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Inflation in UK

Inflation: britische Supermarktkette lässt Kunden anschreiben

In England ist die Inflationsrate so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Kunden im Supermarkt können jetzt auf Kredit kaufen, also „anschreiben lassen“.
am Donnerstag, 25.08.2022 - 05:00 (1 Kommentar)

Das Leben in England ist so teuer wie seit 40 Jahren nicht mehr: Der Preis für Waren und Dienstleistungen ist wegen der Inflation im Juli um circa 10 Prozent gestiegen. Die britische Supermarktkette Iceland Foods bietet Kunden jetzt sogar zinslose Kredite für ihren Lebensmittel-Einkauf an.

Zielgruppe des Programms sind einkommensschwache Haushalte, die sich die steigenden Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten können.

Iceland Foods ist mit mehr als 900 Geschäften im Vereinten Königreich stark vertreten. Die Supermarktkette ist eine Kooperation mit dem gemeinnützigen Kreditgeber Fair For You eingegangen.

Das Programm sieht vor, Kunden mit niedrigen Einkommen Kleinstkredite über vorinstallierte Karten zu gewähren. Die Darlehen beginnen bei 25 Pfund und enden bei 100.

Kunden können ihr Minus einmal in der Woche ausgleichen. Außerdem sollen die Kredite sechs Fristen im Jahr beinhalten.

Kredit auf Lebensnotwendiges soll Kunden binden

Iceland zufolge soll das Kreditprogramm flexible Rückzahlungsoptionen ermöglichen. Die Kredite würden auch nicht an Dritte weiterverkauft.

Offenbar ging dem Programm ein Pilotprojekt mit 5000 Kunden voraus. Durch das flexible System kamen offenbar zweidrittel Teilnehmer seltener in Zahlungsverzug.

Hinsichtlich Kundenbindung ist Iceland Foods mit dem Programm ein geschickter Schachzug im hart umkämpften britischen Einzelhandel gelungen: Kunden mit wenig Einkommen sind durch ihr Darlehen und die flexiblen Rückzahlungsoptionen zwangsläufig längerfristig an die Supermarktkette gebunden.

Inflation in England: Preise im Einzelhandel um 12 Prozent gestiegen

„Mehr denn je haben die Menschen während dieser unerbittlichen Krise bei den Lebenshaltungskosten Schwierigkeiten, dringend benötigte Dinge des täglichen Lebens zu kaufen“, sagt Richard Walker, Geschäftsführer von Iceland Foods.

Die Idee, Kunden unbürokratisch mit einer Art temporärer Kreditkarte auszustatten und einkaufen zu lassen, erklärt er so: „Es bedarf eines neuen Denkens seitens der Wirtschaft und der Regierung, um praktikable Lösungen zu finden.“

Und so startet die Initiative zu einem Zeitpunkt, an dem die Inflation in UK so hoch ist wie seit 40 Jahren nicht mehr. Das Office for National Statistics in London gibt an, dass Waren und Dienstleistungen im Juli durchschnittlich um 10,1 Prozent mehr kosteten als im Vorjahr. Im Einzelhandel stiegen die Preise sogar um 12,3 Prozent, wie zuletzt Anfang der Achtziger Jahre.

UK-Ökonomen befürchten lang anhaltende Rezession

Wirtschaftswissenschaftlern gehen davon aus, dass die Inflation im Vereinten Königreich auf über 13 Prozent steigen könnte. Das könnte wiederrum eine langanhaltende Rezession zur Folge haben.

Ökonomen der Citi Bank zeichnen sogar ein noch düstereres Bild. Sie sprechen von einer regelrechten Preisexplosion und halten eine Inflationsrate von mehr als 18 Prozent für wahrscheinlich.

Damit wäre die Teuerungsrate so hoch wie seit 1976 nicht mehr. Zum Vergleich: In Deutschland gehen Ökonomen davon aus, dass die Inflationsrate im Herbst auf maximal 9 Prozent steigen wird.

Mit Material von Reuters, Börsen-Zeitung

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