die Nährstoffe zu mobilisieren
  • die Nährstoffe zu ergänzen

Zwischenfrüchte liefern Nährstoffe

Ein Weg, den ich verfolgen möchte, ist, dass wir Nährstoffe über Zwischenfrüchte auf dem Feld konservieren. Also bauen wir im Sommer Früchte an und düngen sie. Die Pflanzen bleiben am Feld, frieren ab oder werden gemulcht. Der Boden ist über den Winter abgedeckt, die Wurzeln erledigen die Bodenbearbeitung und dank des Bewuchses haben Beikräuter kaum eine Chance.

Leo arbeitet seine Zwischenfrüchte ein

Über den Winter und vor allem dann im Frühjahr werden die Pflanzenreste mitsamt den Nährstoffen mit Hilfe des Bodenlebens verarbeitet und sie stehen der folgenden Kultur zur Verfügung. Ziemlich viele Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Pflanzenkohle und Leguminosen machen Nährstoffe verfügbar

Auch die Nährstoffe in den Gärresten möchte ich durch Aufbereitung besser verfügbar machen, damit sie nicht ausgewaschen werden oder es bei der Lagerung und Ausbringung zu hohen Verlusten kommt. Dazu setze ich verschiedene Hilfsstoffe wie Pflanzenkohle oder Mikroorganismen ein.

Leo zeigt die Knöllchenbakterien an den Wurzeln seiner Leguminosen

Ein weiterer Baustein im Nährstoffkonzept sind die Leguminosen. Die Knöllchenbakterien sammeln für uns Stickstoff aus der Luft und machen ihn pflanzenverfügbar. Hier will ich auf mehrere Wege setzen. In erster Linie auf Kleegras, dass mehrjährig auf dem Acker stehen soll. Weiter sollen großkörnige Leguminosen als Druschfrucht in der Fruchtfolge ausgebaut werden. Auch in Untersaaten im Getreide und der Zwischenfrucht sollen zum Beispiel Klee und Erbsen ihre Vorteile ausspielen und die anderen Pflanzen miternähren.

Boden mechanisch beleben

Ein neues Verfahren, das ich so noch nicht lange anwende, ist die Mobilisierung – oder besser gesagt die Mineralisierung – von Nährstoffen durch mechanische Pflegearbeiten wie Hacken und Striegeln. So gelangen Luft und Wärme in die Bestände. Das belebt den Boden und Nährstoffe werden schneller verfügbar gemacht.

Leo striegelt seinen Pflanzenbestand

Diesen Effekt möchte ich auch bei der Einarbeitung von Zwischenfrüchten oder dem Umbruch von Kleegras nutzen, denn auch hier entscheidet der Zeitpunkt der Bearbeitung über den Zeitpunkt, zu dem die Nährstoffe verfügbar sind.

Schwefel unterstützt Kleegras und Gärreste

Das Düngen nach Verhältnissen setzen wir schon länger im Betrieb um. Dies soll auch weiterhin im Ökolandbau fortgeführt werden. Beispielsweise spielt der Schwefel für die Aufnahme vom Stickstoff eine wesentliche Rolle. So soll der Schwefel im Kleegras die Knöllchenbakterien unterstützen und beim Gärrest die Effizienz erhöhen. Weiter spielt bei meinen Böden mit hohen Magnesiumgehalten das Kalzium eine große Rolle. Und selbstverständlich setze ich weiterhin auf Spurenelemente und Biostimulanzien, um gesunde und ertragreiche Bestände zu bekommen.

Leo zeigt das Wurzelgeflecht von seinem Kleegras

Und wie es dann beim Thema Unkrautregulierung und Pflanzenschutz aussieht, werde ich euch dann beizeiten berichten. Es bleibt also spannend!

Bis bald,

euer Leo

Frühling in der Landwirtschaft: Düngung, Gemüse pflanzen, Forstarbeit

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...