Hunderte Bauern existenzgefährdet: Brenner-Nordzulauf-Trasse steht

© imago/Roland Mühlanger

Viele Bauern sind mit der gegenwärtigen Agrarpoltik nicht einverstanden. Vor allem ihre Rolle als systemrelvante Erzeuger von Grundnahrungsmitteln kommt in den politischen Debatten zu kurz. Und: Trotz der vielen Arbeit sind die Landwirte die am zweitschlechtesten bezahlte Berufsgruppe. Lesen Sie, was Sache ist.

Ein Trassenverlauf für den Brenner-Nordzulauf im Raum Rosenheim ist gefunden. Trotz geplanter Tunnels bleiben die Verluste an land- und forstwirtschaftlicher Fläche so hoch, dass der Bayerische Bauernverband (BBV) zahlreiche kleine Betriebe in ihrer Existenz gefährdet sieht.

Am Dienstag hat die Deutsche Bahn den geplanten Streckenverlauf für die neue Bahnstrecke zum Brennerbasistunnel im Raum Rosenheim in Oberbayern, den sogenannten "Brenner-Nordzulauf", bekannt gegeben. Bei der „violetten“ Variante, welche die Stadt Rosenheim östlich umgeht, sollen 54 km neue Bahntrasse gebaut werden. Etwa 60 % davon würden in noch zu bauenden Tunnels verlaufen. Wie die Bahn betont, liege die Strecke beim Umweltschutz vorne: Diese Trasse beanspruche weniger Fläche als die Alternativen, minimiere die Auswirkungen auf Tiere, Pflanzen und die biologische Vielfalt und schone somit die Umwelt.

Andreas Scheuer lobt Bürgerdialog

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer betonte anlässlich der Streckenfestlegung zum Brenner-Nordzulauf: „In einem breiten Bürgerdialog haben wir zahlreiche Ausbauszenarien offen, transparent und konstruktiv mit den Menschen vor Ort besprochen. Die Variante mit dem mit Abstand höchsten Tunnelanteil schützt die Menschen und das Inntal bestmöglich. Unser Ziel ist und bleibt: Bürger- und Landschaftsschutz maximal, Lärm- und Umweltschutz bestmöglich.“ Wie Scheuer weiter ausführte soll in einer Machbarkeitsstudie geklärt werden, ob die Anschlussstelle zwischen bestehendem Gleis und neuer Trasse bei Niederaudorf unterirdisch realisiert werden könne.

BBV: Selbst im besten Fall über 100 Hektar Agrarfläche verloren

Das sieht man bei der Kreisgeschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands in Rosenheim anders. Zwar schone die geplante Variante für den Brenner-Nordzulauf durch den hohen Tunnelanteil in der Tat die Nutzflächen am meisten. Allerdings würden dabei laut Ergebnissen des Raumordnungsverfahrens immer noch 25 bis 30 ha landwirtschaftliche und rund 25 ha forstwirtschaftliche Nutzfläche durch Flächenversiegelung verloren gehen. Das betreffe allein die Strecke zwischen Niederaudorf und Höhe Großkarolinenfeld, also etwa die Hälfte der geplanten Trasse in Rosenheim. Allein für den restlichen Verlauf bis zur Landkreisgrenze würde voraussichtlich noch einmal so viel Fläche gebraucht werden. Der Gesamtverlust an Fläche in Rosenheim läge damit im besten Fall bei rund 110 ha, hinzu kämen noch ökologische Ausgleichsflächen. Zu bedenken sei: Das Projekt ende nicht an der Landkreisgrenze, es handele sich nur um einen kleinen Bauabschnitt der Achse des Transeuropäischen Verkehrsnetzes von Italien bis nach Skandinavien. 

Weitere Probleme im Raum Ostermünchen

Josef Steingraber, Geschäftsführer des BBV in Rosenheim, sagt zur Streckenfestlegung für den Brenner-Nordzulauf: „Laut einem aktuellen Urteil ist ein Landwirt existenzgefährdet, wenn er mindestens fünf Prozent seiner Eigenflächen verliert. Im Raum Rosenheim haben unsere Betriebe durchschnittlich 24 Hektar, also ist ein Verlust von 0,5 ha existenzbedrohend. Selbst im günstigsten Fall werden durch die aktuelle Trassenplanung hunderte Bauernfamilien in ihrer Existenz gefährdet. Wenn nicht noch Probleme mit der neuen Trassenführung wie etwa um die Anschlussstelle Ostermünchen gelöst werden, wird die Zahl der Betroffenen stark ansteigen.“

Trassenpläne der Bahn

In einer Videoanimation zeigt die Deutsche Bahn, wie der Trassenverlauf für den Brenner-Nordzulauf im Raum Rosenheim künftig aussehen könnte. Die Bahn verweist darauf, dass der Endzustand der Trasse sich im Rahmen künftiger Planungsphasen noch ändern könne.

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