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Tag der Entscheidung: Übernimmt Christina den Betrieb?

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am Mittwoch, 01.07.2020 - 13:44 (Jetzt kommentieren)

Heute ist der 1. Juli 2020. D-Day bei Christinas Entscheidung „Hofübernahme ja oder nein“, denn vor drei Jahren hat sie sich den heutigen Tag als Deadline gesetzt. Wie sie sich entschieden hat und was das Geburtsdatum ihrer verstorbenen Oma dami zu tun hat, verrät sie hier.

es ist der 1. Juli 2020 :-O Wo ist die Zeit geblieben? Vor fast 3 Jahren bzw. 1003 Tagen oder 24072 Stunden und noch mehr Minuten hat meine Reise „Hofübernahme: Ja oder Nein?“ begonnen. Anfang Oktober 2017 haben wir uns gemeinsam mit unserer Beraterin von der Landwirtschaftskammer NRW den 01. Juli 2020 als finalen Tag der Entscheidung ausgeguckt. Dabei sollten laut ihr knapp drei Jahre reichen, um sich selbst hinterfragen zu können: Was möchte ich? Möchte ich den Genholter Hof in die nächste Generation führen oder nicht? Wenn ja, welche Chancen sehe ich mit dem „GeHo 2.0“? Wenn nicht, wie kann es dann für den Genholter Hof und meine Eltern weitergehen und noch wichtiger: Welchen Weg sehe ich dann für mich persönlich? Viele Fragen, die mich in den letzten Jahren begleitet haben und die ich mit Euch, liebe Hofhelden, geteilt habe.

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Es waren drei Jahre, die mich beeinflusst, gefördert und bis zum Schluss auch gefordert haben. Aaaber ich möchte Euch nicht allzu sehr auf die Folter spannen und Euch meine Entscheidung sehr gerne hiermit mitteilen: Ich habe JA gesagt – der Genholter Hof wird von mir als Nachfolgerin übernommen und in die nächste Generation geführt!

Ich übernehme das und mach da mein Ding draus.

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Auch wenn ich es – gerade in Zeiten wie den heutigen – immer noch nicht ganz glauben kann und natürlich auch die Unsicherheit stets mit mir unterwegs ist, habe ich mich bewusst DAFÜR entschieden. Und ehrlicherweise ist diese Entscheidung schon vor einigen Monaten gefallen. Nämlich im Südtirol-Urlaub mit meiner Schwester Kathrin im vergangenen September. Wir haben an unserem ersten Urlaubsabend in der Bar gesessen und wie so oft über GeHo 2.0 gesprochen und da fiel er einfach, DER Satz. Einfach so. Ohne Vorwarnung: „Ich übernehme das und mach da mein Ding raus“. Gänsehaut und Tränen in den Augen – hatte ich doch gerade vielleicht eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens getroffen. Wir bestellten Sekt und stießen auf diesen doch besonderen Moment an.

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Was mich genau zu diesem Satz und damit zu DER Entscheidung verleitet hat, war wohl die Summe aus mehreren Komponenten. So hatte ich ein paar Tage zuvor einen Satz aus dem Buch „Mögest Du glücklich sein“ von Laura Malina Seiler (in einem Blogbeitrag hatte ich bereits davon berichtet, dass mir ihre Podcastfolgen auch halfen, meinen Weg zu finden) gelesen, der mich tagelang beschäftigt hatte: „Nicht die Angst ist in Wirklichkeit unser Feind, sondern darauf zu warten, keine Angst mehr zu haben.“ Und genau diese Angst begleitete mich bis dato stets, wenn es um die Zukunft vom Genholter Hof ging.

Jedoch zu lesen, dass es vollkommen okay sei, dass sie mein kontinuierlicher Begleiter ist, beruhigte mich und lies mich einen anderen Blickwinkel auf die Situation haben. Auch hatte ich in den letzten Jahren gemerkt, dass niemand kommen und sagen wird „Mach es – es wird dir schon nichts passieren und du wirst nicht hinfallen“ oder so ähnlich – die Verantwortung diesbezüglich lag und wird immer bei mir selbst liegen. Gleichzeitig lag es wohl auch daran, dass ich nach den stressigen Monaten und der Doppelbelastung Spargelsaison im Genholter Hof und Festanstellung in einem anderen Betrieb, erstmals wirklich zur Ruhe kam. Und zuletzt natürlich das Wissen, mit meiner Schwester Kathrin jemanden an meiner Seite zu haben, die mich – ähnlich wie meine Eltern – immer unterstützen und auch als betriebswirtschaftliche Beraterin zur Seite stehen würde.

Meinen Eltern habe ich die Entscheidung ein paar Tage nach unserem Urlaub verkündet. Wollte ich es den beiden doch persönlich sagen. Zuerst konnten sie es gar nicht glauben und wussten nicht so recht, wie sie reagieren sollten. Schließlich sollte eine finale Entscheidung ja erst im Juli 2020 stattfinden. Nur am Rande – hier sieht man besonders, dass sie niemals Druck auf mich in Bezug auf die Entscheidung ausgeübt haben. Kurzzeitig waren sie eher unsicher, ob ich die letzten Monate nicht doch auch noch nutzen wollte, um herauszufinden wohin ich mit GeHo 2.0 wollte. Noch bevor sich aber bei mir Enttäuschung breit machte, reagierten sie doch noch wie meine Schwester und ich erhofft hatten. Sie begriffen, was ich gerade ausgesprochen hatte und waren begeistert. Sie erdrückten mich fast, hatten Tränen in den Augen und öffneten sofort den besten Wein zum Anstoßen, den unser Hof gerade zu bieten hatte.
Um diesen wichtigen Moment festzuhalten, lies ich zu Weihnachten bei Jeannette Mokosch – eine ganz, ganz tolle Frau, die ihre kalligraphische Begabung zum Beruf gemacht hat – zwei Schriftzüge entwerfen: zum einen den für mich sehr prägenden Satz von Laura Malina Seiler, sowie zum anderen, die Koordinaten des Genholter Hofes mit dem Datum, an dem die Entscheidung für mich persönlich gefallen ist. Besonders war hier, dass das Datum das Geburtstag meiner verstorbenen Oma war. Konnte es mehr Zufall geben?
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Ihr mögt Euch sicher nun fragen, warum ich Euch dann noch so lange auf die Folter gespannt habe und nicht direkt mit der Entscheidung im Herbst letzten Jahres rausgerückt bin. Dies liegt in zwei Punkten begründet:

  1. Wollte ich, dass unsere Mitarbeiter die Entscheidung persönlich von mir hörten und nicht über Hofheld lasen (sie sind teilweise nämlich auch fleißige Hofheld-Leser. Liebe Grüße an dieser Stelle, an alle Mädels und Jungs vom GeHo 😉) und
  2. Brauchte ich doch auch tatsächlich noch ein bisschen Zeit, um mich an die Entscheidung zu „gewöhnen“, denn auf das „Ja, ich will“ folgen ja viele weitere wichtige Gespräche mit Steuerberater etc., bei denen ich sicher sein wollte. Mittlerweile wissen es unsere Mitarbeiter natürlich und ich fühle mich mit der Entscheidung ziemlich wohl. Natürlich würde ich lügen, würde ich sagen, dass ich in den letzten Monaten nicht auch Zweifel gehabt hätte. Aber was kann mir Besseres passieren, als dass meine Eltern noch aktiv mit am Start sind und wir uns zu dritt dieser Herausforderung stellen? Nichts!

Ich blogge weiter bei Hofheld

Was mich nun auch zum letzten Punkt bringt: Denn ich freue mich ganz, ganz, ganz arg, dass die liebe Dagmar und die liebe Désirée, beide meine Ansprechpartnerinnen von Hofheld, mir angeboten haben, weiter als Bloggerin für Hofheld losziehen zu dürfen. Schließlich heißt die Entscheidung „Ja, ich übernehme“ (vielleicht auch zum Glück) nicht gleich, dass ich nun der sog. Letztentscheider in allen Dingen bin. Denn das Ganze ist ein Weg, den meine Eltern und ich bestimmt noch mindestens 3 weitere Jahre gemeinsam gehen werden. Schließlich fühlt sich mein Vater noch vieeeel zu jung für die Rente und auch der Generationswechsel an sich dauert seine Zeit, wenn man ihn gut machen will - Und eben über den Prozess von „Ich bin nun da und was nun?“ und was so passiert, bis ich final zum Letztentscheider werde, darf ich hier für euch weiterhin berichten 😊.

Gleichzeitig möchte ich aber auch diesen doch nicht ganz unwichtigen Blogbeitrag nutzen und mich bei Euch und besonders bei den tollen Mädels und Jungs von Hofheld selbst sowie den anderen Bloggern bedanken 😊 Nicht nur, dass ich tolle Menschen kennenlernen und in Berlin am Hofheld-Event teilnehmen durfte – durch Hofheld konnte ich viele mediale Kontakte knüpfen, die mich eben u.a. einmal flott live ins Fernsehen und vor allen Dingen auch persönlich weiter gebracht haben. DANKE dafür – ich bin gespannt was noch kommt und wann wir dem Blogger-Hofheld-Bambi rechnen können 😉
Eure Christina

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