Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Glosse

Humor aus dem Homeoffice: Andere Länder, andere Hamster

Die letzte Rolle
am Donnerstag, 19.03.2020 - 09:13 (Jetzt kommentieren)

Mit unserer kleinen Serie "Humor aus dem Homeoffice" möchten wir Sie ein paar Mal pro Woche zum Staunen, zum Lächeln, vielleicht sogar zum Lachen bringen. In dieser Zeit voller Sorgen und schlechter Nachrichten hoffen wir, damit ein bisschen Sonne zu verbreiten. Denn so ernst die Corona-Pandemie ist, braucht der Mensch doch auch in der Krise ab und zu ein bisschen Freude. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

46 Rollen Klopapier verbraucht ein Deutscher durchschnittlich pro Jahr. 46. Das ist knapp eine Rolle pro Woche. Vorgestern habe ich einen meiner Nachbarn sechs Achterpackungen dieser Popoputzer aus dem Auto laden sehen. Der Mann ist Single und hat damit – eine normale Verdauung vorausgesetzt – seine Jahresration Toilettenpapier zusammen. Nur für den Fall, dass es von morgen an bis Ende März 2021 keins mehr zu kaufen gibt. Der Glückliche. Seine Toilettenbesuche verlaufen von nun an völlig entspannt und siegesgewiss, während andere spätestens ab Sommerbeginn wohl große Blätter sammeln werden. Rhabarber könnte dann eine unerwartete Konjunktur erleben.

Das Symbol der Hamster

Komischerweise scheinen sich die Deutschen um das Ende ihrer Verdauung weit mehr Sorgen zu machen als um den Anfang. Gut, Nudeln, Reis und Linsen werden auch gekauft wie selten zuvor, aber nichts ist so eindeutig zum Symbol der hiesigen Corona-Hamster geworden wie die gähnende Leere in den Regalen mit den Zellstoffprodukten.  

Aber zu unserer Ehrenrettung sei gesagt: Nicht nur wir Deutschen neigen zu Panikkäufen. Eine Umfrage unter Auslandskorrespondenten der Deutschen Presseagentur (dpa) ergab, dass auch in Skandinavien, den Niederlanden, Großbritannien, Israel und den USA die Toilettenpapierregale in den Supermärkten leer sind. Die Portugiesen beispielsweise kratzt das nicht. Sie wischen nicht, sie waschen – im Bidet, einem Spezialwaschbecken neben der Toilettenschüssel.

Ein Land riecht nach Großtante

Die Franzosen haben andere Probleme: Ihnen geht der Rotwein aus – für unsere Genussnachbarn eine kulturelle Bedrohung. Zu Hause sitzen statt im Café oder im Bistro und dann auch noch ohne Wein? Besser, man füllt schon mal den Keller.

Alkohol ist auch anderswo ein Thema. In der Türkei ist inzwischen das „Kolonya“ ausgegangen, vermeldet das Netz. Keine Chance, die türkische „Kölnisch Wasser“-Variante irgendwo zu bekommen. Das Duftwässerchen enthält 80 Prozent Ethanol und wird dieser Tage als Desinfektionsmittel umgenutzt. Was das geruchstechnisch mit dem Land am Bosporus anstellt, mag ich mir lieber nicht vorstellen …

Grasvorräte angelegt

Um Alkoholfreies geht’s dagegen in den Vereinigten Staaten. Die Amerikaner zanken sich um Softdrinks und stilles Wasser. Wer jemals das massiv gechlorte US-Leitungswasser probiert hat, ahnt warum: So viel Desinfektion mag nun auch wieder niemand, schon gar nicht von innen.

Die Skandinavier haben mittlerweile mancherorts die Apotheken leergekauft. Die schwedischen und norwegischen Behörden appellieren an die Bevölkerung, Hamsterkäufe von Schmerzmitteln wie Paracetamol zu unterlassen.

Mit Tabletten halten sich die Niederländer allerdings gar nicht erst auf. Als in Amsterdam die Schließung der „Coffeeshops“ ab Montag dieser Woche verkündet wurde, bildeten sich am Sonntag lange Schlangen. Die Kundschaft wollte sich noch schnell einen Marihuana-Vorrat anlegen. Wer nicht selbst anbaut, weiß ja sonst nicht, wie er die nächste Zeit an sein Gras kommt.

Prügeln für die nächste Rolle

Die Hamsterei scheint uns nationenübergreifend in den Genen zu liegen. Ladenbetreiber und Verkäufer tun ihr Möglichstes, den Jägern und Sammlern Vernunft beizubringen. Auf Appelle folgen Verbote: Wer mehr als eine Packung Toilettenpapier oder Weizenmehl nimmt, kommt in den meisten Märkten nicht mehr am Kassierer vorbei.

So mancher wird da kreativ und kommt klammheimlich ein zweites oder drittes Mal. Oder beschimpft das Verkaufspersonal unflätig bis die Situation eskaliert und mehrere Verletzte zu beklagen sind (gestern passiert in Mannheim). Für einen Keller voll Klopapier kann man schon mal das letzte bisschen Anstand vergessen.

Absage ans Hamstern

Eine originelle Idee gegen überzogene Einkaufsmengen hatte ein dänischer Supermarktbetreiber: Er verlangt von seinen Kunden für ein Fläschchen Desinfektionslösung 40 Kronen – das sind umgerechnet 5,35 Euro. Wer zwei oder mehr Flaschen will, kann auch die gerne haben ... dann allerdings für 1.000 Dänische Kronen das Stück (134 Euro). Den dortigen Hamstern soll schlagartig die Raffgier vergangen sein.

Und last but not least geht der Preis für die klarste Absage an die Hamsterei aus Politikerkreisen an den niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte. Bei einem Supermarktbesuch am Donnerstag in Den Haag erklärte Rutte vor laufender Fernsehkamera auf die Klopapierfrage: "Wir haben so viel, wir können zehn Jahre kacken."

Mit Material von schweizerbauer.ch, ntv
Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Oktober 2020
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
cover_agrarheute_magazin.jpg

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...