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Blog Christina

Wenn die Vision Wirklichkeit wird

Christina Ingenrieth mit ihrem Zukunftskonzept
am Mittwoch, 17.02.2021 - 17:31 (Jetzt kommentieren)

Im Laufe ihrer Entscheidung „Hofübernahme ja oder nein“ hat Christina mit ihrer Familie ein Zukunftskonzept für den Genholter Hof erstellt – und stellt nun fest, dass sie schon mitten in dieser Zukunft steckt.

Hallo Ihr fleißigen Hofhelden,

nachdem ich Euch zuletzt auf den noch fehlenden Teil meiner Inspirationsreise vom letzten Jahr mitgenommen habe, möchte ich Euch nun von einer anderen – für uns hier nicht unwichtigen – Erfahrung berichten. So hüpfe ich nun noch einmal ins Jahr 2019. Ich kam gerade von der Anstellung auf dem Landgut und wurde daheim festangestellt und immer noch beschäftigte mich die Frage: Hofübernehmen: Ja oder nein?

Der Blick von außen

Für diese Entscheidung sind neben Daten und Fakten über den Hof auch Zukunftseinschätzungen wichtig. Und diese sind insbesondere dann noch wertvoller, wenn sie von betriebs- aber nicht fachfremden Experten kommen. Betriebsfremdheit ist deswegen wichtig, weil wir als (Familien-)Mitglieder stets und ständig hier auf unserem Hof unterwegs sind und die Potentiale, die hier noch schlummern, nicht mehr erkennen – eben faktisch betriebsblind sind 

Dieses Gefühl habe ich übrigens auch häufig bei der Arbeit für unsere Social-Media-Kanäle: Ich gehe über den Hof und frage mich „Was würde unsere Follower denn einmal interessieren?“ während wahrscheinlich im gleichen Moment etwas auf den ersten Blick völlig Banales, aber für Facebook und Instagram super Interessantes, passiert. Aber das nur am Rande!

So haben wir uns, wie zuvor mit der Beraterin der Landwirtschaftskammer zum Thema Hofnachfolge, jemand Neues gesucht, der sich gemeinsam mit uns unseren Hof einmal zur Brust nimmt. Dabei sollten nicht nur Stärken und Potentiale aufgedeckt, sondern auch Schwächen und Herausforderungen thematisiert werden.

Den richtigen Berater finden

Die Suche nach einem geeigneten Berater gestaltete sich jedoch zu Anfang schwierig, besteht unser Hof ja neben der Landwirtschaft auch aus dem Hofcafé, Hofladen und den Gästezimmern und umschließt damit unterschiedliche Themenbereiche. Glücklicherweise haben wir aber ein Unternehmen finden können, das sich schwerpunktmäßig zwar mit Hotel- und Tourismusthemen auseinandersetzt, gleichwohl aber größtenteils auch (landwirtschaftliche) Familienbetrieb berät.

Das erste Beschnuppern mit unserem potentiellen Berater Thomas fand während eines einstündigen Telefonats statt. Dabei wollte Thomas wissen, was unser grobes Ziel für eine mögliche Zusammenarbeit sei. Dies war zum einen, eine weitere Entscheidungshilfe für mich zu erhalten und zum anderen auch, ein Gefühl dafür zu bekommen, wo der GeHo steht und was aus ihm noch herauszuholen ist.

Im Angebot hieß das Kind dann wie folgt: Zielsetzung der Beratung ist, gemeinsam ein sinnvolles Zukunftskonzept für den Genholter Hof zu entwickeln, welches wirtschaftlich und konzeptionell sinnvoll ist und zu den Vorstellungen von allen Familienmitgliedern, insbesondere von Christina, und dem Standort passt.

„Was haben wir zu verlieren?“

Da stand ich also mit einem Angebot und bekam leichtes Herzrasen: Hielt ich nun erstmalig etwas in den Händen, was meiner Vision vom GeHo 2.0 im besten Fall ganz schön nahkommen würde? Ich berat mich mit meinen Eltern und traf auf Verständnis, Offenheit und vielleicht sogar ein kleines bisschen Vorfreude. Und diese Reaktion, sich auf dieses Projekt – fast ganz ohne mit der Wimper zu zucken  – einzulassen, rechne ich meinen Eltern noch heute ganz, ganz hoch an.

Denn im blödesten Fall hätte als Ergebnis rauskommen können, dass der GeHo keine Zukunft haben wird und die Entscheidungen aus den vergangenen 20 Jahren nicht immer richtig waren. Diesem Risiko haben sich meine Eltern aber – zum jetzigen Zeitpunkt völlig unbegründet – gestellt und eher gefragt „Was haben wir zu verlieren? Selbst wenn dieses Szenario kommen sollte, wissen wir, wo wir dran sind und können reagieren.“

Traumreise ins Jahr 2024

So hatten wir dann im Dezember 2019 Besuch von Thomas, der sich zwei Tage unseren Hof, die Umgebung, unsere Zahlen, Daten, Fakten und wahrscheinlich insgeheim auch uns als Unternehmerfamilie einmal genauer angeschaut hat. Während der ganzen Beratung war ihm stets wichtig, dass wir uns wohlfühlten und sagen konnten, wenn etwas eine Richtung einschlägt, die überhaupt nicht umzusetzen sein würde.

Besonders schön fand ich, dass wir eine sogenannte Traumreise ins Jahr 2024 gemacht haben, bei der jeder von uns (auch meine Schwester Kathrin) beschreiben sollte, wie der GeHo zukünftig aufgestellt sein wird. Es hat also jeder seine eigene Vision vom GeHo 2.0 entwickelt, die sich tatsächlich in weiten Teilen gar nicht großartig voneinander unterschieden.

Auf einmal ist da ein Alleinstellungsmerkmal

Im weiteren Verlauf der Beratung hat Thomas auch die Umgebung analysiert und etwas für uns völlig Neues, aber eigentlich total Banales herausgefunden: In einem Umkreis von ca. 150 km sind wir der einzige Betrieb, dessen Aktivitäten Landwirtschaft, Gästezimmer, Hofladen und Hofcafé beziehungsweise Saisonrestaurant umfängt.

Puh – das mussten wir erstmal sacken lassen. Denn das bedeutete wiederum, dass wir jahrelang ein Alleinstellungsmerkmal komplett außer Acht gelassen hatten, dass uns vielleicht auch psychisch in manchen Talfahrten wieder auf die Beine geholfen hätte. Aber gut – nicht über Vergangenes grübeln, sondern das Ganze als tolle neue Information sehen, die es in Zukunft klug einzusetzen gilt *tschaka*.

Mitten in der Zukunft

So gingen zwei Tage zu Ende und heraus kam ein über 80-seitiges Zukunftskonzept, welches mir in Gänze ein gutes Gefühl gegeben und damit auch die Entscheidung für die Hofübernahme weiter bestätigt hat. Nun stehe ich schon mitten in der zuvor beschriebenen Zukunft und bin auf dem Weg, den GeHo zum GeHo 2.0 zu formen. In dieser Findungsphase versuche ich – vielleicht habt Ihr es bereits gesehen – gerade auf unseren Social-Media-Kanälen eine klarere Strategie zu fahren und den einzelnen Bereichen wie Landwirtschaft, Direktvermarktung, Hofladen, Hofcafé und Saisonrestaurant stärkere Beachtung zu schenken. Lasst mich gerne wissen, was Ihr davon haltet oder auch gerne Tipps zur Verbesserung der Kommunikation habt .

Frostige, aber nicht weniger herzliche Grüße vom Niederrhein,

Eure Christina

Welche Gedanken Christina sich zum Thema Hofübernahme sonst noch macht, kannst du auf ihrer Autorenseite lesen.

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