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Ernährung und Gesundheit

IARC: Verarbeitetes Fleisch soll krebserregend sein

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Katharina Krenn, agrarheute
am
27.10.2015

Verarbeitetes Fleisch wie Wurst und Schinken soll Krebs verursachen. So das Fazit einer Studie der Internationalen Krebsforschungsagentur. Worauf die Ergebnisse beruhen und wie diese zu bewerten sind.

Wer zu viel Wurst isst, steigert sein Risiko an Darmkrebs zu erkranken, behaupten die Wissenschaftler der Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), einer Behörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in einem neuen Studienbericht. Verarbeitetes Fleisch wurde in der Studie als "krebserregend" eingestuft. Laut den veröffentlichten Ergebnissen steige das Darmkrebs-Risiko bei einem täglichen Konsum von je 50 Gramm verarbeitetem Fleisch um etwa 18 Prozent.
 
Zudem stuften die Experten rotes Fleisch als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Das untersucht die IARC

Die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) untersucht im Auftrag der WHO, was beim Menschen Krebs auslösen kann. IARC untersucht jedoch nicht die Stoffe selbst, sondern ermittelt, wie gut belegt ist, dass gewisse Stoffe Krebs verursachen. In diesem Fall haben Experten mehr als 800 Studien über den Zusammenhang von Fleischkonsum und dem Risiko für verschiedene Krebsarten ausgewertet.
 
Die IARC teilt dann die Ergebnisse in fünf Kategorien ein:
  1. "krebserregend" (1)
  2. "wahrscheinlich krebserregend" (2A)
  3. "möglicherweise krebserregend" (2B)
  4. "nicht einzustufen" (3)
  5. "nicht krebserregend" (4)
Zur Kategorie 1 zählt nun auch verarbeitetes Fleisch und reiht sich damit unter Tabak und Asbest ein. Rotes Fleisch wurde in Kategorie 2A eingestuft wie auch das Herbizid Glyphosat.
 

Gegensätzliche Stimmen und Studien

Laut einer kürzlich veröffentlichten niederländischen Studie sei Fleischkonsum kein Risikofaktor für Dickdarmkrebs. Die Daten zeigten keinen statistisch signifikanten Unterscheid bei Darmkrebs zwischen Vegetariern und Fleischessern.
 
Die Ergebnisse einer jüngst publizierten Meta-Analyse von 27 unabhängigen Studien aus Amerika, Asien, Europa und Australien belegt, dass der Konsum von rotem Fleisch bei Dickdarmkrebs keine bedeutende Rolle spielt.
 
Der frühere Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Harald zur Hausen kritisiert ebenfalls, dass in dem Bericht nicht erwähnt werde, dass es Länder mit hohem Fleischkonsum gebe, in denen die Dickdarmkrebs-Raten trotzdem sehr niedrig sind. Aus seiner Sicht müsste mehr zwischen den verschiedenen Sorten roten Fleisches differenziert werden. So gebe es Anhaltspunkte, dass vor allem bestimmte Sorten von Rindfleisch das Risiko steigern, so zur Hausen.
 
Der infodienst aid veröffentlichte kürzlich in seinem Magazin 'Ernährung im Fokus' (Heft 09/10/2015) eine Auswertung unter Prof. Andreas Hahn, Leiter des Instituts für Lebensmittelwissenschaft der Universität Hannover. Dafür wurde eine Vielzahl internationaler Studien aus den vergangenen rund 15 Jahren zusammengetragen und bewertet. Ihr Fazit: "Betrachtet man die Datenlage insgesamt, so gibt es wenig Hinweise, dass der mäßige Verzehr (300 bis 600 Gramm pro Woche) von rotem Fleisch das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, erhöht."

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