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Indien: Menschenfressender Tiger getötet

Tiger im Dickicht
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Sabine Leopold, agrarheute
am
06.11.2018

In Indien hat eine Tigerin in den vergangenen zwei Jahren mindestens 13 Menschen getötet. Jetzt wurde sie geschossen. Die Dorfbewohner feiern, Tierrechtler reden dagegen von Mord.

Geht es um Wölfe in Deutschland oder Bären in Italien oder der Schweiz, beklagen geschädigte Landwirte nicht selten, dass es wohl erst Angriffe auf Menschen geben müsse, um die Verantwortlichen und Tierschutzorganisationen zum Umdenken zu bringen.

Dass bei letzteren in manchen Fällen auch das nicht hilft, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Indien.

Tigerin soll 13 Menschen getötet haben

Seit rund zwei Jahren versetzte eine Tigerin im indischen Bundesstaat Maharashtra die Anwohner rund um den Ralegaon-Wald in Angst und Schrecken. Insgesamt 13 Menschen soll die Katze seit Mitte 2016 getötet haben, für sieben davon gibt es einen DNA-Beweis.

Vergangenen Freitag wurde das Tier nun in einer großangelegten Jagd erlegt. Zwar hatten die indischen Behörden ein Einfangen des Tigers präferiert, doch die Großkatze griff nach dem Betäubungsschuss an und wurde deshalb durch einen scharfen Schuss zur Strecke gebracht.

Drei Monate intensive Suche

Ungefähr 200 Menschen waren an der dreimonatigen Suchaktion nach der Tigerin – die Tierschützer  wie in solchen Fällen üblich mit dem Namen Avni versehen hatten – beteiligt. Kamerafallen wurden installiert, Köder angeboten und Wächter auf Aussichtsplattformen postiert.

Erst jetzt gelang es, der sechs Jahre alten Kätzin, die nach Agenturberichten zwei zehnmonatige Jungtiere führte, habhaft zu werden.

Tierrechtler sprechen von Mord und illegalem Abschuss

In den Dörfern der Region gab es Freudenfeste der Erleichterung. Doch die Begeisterung ist nicht für alle nachvollziehbar.

Tierrechtler hatten im Vorfeld versucht, gegen die Abschussgenehmigung vorzugehen. Jetzt beklagen diverse Organisationen im Netz und in den sozialen Medien die Tötung der Tigerin als "Mord".

Meet Ashar von PETA India kommentiert den Vorfall in einer Pressemitteilung der Organisation: “Avni wurde illegal getötet, um den Blutdurst eines Jägers zu stillen [...] Sie dürfte nicht schnell gestorben sein, sondern langsam unter Schmerzen und durch Blutverlust und wahrscheinlich vor den Augen ihrer nun verwaisten Jungen ..."

Kein Hinweis auf quälenden Tod

Für diese dramatische Geschichte gibt es allerdings bislang keinerlei Hinweise, Augenzeugen berichten, das Tier sei nach einem einzigen Schuss sofort verstorben.

Zu den Gefahren durch die menschentötende Tigerin äußert sich PETA India in seiner Pressemitteilung nicht.

Der Hinweis auf die verwaisten Jungen könnte übrigens auf den nächsten Ärger hindeuten. Frühere Erfahrungen mit sogenannten Menschenfressern zeigen, dass dieses Verhalten von den Müttern an ihre Jungen weitergegeben wird. Sollte es nicht gelingen, die Welpen einzufangen, könnten sie schnell zur neuen Gefahr werden und müssten dann wohl ebenfalls zügig abgeschossen werden.

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