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Wirtschaft

IAMO vs Foodwatch: Indexfonds im Visier

pd
am
10.12.2013

Halle - Foodwatch prangert die Agrarrohstoffspekulation an und fordert ein Verbot von Indexfonds. Wissenschaftler der IAMO und der Universität Halle wiedersprechen den Vorwürfen in einem aktuellen Studienpapier.

Die zivilgesellschaftliche Organisation Foodwatch vertritt die Ansicht, dass Indexfonds für die weltweite steigenden Lebensmittelpreise und damit für den Hunger in armen Ländern verantwortlich sind. Die Wissenschaftler des IAMO und der Universität Halle-Wittenberg haben nach eigenen Aussagen bereits letztes Jahr auf der Grundlage von 35 empirischen Studien belegt, dass sich die Finanzspekulation auf das Funktionieren der Agrarrohstoffmärkte nicht nachteilig ausgewirkt. Laut Experten sollen passiv gemanagte Long-only-Indexfonds dazu beitragen, die den Rohstoffproduzenten zur Verfügung stehenden Versicherungsmöglichkeiten auszuweiten und so die Angebotsmenge positiv zu beeinflussen.
 
"Die bisherigen Erkenntnisse sprechen dafür, dass der zivilgesellschaftliche Alarm als Fehl-Alarm einzustufen ist. Von einer grundlegenden Regulierung in Form von Positionslimits oder eines Verbotes von Indexfonds wird abgeraten", so IAMO-Direktor Professor Thomas Glauben.

Wissenschaftler widerlegen Vorwürfe

Zahlreiche Forschungspublikationen, die gemeinsam vom IAMO, von der Universität zu Kiel und der Universität Halle-Wittenberg zu diesem Themenkomplex veröffentlicht wurden, kamen zum Resultat, dass Agrarspekulation mit Indexfonds keinen negativen Einfluss haben. Auch eine im Auftrag von Foodwatch kürzlich erschienene Studie von Professor Hans-Heinrich Bass, Hochschule Bremen, konnte laut Experten keinen wissenschaftlichen Konsens über die Schädlichkeit von Spekulationen mit Agrarrohstoffen feststellen.
 
"Im Hinblick auf das moralische Ziel einer Bekämpfung des weltweiten Hungers ist die Argumentation von Foodwatch nicht nur nicht hilfreich. Sie ist sogar kontraproduktiv, denn sie lenkt die öffentliche Aufmerksamkeit weg von den wirklich relevanten Reformen", befürchtet Wirtschaftsethiker Professor Ingo Pies von der Martin-Luther-Universität.
 
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